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ça ira-Verlag

Jour Fixe Programm Herbst/Winter 2002/2003

Dienstag, 22. Oktober

Die Einsamkeit Theodor Herzls

Der Haß auf Israel und die Arbeit der materialistischen Kritik

Im Wesen deutscher Staatlichkeit liegt es, das tätige Selbstbewußtsein des Vernichtungs- und Mordzusammenhangs zu sein. Das macht es, daß die Linken sich mit den Rechten vermittels ihrer Mitte immer einig sind, wenn es um Israel geht. In punkto Israel ist es dann egal, ob der Ex-Grüne Jamal Karsli von der "Jungen Freiheit" interviewt wird oder gleich von der "Roten Fahne", der Wochenzeitung der maostalinistischen MLPD. Es ist ganz egal, um ein weiteres, eher akademisches Beispiel zu geben, ob Frankfurter Fordismus-Theoretiker wie Joachim Hirsch vom "Fordismus" sprechen, aber konsequent abspalten, daß eben der Henry Ford, dem sie ihre Theorie verdanken, ein Antisemit von Graden und Stichwortgeber des Führers war. In punkto Israel ist der Gegensatz von Links und Rechts aufgehoben und vernichtet, weil man sich der gemeinsamen Geschäftsgrundlage als Deutsche versichern will. Darum geht es, das Verbrechen am Grund der eigenen Staatlichkeit abzuspalten und es auf Israel zu projizieren, d.h. dem Kult des Volksstaates sich ergeben zu können, dem Wahn der Identität von Volk und Führung, der Einheit von Bürger und Politik. Wie daher der Antisemitismus als die Alltagsreligion der kapitalisierten Gesellschaft in der Scheidung des "produktiven" vom "spekulativen" Kapital sich niederschlägt, so der Antizionismus, die eher politische Version desselben Judenhasses, in der säuberlichen Trennung zwischen dem "Staat des ganzen Volkes", d.h. dem "organischen" Volksstaat einerseits, dem desolaten "Konstrukt" Israel andererseits, das sich gegen die Intifada nur "nazistischer Vernichtungsmethoden" bedienen könne. In dieser Spaltung drückt sich aus, daß sie eine Abspaltung ist, daß das kapitalisierte Bewußtsein unter dem Niveau noch der bürgerlichen Aufklärung liegt, indem es den revolutionären Ursprung seiner eigenen Staatlichkeit verleugnet. – Es spricht Joachim Bruhn (Freiburg) aus Anlaß der zweiten Auflage des Buches der Initiative Sozialistisches Forum, "Furchtbare Antisemiten, ehrbare Antizionisten. Über Israel und die linksdeutsche Ideologie" im ça ira Verlag

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Donnerstag, 31. Oktober

Karl Marx: "Das Kapital"

Einführung in die materialistische Kritik der politischen Ökonomie

Es waren die Intellektuellen, insbesondere die Soziologen und die Philosophen, die Marx zum "Marxisten" gemacht haben und damit zu etwas, das er, der in seinen besten Momenten als Kritiker der politischen Ökonomie auftrat, nur insoweit war, als er sich nicht aus der Tradition zu lösen vermochte – zum Theoretiker. Und es sind eben diese Intellektuellen, die, unfähig zur Kritik der geistigen Arbeit und ihrer spontanen Neigung zur Ideologieproduktion, in jedem Epochenumbruch, gleich, ob 1918, 1968 oder 1989, die "Krise des Marxismus" ausrufen, weil die empirische Entwicklung den Theoretiker Marx widerlegt zu haben scheint. Zwei Phänomene wuchern ineinander, erstens die Ambivalenz des marxschen Werkes selbst, zweitens die Rezeptionsgewohnheiten der akademischen Intelligenz. Eine kritische Lektüre des "Kapital" wird daher weder einen "authentischen" Marx herausdestillieren und zum Prüfstein der Interpretationen machen können, noch wird sie der Neigung nachgeben, sein Werk als Theorie der kapitalistischen Entwicklung zu lesen und soziologisch zu verifizieren. Denn der revolutionäre Materialismus oder auch "kritische Kommunismus" (Marx) ist weder eine wissenschaftliche Methode noch eine proletarische Weltanschauung, er ist vielmehr, wie schon der Untertitel des "Kapital" besagt, "Kritik".

