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ça ira-Verlag

Jour Fixe Programm Herbst/Winter 2001/2002

Dienstag, 16. Oktober 2001

Der Rätekommunismus in Geschichte und Gegenwart

Man versteht die Enttäuschung über den Untergang der “realsozialistischen” Gesellschaften nicht so recht, die noch immer unter den Lin­ken umgeht. Denn der marxistische Anti-Leninismus, so, wie er aus Rosa Luxemburgs Kritik der Russischen Revolution erwuchs und in den 20er Jahren von Anton Pannekoek und den Ratekommunisten fort­gesetzt wurde, hatte gezeigt, daß der Bolschewismus nur vermittels der Arbeiterklasse eine Schicht von Führern und Intellektuellen zur Herr­schaft bringen will, eine neue herrschende Klasse. Weder die Intellek­tuellen noch die Bolschewisten bilden eine ernstliche Bedrohung der kapitalistischen Gesellschaft. Wenn aber der Kapitalismus infolge des revolutionären Kampfes der Arbeiterklasse einer wirklichen Gefahr aus­gesetzt ist, dann kann eine Front der Bolschewisten und Intellektuel­len zur Bedrohung der Arbeiter werden. Anton Pannekoek kritisiert “das bürgerliche Denken, das einen Gesellschaftszustand, in dem die Arbei­ter selbst als Herren ihre Arbeit regeln, ohne Führung von oben, nur als ein Chaos auffassen kann.” “Die Intellektuellen”, sagt er, “glauben, nur sie seien dazu befähigt und vorbestimmt, die Führung der Gesell­schaft in die Hand zu nehmen Sie kennen ihre eigene Beschränktheit nicht. Zwar ist der menschliche Geist das höchste Produkt der Natur, aber das bedeutet nicht, daß die geistige Arbeit über die körperliche Arbeit herrschen muß Der Gegensatz von geistiger und körperlicher Arbeit stammt nicht aus der Natur, sondern aus der Gesellschaft her, er ist kein wesentlicher und natürlicher Gegensatz, sondern ein künst­licher Klassengegensatz.” –Es spricht Cajo Brendel, Amersfoort (NL), aus Anlaß des Erscheinens seines Buches Anton Pannekoek Denker der Revolution. Cajo Brendel, geb. 1915 im Haag, Rätekommunist, schließt sich 1934 der holländischen Gruppe Internatio­naler Communisten (GIC) an. Er war Mitherausgeber der hollän­dischen Zeitschriften Spartacus (1952-1954) und Daad en Gedachte (1965-1998). In der Bundesrepublik wurde er u. a. bekannt durch sei­ne Rede auf dem Kronstadtkongreß 1971 in Berlin anläßlich der 50. Jahresfeier der Kommune von Kronstadt und durch seine Veröffentli­chungen in deutscher Sprache, u. a. “Lenin als Stratege der bürgerli­chen Revolution”, “Thesen über die chinesische Revolution” sowie “Anmerkungen zur Neuformierung der revolutionären Linken”.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 30. Oktober 2001

