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ça ira-Verlag

Jour Fixe Programm Frühjahr/Sommer 1985

Dienstag, 16. April 1985

Der Heroische Realismus: Die Sozialphilosophie der Bohème

Die Panik im akademischen Mittelstand setzt einen neuen Irrationalismus frei. Für die Abkehr von materialistischer Aufklärung wurde der “Anti-Ödipus” von Gilles Deleuze und Felix Guattari schon früh zum Kultbuch. Scheinradikalismus, Ästhetizismus des Denkens, Eskapismus der Gefühle: Der panische Mittelstand kennt nur noch eine Richtung, nicht rechts, nicht links, sondern vorn. Etwaige Parallelen zur Kriegsphilosophie des Goethe-Preisträgers Ernst Jünger sind ganz und gar nicht zufällig, sondern haben teil an der Unaufhebbarkeit der deutschen Misere.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 23. April 1085

Archiv-Soireè

Das “Archiv für soziale Bewegungen in Baden” stellt sich vor. Es sammelt Flugblätter, Broschüren, Materialien, Protokolle, Aufsätze, Bücher aus allen Bereichen, in denen sich außerparlamentarische und keiner Partei angehörende Gruppen, Initiativen, Bewegungen äußern. Alles, was es an Gedrucktem, Geschriebenen, Geknipsten und Gemaltem gibt, archivieren wir und machen es öffentlich zugänglich. Wie weit wir sind, darüber mehr in unserer SoireĆ© (Diskussion über politische Nützlichkeiten inklusive)

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 14. Mai 1985

Herbert Marcuses Theorie der Revolution

Er hielt die Revolution für möglich, ja für notwendig. Er setzte große Stücke auf Studenten, Intellektuelle und Minderheiten als revolutionäre Antriebskräfte. Er galt als der große Rechtfertiger für politisch motivierte Gewaltanwendung. Er wurde je älter je optimistischer. Und heute? Revolution?! Schon das Wort verursacht Bauchgrimmen, während der Kopf darauf überhaupt nicht mehr reagiert. Schnee von gestern!? Wirklich? In dem Vortrag soll weniger die Zeit beklagt noch die gute alte Zeit (= 1968) verherrlicht werden, sondern Marcuses Gesellschaftskritik, die in seine Revolutionstheorie mündet, dargestellt werden. Wohlwollend und/bzw. kritisch. Und mit einem Schuß Lust an Theorie. Denn nur so kann vielleicht ein Funken Optimismus – den die CDU ja nicht für sich gepachtet hat – vom seligen Marcuse zu uns 'rüberspringen, was uns wohl allen gut täte.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 4. Juni 1985

Er hielt die Revolution für möglich, ja für notwendig. Er setzte große Stücke auf Studenten, Intellektuelle und Minderheiten als revolutionäre Antriebskräfte. Er galt als der große Rechtfertiger für politisch motivierte Gewaltanwendung. Er wurde je älter je optimistischer. Und heute? Revolution?! Schon das Wort verursacht Bauchgrimmen, während der Kopf darauf überhaupt nicht mehr reagiert. Schnee von gestern!? Wirklich? In dem Vortrag soll weniger die Zeit beklagt noch die gute alte Zeit (= 1968) verherrlicht werden, sondern Marcuses Gesellschaftskritik, die in seine Revolutionstheorie mündet, dargestellt werden. Wohlwollend und/bzw. kritisch. Und mit einem Schuß Lust an Theorie. Denn nur so kann vielleicht ein Funken Optimismus – den die CDU ja nicht für sich gepachtet hat – vom seligen Marcuse zu uns 'rüberspringen, was uns wohl allen gut täte.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 4. Juni 1985

Georg Lukács, “Geschichte und Klassenbewußtsein”

Sich der Wirklichkeit über den “Umweg” einer Erkenntniskritik zu nähern, ist aus der Mode gekommen. Was heute zählt, ist Unmittelbarkeit, ist Authentizität des Erlebens. Es spricht für die Linke, daß sie hier wenigstens ein schlechtes Gewissen zeigt und die Jubiläen ihrer Klassiker feiert, auch wenn deren Inhalte ihr kaum noch etwas bedeuten. So bleibt wenigstens die Chance, das schlechte Gewissen als Aufhänger zu benutzen und zu versuchen, in der Form des Gedenkens doch noch die von den Moden verschütteten Inhalte der Klassiker freizulegen. In diesem Sinne soll die hunderste Wiederkehr des Geburtstags von Georg Lukács Anlaß zur Erörterung der Frage sein, ob seine Darlegungen zum Thema “Geschichte und Klassenbewußtsein” auch heute noch einen praktisch relevanten Zugang zu Wirklichkeit und Politik aufzeigen können.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 18. Juni 1985

Vom Vögeln, der Liebe und anderen Pläsierchen

Herr Bertolt Brecht, seines Zeichens Dichter und “Stückeschreiber”, war einer, der was vom Vögeln und der Liebe verstand. In seinen Stücken und Gedichten blieb er den Beweis nicht schuldig: “Das Bordell, wo unser Haushalt war”, “das Bett der Hanna Cash”, die Flüsse “des ertrunkenen Madchens”, “Die Liebenden”, “Die Zuhälterballade”, “Über die Verführung von Engeln”, “Sauna und Beischlaf” und so fort. Herr Bertolt Brecht war ein “Forscher” auf diesem Gebiet. Alles war ihn vertraut: Anmache, Leidenschaft, Entrücktheit, Verzicht, Bitterkeit, Trennung, Entfremdung und schließlich der Tod. Wir müssen bei Brecht auf Grobes und Vulgäres gefaßt sein, auf “Geilheit, Onanie und Hurenbetten”, auf “Untreue der Männer und v.a. 'Weiber'.” Nichts desto trotz müssen wir seinen Erfahrungsreich zur Kenntnis nehmen, so wie er “die Ratschlage einer älteren Fose an eine jüngere” zur Kenntnis nahm.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 2. Juli 1985

Hitchcock: Die Blickordnung der Mysogenie

Bei Hitchcocks genußvoll inszenierten Frauenmorden darf der Zuschauer sardonisch grinsen. Die Produktionsweise dieses Grinsens, seine Genese und sein Ziel, wird an diese. Abend untersucht werden.. Regie: Walter Brennan.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 16. Juli 1985

Euzkadi Ta Askatasuna

Das Baskenland und seine Freiheit

Ende der 60er Jahre wurden Ziele/Inhalte westeuropäischer Regionalbewegungen auch von städtischen Intellektuellen selbst der Metropolen aufgegriffen. War das relative Erstarken Folge der Suche nach überschaubaren politischen Zusammenhängen oder Verlagerung von Klassenkämpfen auf ethnisch-kulturelle Ebenen? Der Widerstand der Basken ist so alt wie deren 'Eingliederung' in National-Staaten. Er ging immer über eine rein nationale Befreiungsbewegung hinaus, wenn auch die Frage soziale oder nationale Befreiung in der Linken immer wieder zu Spaltungen führte. Angesichts der Zusammenarbeit der sozialistischen Brüder Gonzales und Mitterand und des nahenden EG-Beitritts, der ihnen alles andere als ein Europa freier Völker bescheren wird, stehen die Basken heute vor neuen Problemen.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Programmtext:
Frei Haus