Um 20 Uhr im Institut für Sozialkritik, Wilhelmstr. 15

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Dienstag, 5. November

Djihad und Judenhaß

Über den neuen antijüdischen Krieg

Der Antisemitismus stellt keineswegs nur eine Beigabe zum modernen Djihadismus dar, sondern macht seinen Kern aus. Vor allem die 1928 in Ägypten gegründete Organisation der "Muslimbrüder", die im Kontext der Weltwirtschaftskrise die Idee des kriegerischen Djihad und die Todessehnsucht als Leitideal des Märtyrers neu entdeckt und die wichtigsten gegenwärtigen Djihad-Bewegungen - al-Qaida und Hamas - maßgeblich inspiriert hat, hat sich dem Judenhaß verpflichtet. Der antijüdische Wahn der Islamisten ist keinem metaphysischen "Bösen", sondern einer historisch und systematisch erklärbaren Sichtweise auf den Kapitalismus entsprungen. Er generiert einen antijüdischen Krieg, in welchem nicht nur alles Jüdische als Böse, sondern zugleich alles Böse als jüdisch halluziniert wird: Der "große Satan" wird nicht nur wegen seiner Unterstützung für Israel, sondern als das imaginierte Zentrum einer materialistisch-egoistischen (ergo: jüdischen) Weltordnung bekämpft. – Es spricht Matthias Küntzel (Gruppe 8. Mai, Hamburg), Autor u.a. von "Goldhagen und die deutsche Linke" (Berlin 1997) sowie "Der Weg in den Krieg. Deutschland, die NATO und das Kosovo" (Berlin 2000), der gerade sein gleichnamiges Buch bei ça ira veröffentlicht hat.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 19. November

Saddam Hussein, ein Held des deutschen Antiimperialismus

Es ist das Wahrwerden des Traumes von Saddams Regime, daß sich europäische Friedensbewegte seine ureigenen Forderungen auf ihre Fahnen schreiben", hieß es 2001 in einem Offenen Brief irakischer Oppositionsgruppen. Es ist das alte Lied, von den Golfkriegen bis heute. Als der zweite Golfkrieg im Januar 1991 begann, befand sich Deutschland im Ausnahmezustand. Unter der gemeinsamen Parole ‘Kein Blut für Öl’ ging man von links bis rechts mit dem selben Anliegen auf die Strasse: Gegen einen Krieg zu demonstrieren, hinter dem allererst eine imperialistische Aggression vermutet wurde. Daß es sich hierbei zumeist um die eigenen Befindlichkeiten handelte, zeigte die Reaktivierung der alten antiimperialistischen Parolen: "Nieder mit Imperialismus, Zionismus und Faschismus" – auch wenn der nunmehr von den imperialistischen Staaten angegriffene Irak selbst nicht für Befreiung, sondern für die Errichtung einer faschistischen Diktatur und die Vernichtung aller emanzipativen Bewegungen des Landes stand. Christian Ströbele, damals Bundesvorstand der Grünen, sprach offen aus, was viele dachten: die Bedrohung Israels durch den Irak sei "die logische, fast zwingende Konsequenz der Politik Israels" selbst. Zehn Jahre später, seit dem Sommer 2000 und pünktlich zum zehnten Jahrestag der Verhängung des UN-Embargos über den Irak, wurde das Land Saddam Husseins als Beispiel einer ungerechten Weltordnung wiederentdeckt, hinter der von Arundathi Roy über Breyten Breytenbach bis zu Noam Chomsky prominente und weniger prominente Aktivisten die USA und Israel ausmachen: die Zweite Karriere Saddam Husseins als eines Helden des deutschen Antiimperialismus scheint unmittelbar bevorzustehen. – Es spricht Andrea Woeldike (Hamburg), Mitherausgeberin des Buches AK Kritik des deutschen Antisemitismus (Hg.), "Antisemitismus – die deutsche Normalität" bei ça ira und Co-Autorin von Aras Fatah/Thomas v.d. Osten-Sacken (Hg.), "Saddam Husseins letztes Gefecht? Der lange Weg in den 3. Golfkrieg" (Konkret).