Der Marxismus von ‘68

Ein Ideologie wird besichtigt

Die theoretische Artikulation der studentischen Protestbewegung war so doppeldeutig wie es das Subjekt dieser Bewegung war: Einerseits war es weltrevolutionär und ausschweifend internationalistisch, indem es mit dem Gedanken der staaten- und klassenlosen Weltgesellschaft sympathisierte – andererseits frönte sie, einem Wort Hans-Jürgen Krahls zufolge, der “Trauer um den Tod des bürgerlichen Subjekts”, und sie lebte diese Trauer derart exzessiv aus daß sie, etwa in den Riten der “Kommune I” oder in der Roten Armee des Horst Mahler, schon den Charakter eines Purgatoriums annahm und seine Wiederkehr be­schwor. Nach der Seite ihres weitausgreifenden Internationalismus war die Protestbewegung ebenso futuristisch wie nach der Seite ihrer Reanimationsbemühungen am bürgerlichen Subjekt – beide Male blieb der Nazifaschismus buchstäblich auf der Strecke. Die Theorie der 68er ist Ausdruck dieser Ambivalenz. War sie einerseits die erste Generati­on nach 1933, die das historische Gluck hatte, die Gehirnwäsche, die der NS am revolutionären Denken vollzog, heilen zu können und die Tradition, insbesondere die Kritische Theorie, neu zu entdecken – so zeugt andererseits die autoritäre Aufhebung der Bewegung, ihre Hin­wendung zum Maoismus, Trotzkismus und anderen Stalinismen davon, daß man den Tod des bürgerlichen Subjekts vermittels seiner Wieder­auferstehung in Gestalt des Reisekaders, des intellektuellen Bürokra­ten künftiger Herrschaft, zu heilen gedachte. Im Zentrum des Marxis­mus von 68 steht so eine resolute Verweigerung des Materialismus, ein Syndrom, das von Karl-Heinz Roth und den deutschen Operaisten über Joschka Fischer und seinem “Revolutionären Kampf” bis hin zu Ro­bert Kurz und seinem “Wie lese ich den Wirtschaftsteil meiner Tages­zeitung?”- Marxismus reicht, eine Verweigerung, die ihr Marx-Verständ­nis zutiefst prägt. Dieser Marxismus resümiert sich einerseits im ty­pisch deutschen Widerwillen und in der linksbürgerlichen, fast schon instinktiven Aversion, die historische Erfahrung des Nazifaschismus als Zentrum der gesellschaftskritischen Reflektion zu bedenken, und er faßt sich andererseits dahingehend zusammen, daß er sich als die Ideologie der Intellektuellen strikt weigert, über die Spaltung von gei­stiger und körperlicher Arbeit wie über der Zusammenhang von Waren­form und Denkform nachzudenken. – Es spricht Joachim Bruhn (Frei­burg).

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Donnerstag, 1. November 2001

Karl Marx: “Das Kapital”

Einführung in die Kritik der politischen Ökonomie

Es waren die Intellektuellen, insbesondere die Soziologen und die Phi­losophen, die Marx zum “Marxisten” gemacht haben und damit zu et­was, das er, der in seinen besten Momenten aus Kritiker der politischen Ökonomie auftrat, nur insoweit war, als er sich nicht aus der Tradition zu lösen vermochte, zum Theoretiker. Und es sind eben diese Intel­lektuellen, die, unfähig zur Kritik der geistigen Arbeit und ihrer spon­tanen Neigung zur Ideologieproduktion, in jedem Epochenumbruch, gleich, ob 1918, 1968 oder 1989, die “Krise des Marxismus” ausru­fen, weil die empirische Entwicklung den Theoretiker Marx widerlegt zu haben scheint. Zwei Phänomene wuchern ineinander, erstens die Ambivalenz des marxschen Werkes selbst, zweitens die Rezeptionsgewohnheiten der akademischen Intelligenz. Eine kritische Lektüre des “Kapital” wird daher weder einen “authentischen” Marx herausdestillieren und zum Prüfstein der Interpretationen machen können, noch wird sie der Neigung nachgeben, sein Werk als Theorie der kapi­talistischen Entwicklung zu lesen und soziologisch zu verifizieren. Denn der revolutionäre Materialismus oder auch “kritische Kommu­nismus” (Marx) ist weder eine wissenschaftliche Methode noch eine proletarische Weltanschauung, er ist vielmehr, wie schon der Unterti­tel des “Kapital” besagt, “Kritik”. –.

Vorbesprechung am 1. 11. um 20 Uhr im Institut für Sozialkritik, Belfortstr. 46 (Hinterhaus). Der Kurs findet bis Juli 2002 einmal im Monat an einem Wochenende statt, das erste Mal am Samstag/Sonntag, den 24./25. 11. von 14 bis 19 Uhr.

