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Jour Fixe Programm Herbst/Winter 1983/84

Die theoretische Diskussion innerhalb der Linken, die über die Analyse der alltäglichen politischen Praxis hinausgeht, beschränkte sich in den letzten Jahren auf einige wenige esoterische Exklaven. Ein Stück weit aus ihnen auszubrechen, ist der Sinn und Zweck des Jour fixe. Die thematisch vielfältigen Auseinandersetzungen, wie sie die Studentenbewegung in ihren Teach-ins praktizierte, ging verschütt‘ unter den Bedingungen eines rigiden und phantasielosen Mlismus und einer spontaneistischen Bauchpolitik, der jede Theorie ein Greuel ist. Diese Endmoränen der 70er Jahre wollen wir abtragen, um die anfängliche Tradition wiederbeleben zu können. Anknüpfend an die Praxis der “Republikanischen Clubs”, die versuchten, sozialistische Theorie über die ideologische Restauration der 50er und 60er Jahre zu retten, gilt es heute, in einer Zeit geistloser Zustände kommunistisch-anarchistische Theorien neu zu entwerfen. – Diskussion setzt Information voraus. In mal kurzen, mal auch etwas längeren Beiträgen stellen Freunde und Genoss(inn)en der ISF ein Thema vor, über das anschließend diskutiert werden soll. Die Veranstaltungen finden jeweils Dienstags um 19.30 im Hinterraum des “Jos Fritz” statt.

Dienstag, 25. Oktober 1983

Gewerkschaften in der Krise: Aussichten für die 80er Jahre

Schon heute gehen alle davon aus, daß Mitte der 80er Jahre die Arbeitslosenzahlen die 5 Millionen-Grenze erreichen. Welche Konzepte haben die Gewerkschaften, um dieser ungeheuren Krise etwas entgegenzusetzen? Wird sich die Arbeiterbewegung radikalisieren, oder werden die Gewerkschaften dem ‘Kampf aller gegen alle‘ hilflos und ohnmächtig zusehen? War die HDW-Besetzung Anfang oder Ende des IG Metall-Widerstandes? Werden die Mikrochips der DGB fressen oder umgekehrt? Wann findet die Revolution statt, und sind die Arbeiter Subjekt oder Objekt der Umwälzung?

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 25. Oktober 1983

“Tootsie” – die Utopie sozialdemokratischer Beziehungsarbeit

Beim verzweifelten Versuch, den Gesamtgeschmack der Bevölkerung zu ergründen, stieß ich nach einigen Action- und Sexfilmen auf Tootsie. Während die Knochensplitter-, Teenie- oder Gynäkologenfilme eher auf Partialbedürfnissen fußen und dies auch befriedigen, setzt sich ein Angestelltenschicksal (dargestellt von Dustin Hoffman) in der Verwechslungskomödie “Tootsie” als das allgemein Menschliche. Rührseligkeit und Sozialkritik sind die Konstituentien eines Kultfilms, den die IKEA-Fraktion der arbeitenden Bevölkerung besucht.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 25. November 1983

Franz Jung: Vom Anarchokommunisten zur religiösen Verzückung.

Ein Lebensweg 1888 – 1963

Franz Jung, Schriftsteller, Revolutionär, Bankrotteur, Schiffsräuber und vieles andere mehr, gehört gewiß zu den schillerndsten Linksintellektuellen des 20. Jhdt. Das Fa szinierende seiner abenteuerlichen Biographie verdeckt allerdings leicht, daß er nicht nur die damalige Szene mit seinen extravaganten Touren entzückt hat, sondern auch zu den Vordenkern eines anarchisch-utopischen Sozialismus zählt. Anhand seiner theoretischen Schriften läßt sich zeigen, wie sich dieses Ideengut aus seiner persönlichen Situation ergab und inwiefern es darüber hinaus weist.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 6. Dezember 1983

Warum ist “Das Kapital” von Marx so langweilig?

Neue Wege der Lektüre

Rechte und linke Sozialdemokraten (SPD und DKP) haben die Marxsche Ökonomiekritik als “Handbuch der Volkswirtschaftslehre” (E. Bernstein) gelesen und es der Revolution damit enteignet, es zum Experten- und Geheimwissen aufgeklärter Technokraten gemacht. Am deutlichsten zeigt sich dies in der Rede von der “Anwendung des Wertgesetzes”. Wie kann “Das Kapital” im Interesse der Aufhebung des Kapitals gelesen werden, d.h. als “Kritik der politischen Ökonomie”, wie sein Untertitel lautet? An der Aneignung des “Kapital” kann die Dialektik von Theorie und Praxis studiert werden: Nicht umsonst konnte sich August Bebel rühmen, niemals über die ersten hundert Seiten hinausgekommen zu sein – er war eben ein Praktiker; und die Praxis war danach. (Bei dringendem Interesse und ausreichender Teilnahme kann ein Arbeitskreis zur “Kapital”-Lektüre gebildet werden.)

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 20. Dezember 1983

Narzißmustheorie und Gesellschaftsanalyse

Selten wurde das Theoriegebäude der Psychoanalyse so erschüttert wie durch die bis heute umstrittene Narzißmustheorie. Untersucht werden soll die Relevanz dieser neuen Forschungsrichtung anhand ihrer Fähigkeit, gesellschaftliche Verhältnisse und Entwicklungen zu erklären.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 17. Januar 1984

Ein notorischer Unterflieger

Zur Philosophie des Günther Anders

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 31. Januar 1984

Der sozialdemokratische Charakter:

ein Trauerspiel im Allgemeinen und Besonderen

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 14. Februar 1984

Gewerkschaften und Atomenergie – ein Lehrstück in Sachen Korporativismus

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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