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 3. Dezember

"Vor allem ausgerechnet Israel"

Wenn man auch sonst nichts weiß, dann ist zumindest eines sicher: "Das Problem heißt Israel". So titelte die Frankfurter Allgemeine Zeitung vor einem Jahr und brachte damit unabsichtlich auch auf den Punkt, was es mit linken Kategorien wie Gerechtigkeit, Solidarität und Unterdrückung auf sich hat: Man kann sich allenthalben darauf verständigen, daß Israel im Verein mit den USA der ewige Störenfried der "Völkergemeinschaft" darstellt. In der seltsamen Welt der Antiimperialisten und Antirassisten ist von "Völkerfreundschaft" und "Völkerverständigung" die Rede, aber gemeint ist immer nur der Haß auf Israel. Es gehr darum, was sich hinter gängigen Floskeln wie "ausgerechnet", "gerade" oder "vor allem" Israel verbirgt, mit denen die unter Linken herrschende herrschende Meinung ihre Aversion kaschiert. Dagegen ist die Forderung "Waffen für Israel!" die Grundbedingung jedweder Emanzipation, wenn man die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie und die der deutschen Ideologie nach Auschwitz ernst zu nehmen gedenkt. – Es spricht Sören Pünjer (Antideutsch-Kommunistische Gruppe, Leipzig), der regelmäßig für das Leipziger Monatsheft des Conne Island, "Cee Ieh", schreibt. Seine Beiträge, zuletzt zur Kritik der "Krisis"-Gruppe, sind unter www.nadir.org/ci nachzulesen.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, 17. Dezember

Gegen Attac!

Über den Fetischismus in der Politik

Karl Marx formulierte in der Kritik der deutschen Ideologie: "Je mehr die normale Verkehrsform der Gesellschaft und damit die Bedingungen der herrschenden Klasse ihren Gegensatz gegen die fortgeschrittenen Produktivkräfte entwickeln, ... desto mehr sinken die früheren überlieferten Vorstellungen dieser Verkehrsverhältnisse, worin die wirklichen persönlichen Interessen als allgemeine ausgesprochen werden, zu bloß idealisierten Phrasen, zur bewußten Illusion, zur absichtlichen Heuchelei herab. Je mehr sie aber durch das Leben Lügen gestraft werden und je weniger sie dem Bewußtsein selbst gelten, desto entschiedener werden sie geltend gemacht, desto heuchlerischer, moralischer und heiliger wird die Sprache dieser normalen Gesellschaft." Heute, wo alle Lügen wahr und alle Wahrheit zur Lüge abseitiger Spinner geworden, ist auch die formelle Opposition ohne Bruch in die falsch eingerichtete Gesellschaft integriert, die sie noch nicht einmal mehr vorgibt, abschaffen zu wollen. Für ihre infantilen Aktionen, die, als harmloser Kindergeburtstag getarnt, doch immer nur auf die deutsche Parole ‘Gemeinnutz geht vor Eigennutz’ hinauslaufen, bekommt Attac von elenden Marxisten und vom Weltbankchef auf die Schulter geklopft. Argumente helfen nichts dagegen, so unter aller Kritik sind die Globalisierungsgegner; es bleibt nur ihre kritisch-polemische Erledigung. – Darum bemüht sich Per Violet (Antideutsche Kommunisten, Berlin).