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Samstag, 10. November 2001

Antifaschistischer Stadtrundgang

Unter besonderer Berücksichtigung der “Arisierung” in Freiburg. – Die Route führt vom Regierungspräsidium (früher NS-Polizeipräsidium) über das ehemalige jüdische Viertel (Wasserstraße) zur Universität (Vor­reiterrolle der Freiburger Universität für die nationalsozialistische Gleichschaltung der deutschen Universitäten), dann weiter zum Hauptbahnhof (Deportation) und endet um 17 Uhr am Platz der alten Syn­agoge - Es führt und kommentiert E. Schlesiger.

Treffpunkt um 15 Uhr vor dem Regierungspräsidium, Kaiser-Joseph-Straße.

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Dienstag, 13. November 2001

“Sex is a dumb boaring Hippie stuff”

In Talkshows und Therapien, in Bekenntnissen und Beratungen für die Jugend, nicht zuletzt in autonomen Verhandlungen verständigt sich die Gesellschaft über das Begehren ihrer Subjekte. Die gemeinsame Grund­lage dieses Geredes besteht in der Setzung der Sexualität, wie auch im­mer ausbuchstabiert, als Sphäre der innigsten Wahrheit. Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein. Und mehr noch hier geht es, ganz jen­seits von Knechtung und Verächtlichkeit, ums Wesen und um seinen Kern – die sexuelle Identität als schicksalhafte Bestimmung. Mit ei­nem allgemein erwachten Interesse am lustvollen Austausch von Körpersäften, das bloß verbissene Politkader als eskapistisch zu ver­urteilen sich bemüßigt fühlen, hat das nichts zu tun. Gerade der Trend zur Verhandlungsmoral, der scheinbar pragmatisch, ganz ohne ethische Verklärung und tiefe Gefühle, das billigt, worüber in Absprachen Ei­nigkeit erzielt wurde, erweist sich als Abwehr des Unberechenbaren, des Triebhaften – ganz wie bei jenen, die sich durch den Panzer der Identität zu schützen wissen. Bleibt nur die Frage, wie Kritik den ge­sellschaftlichen Grundlagen dieser Angst zu begegnen hat – mit der Ver­achtung des Punk-Rock oder mit dem Versprechen von “Romeo und Julia”. Es spricht Lars Quadfasel, Gruppe “Rausch, Ratio, Revolu­tion” Hamburg.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 27. November 2001

Krankheit und Kriminalität

Die Arzte- und Medizinkritik der kritischen Theorie

Es gibt Gedanken und Theorien, die die Gesundheit voraussetzen, während andere – unter ihnen kritische Theorie – dem Schmerz ent­stammen “Wo es weh tut, liegt eine gesellschaftliche Erkenntnis ver­borgen” – auf diesen Nenner läßt sich die Ärzte- und Medizinkritik der kritischen Theorie bringen. Am Beispiel des Medizinbetriebs diagno­stizieren Max Horkheimer und Theodor W. Adorno die Transformati­on nachliberaler Herrschaft in ein Regime verbrecherischer Banden und veranschaulichen die Brandmale dieser Herrschaft, die in den Ärzten ihre zuverlässigen Agenten hat, an den Verheerungen, die diese in den Krankenanstalten anrichtet. Dabei geht es nicht um Kritik an verein­zelten Mißständen, sondern um die Anklage eines zum Syndikat mu­tierten Berufsstandes. Die Medizin teilt heute das Schicksal der Auf­klärung. Es ist, als seien die technischen und wissenschaftlichen Fort­schritte mit moralischer Verwahrlosung erkauft, als sei die Humanität ärztlicher Praxis im Zuge ihres materiellen Fortschritts verschwunden. – Es spricht Carl Wiemer (Köln), Autor des gerade bei Ça ira erschie­nenen Buches “Krankheit und Kriminalität”.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 11. Dezember 2001