Um 20:15 Uhr in der KTS, Baslerstr. 103

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Dienstag, 14. Januar

Das “Empire” des Antonio Negri

Einladung der Linken in eine neue konservative Revolution

Ein maschinenpoetischer Rausch der Verschmelzung der Körper und Hirne zu einer einheitlichen produktiven Subjektivität durchwabert "Empire" bis hin zum Klimax im rauschhaften Schlussakkord. Was wird aus dem Widerstand gegen diese Einvernahme? Wenn Hardt/Negri schon anfangs den Nazi Carl Schmitt für die Souveränität des Empire in Anspruch genommen haben, hier wird es nun brisant. Nun berufen sie sich Nietzsches "Genealogie der Moral" mit ihrer Propaganda von "Vergewaltigen und Vernichten ... als Mittel, größere Machteinheiten zu schaffen." Es liegt genau in dieser Logik, wenn die nunmehr abzuschüttelnden Mächte des Geld- und Finanzkapitals unter der Überschrift "Parasit" geoutet werden, "ein Parasit jedoch, der seinem Wirt die Kraft aussaugt, gefährdet seine eigene Existenz". Das Bild des Geldkapitals als blutsaugender Parasit des produktiven Gemeinschaftskörpers, wir kennen es vor allem aus der faschistischen Frühphase des NS. Franz Neumann, dessen "Behemoth" noch immer zum Besten gehört, was über den NS geschrieben wurde, hat derartige Theorieversatzstücke als pseudomarxistische Elemente der nationalsozialistischen Ideologie analysiert und Rechtspressechef Dr. Dietrichs Rede zu den "Geistigen Grundlagen des neuen Europas" wie folgt zitiert: "...durch den Schleier des Geldes hindurch" hat der Nationalsozialismus !den ökonomischen Kraftkern gefunden ... die menschliche Arbeit als die alles belebende Grundlage", eine "Herrschaft der Arbeit über das Geld, ohne ihn (den Arbeiter) zum Kampf gegen seine herrschende Klasse zu zwingen, ganz im Gegenteil ist er eingeladen, an ihren materiellen Vorteilen als Teil einer riesigen Maschine teilzuhaben." Diese Perspektive organisiert, wie schon der Umbruch von 1914, gewaltige Schüben von links nach rechts. Der "Empire"-Diskurs ist dafür nur ein Symptom, ein spekulatives Exerzierfeld für Einstellungsverschiebungen. – Es spricht Detlef Hartmann (Köln), der u.a. in der Redaktion der "Materialien für einen neuen Antiimperialismus" tätig ist (www.materialien.org).

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Montag, 20. Januar

Freiburg im Nationalsozialismus

Ein antifaschistischer Stadtrundgang

An exemplarischen Stationen wird dargestellt, wie die Arisierung organisiert wurde, und es wird gezeigt, welche Menschen wo gelebt haben, die ihre Wohn- und Lebensstätte verlassen mußten. An der Universität wird vom Rektorat Martin Heideggers im Frühjahr 1933 die Rede sein. Der Rundgang endet gegen 17 Uhr am "Deportationsstandort Freiburg". – Es führt und kommentiert E. Schlesiger.

Treffpunkt um 15 Uhr am Regierungspräsidium (gegenüber Herder Buchhandlung), Kaiser-Joseph-Straße

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Samstag, 25. Januar

Textkritik

Antonio Negri: Zwanzig Thesen zu Marx

Antonio Negri veröffentlichte 1996, mitten in der Arbeit an "Empire", den Aufsatz "Twenty Theses on Marx". Er präsentiert dort, ausgehend von der Frage nach der Gültigkeit der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie – die er, wie vieles andere, sehr eigenwillig rezipiert – seine "Interpretation der heutigen Klassenlage". Da sich von selbst versteht, dass die Interpretation der Klassenlage mit der Definition der "Neuen Weltordnung" korrespondiert, finden sich hier in komprimierter Form wesentliche Teile der Positionen, die "Empire" zugrundeliegen. Ob und inwiefern "Empire" eine "Einladung der Linken in eine neue konservative Revolution" ist, wie Detlef Hartmann sagt, läßt sich deshalb genauer prüfen. Negris Thesen befinden sich in einer unautorisierten und kommentierten Übersetzung auf hier (als PDF), ihre Lektüre ist für die Diskussion vorausgesetzt. – Die Textkritik wird moderiert von Hans Willi Raffelsiefen, Rosa-Luxemburg-Gesellschaft Mannheim.

Von 14 bis 18 Uhr im Büro der ISF, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, den 28. Januar

Krise, Zusammenbruch, Revolution

Streitgespräch über die Marxsche "Kritik der Politischen Ökonomie"

These: In der Nachfolge von Friedrich Engels ist versucht worden, die emanzipatorischen Gehalte der "Kritik der politischen Ökonomie" von Karl Marx primär aus objektiv prognostizierbaren Prozessen abzuleiten. Marx wurde entsprechend von seinen Kritikern als Theoretiker eines mechanischen, aus dem 19. Jahrhundert stammenden Entwicklungsdenkens kritisiert. Dagegen soll festgehalten werden, daß die Marxsche Kritik "selbstaufklärende Begriffskritik" mit der Einsicht in die Möglichkeit der praktischen Aufhebung kapitalistischer Produktions- und Herrschaftsverhältnisse verbindet. Entsprechend sind die zentralen Begriffe Kritik, Krise und revolutionäre Praxis bei Marx zu verstehen. (Nadja Rakowitz/Jürgen Behre)