Frühmarxismus im Spätkapitalismus

Gebrauchsanleitung zur Situationistischen Internationale

Die Überzeugung, daß die Verwirklichung der Kunst nur als ihre Auf­hebung und diese nur als Weltrevolution zu haben ist, bestimmte die Entwicklung der anfänglich als “Organisationsversuch von Be­rufsrevolutionären in der Kultur” konzipierten Situationistischen Inter­nationale (1957-1972) zu einem Zirkel rätekommunistischer Kritiker, der die veränderten Bedingungen sozialer Emanzipation ins Visier nahm. Guy Debord, der wichtigste Theoretiker der SI , diagnostizier­te den tendenziellen Fall nicht der Profitrate, sondern des Gebrauchs­werts. Den Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produk­tionsverhältnissen faßten die Situationisten als die zu skandalisierende Kluft zwischen dem Möglichen und dem Elend der “technisch überausgerüsteten Vorgeschichte”. Für die Kritik des Spektakels als des höchsten Stadiums der Warengesellschaft munitionierten sich die Situationisten allerdings nicht zuletzt mit den Marxschen Frühschriften – und verfielen stellenweise in pfäffischen Duktus und Anthropologie, etwa mit der Entgegensetzung von “künstlichen Bedürfnissen” und “wahren Begierden”, die als revolutionstheoretischer Rettungsanker im prosperierenden Nachkriegskapitalismus herhalten mußten. Schriften der SI geben aber auch Hinweise darauf, daß die Kritik der Bedürfnisse ebensowenig in Anthropologie münden muß, wie die Frage des Gebrauchswerts bei der Stiftung Warentest aufgehoben ist. – Es spricht Felix Kurz (Freiburg).

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 15. Januar 2002

Living in a (perfect) box?

Das Universum der Balkenträger aus der Perspektive des Bretterverschlags

Anschlußfähigkeit ist gefordert, sei es an den Weltmarkt, an die nach­gefragten Qualifikationen des Arbeitsmarktes oder an die vom Wech­sel der Konjunkturen geprägten Themen der Scientific Community. Ob gesellschaftliche Systeme wie Politik, Recht, Wirtschaft und Wissen­schaft oder gar das System der Systeme, die Gesellschaft selbst, anschluß- und damit reproduktionsfähig sind im Sinne einer Aufrecht­erhaltung ihrer eigenen Strukturen, Operationen und Grenzen, darüber entscheidet nach Niklas Luhmann einzig die operative Faktizität des Anschlusses: “daß die Kommunikation, also die Autopoiesis des Systems weitergeht”, mache den Systemerhalt möglich, zugleich aber “äußerst unwahrscheinlich”. Mit der Figur der “selbstreferentiellen Autopoiesis”, durch die selbst noch die jeweiligen systemischen Zwan­ge als kontingente erscheinen, scheint Luhmanns Systemtheorie das Verhältnis von Stabilität und Veränderbarkeit, oder, wenn man so will, von Notwendigkeit und Freiheit, auf der Höhe moderner Gesellschaf­ten formulieren zu können – und dieser Universalitätsanspruch begrün­det die Anschlußfähigkeit seiner lsquo;Systembaustelle‘ weit über die So­ziologie hinaus. Endlich scheint der Systematizitätsanspruch der Er­kenntnis der Welt als Ganzer mit der Perspektivität und dem Pluralis­mus moderner Welten versöhnt. Doch den praktischen und theoreti­schen Aufklärungsprozessen dieser Welten sind enge Grenzen gesetzt. Luhmann behauptet “Komplexitätsreduktion” als notwendiges Motiv für Systembildung wie auch –erhalt. Alle Systeme produzieren um ih­res Erhalts willen ihre eigenen “blinden Flecke”, oder sie gehen unter – dies gilt sowohl für die operative Ebene systemischer (Selbst-)Reproduktion als auch für die reflexive der (Selbst-)Beobachtungen und Beschreibungen der Systeme. Anhand des Luhmannschen Beobachtungsbegriffs sollen daher erkenntnistheoretische Voraussetzungen und Probleme sowie gesellschaftspolitische Implikate dieses system­theoretischen Universalitätsanspruches diskutiert werden. – Es spricht Kirsten Huckenbeck (Frankfurt), Redaktion “express”. Zeitschrift für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 29. Januar 2002

Die Militarisierung der Weltsozialpolitik

Wie in jeder Epoche des Kapitalismus spielen Gewalt und Krieg eine wesentliche Rolle im Prozeß der weltweiten Durchsetzung von Innovationen, ihrer sozial-technischen Eliten und der neuen Formen der Arbeitsunterwerfung. Heute nennen wir diesen Prozeß Globalisierung”. Seine erste “neoliberale” Phase der Deregulation und Schockpolitik des “Washingtoner Konsenses” ist in die Krise geraten Das gilt auch für ihre spezifischen kriegerischen Formen “schöpferischer Zer­störung”, wie sie ihren Ausdruck im schillernden Spektrum der “low-intensity wars” oder “Chaoskriege” ihren Ausdruck gefunden haben. Sie haben tradierte Lebensformen zertrümmert und neue Formen des sozialen Kommandos hervorgebracht. Warlords, Feldkommandanten, Banden- und Milizenchefs, die Chattabs, Abu Sayyafs, bin Ladens. Als ein genuines Produkt neoliberaler Politik sind sie nun am Ende ihres Nutzens angelangt, haben ausgedient und sind dysfunktional gewor­den. Das Kapital transformiert die Kriegsformen zu einer neuen Etap­pe der Globalisierung. Ausgehend von einer grundsätzlichen Darstel­lung des Verhältnisses von Krieg und Akkumulation wird sich der Vortrag mit dem aktuellen Entwicklungsstand der Militarisierung der Weltsozialpolitik befassen und anhand einzelner Facetten wie z.B. der Repression und den Prozessen in Genua erläutern. – Es spricht Detlef Hartmann (Köln), Autor u.a. es gerade im Verlag Schwarze Risse erschienenen Buches “Neuer Drang nach Osten. Der Weg in die Geopolitik des sozialen Weltkriegs”.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 12. Februar 2002

“Das Patriarchat”

Über die Antiquiertheit eines Begriffs

Der Zusammenhang von Patriarchat und Kapitalismus wird in der Frau­enbewegung, allen Einwänden zum Trotz, auf die Formel gebracht, daß das Kapital notwendigerweise die Unterdrückung der Frau implizie­re. Zum Allgemeinbegriff aber taugt der Begriff des Patriarchats nur dann, wenn diese Herrschaftsform das dominierende, übergeordnete Moment einer Gesellschaft darstellt. Mit der Durchsetzung des Kapi­talismus wurden alle Individuen – auch die Frauen – als bürgerliche Subjekte gesetzt und damit als Gleiche. Außer Frage steht, daß die Frauen dies de facto bis weit über die Mitte des 20 Jahrhunderts hin­aus nicht waren. Dennoch war der Begriff des “Patriarchats” als Allgemeinbegriff theoretisch schon hoffnungslos überholt, als das Ka­pital die Familie zu einer Sphäre abstrakter Privatheit umwandelte. Seine Dynamik macht aber auch davor nicht halt. Denn die Konkur­renzfähigkeit spatkapitalistischer Ökonomie auf dem Weltmarkt setzt die totale Mobilisierung aller Ressourcen voraus, damit auch der weib­lichen Arbeitskraft. – Es spricht Jutta Willutzki (Hamburg), die u a für “Bahamas” schreibt und für die Reihe “Frauen” im Ça ira-Verlag.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Programmtext:
Werwolf und Djihad