Antithese: Von der "Einsicht in die Möglichkeit" zu sprechen erscheint zu schwach, um den Gefahren des Politizismus auszuweichen. Vielmehr erkennt Marx im Kapital dessen objektive, geradezu logische Unmöglichkeit, die sich in die Geschichte hineinentwickelt. Selbstverwertung ist logischer Widersinn. Darin liegt einerseits beschlossen, daß die marxsche Kritik nur als Organ wie Agent des Zusammenbruchs, als subjektivierte Krise, ihrer inneren Notwendigkeit und Geltung sich zu versichern vermag, und andererseits, daß es zur Wahrheit des Entwicklungsdenkens noch in seiner Kritik gehört, daß dem Kapital ein historisches Telos eignet, weil es auf die Identität von Begriff und Sache geht und damit auf Barbarei. (Joachim Bruhn/Manfred Dahlmann)

In Fortsetzung des Streitgespräches vom Juli über die Kategorie des "automatischen Subjekts" bei Marx diskutieren Nadja Rakowitz und Jürgen Behre (Frankfurt) von der Marx-Gesellschaft e.V. mit Joachim Bruhn und Manfred Dahlmann (Freiburg) von der Initiative Sozialistisches Forum.

Um 20 Uhr im Jos Fritz Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, den 11. Februar

Psychoanalyse und Gesellschaftskritik

Der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses von Gesellschaftskritik und Psychoanalyse bewegt sich in einem Widerspruch. Die Trennung von Gesellschaft und Psyche ist zugleich ideologisch und wahr: das Eingedenken der Verselbständigung des Objektiven gegenüber dem Subjekt. Beide sind vermittelt, fallen aber nicht ineinander. Eine Vereinheitlichung beider wäre Schein. Ausgehend von der Verselbständigung des Objektiven soll gezeigt werden, daß Gesellschaftskritik nicht vor den Mauern des Subjekts Halt machen darf. Hierfür empfiehlt sich die Psychoanalyse gerade durch das, was ihr gerne vorgeworfen wird: ihre radikale Beschränkung aufs Individuum sowie ihr negatives Menschenbild; negativ in dem Sinne, dass sie kaum ein positiv zu Antizipierendes entwirft. – Die Referentin, Christine Kirchhoff  (Bremen) engagiert sich in der Initiative "this not a lovesong", die vor zwei Jahren das Buch "subjekt.gesellschaft – perspektiven kritischer psychologie" (Unrast-Verlag, Münster) veröffentlicht hat. Weitere Informationen finden sich unter www.notalovesong.org .

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Dienstag, den 25. Februar

Eichmann in Jerusalem

Vor über vierzig Jahren wurde Adolf Eichmann in Jerusalem gehängt. Er war von 1941-45 "Referent für Judenfragen" im Reichssicherheitshauptamt und Organisator der Vernichtung der europäischen Juden. 1961 wurde ihm vom israelischen Staat der Prozeß gemacht und Hannah Arendt, Harry Mulisch und Günther Anders verfaßten Prozessreportagen und Reflexionen über Eichmann, die für die Sicht auf ihn und den Apparat der Judenvernichtung überhaupt prägend wurden. Arendts Satz von der "Banalität des Bösen" wurde Feuilleton-Phrase und Basis-Satz für ein Sinnieren über den Zusammenhang von "Holocaust & Moderne". Eichmann sei nichts als ein Bürokrat, ein interesse- und leidenschaftsloser Spießer, nur an seiner Karriere, nicht am Gegenstand seiner Arbeit interessiert, geschweige denn Antisemit gewesen. Diese Interpretation galt und gilt als fortschrittlich gegenüber dämonisierenden und personalisierenden Sichtweisen auf den Nationalsozialismus. Der Vernichtungsapparat sei im Grunde eine Bürokratie wie jede andere gewesen und Bürokratie als Signum der Moderne daher potentiell genozidal. Diese neuere, fortschrittliche Sicht läßt die Täter unter den Tisch fallen; ebnet die Judenvernichtung in allgemeine Phrasen über "die Moderne" ein, blendet die Bedeutung des Antisemitismus und einer hochmotivierten, ideologisch inspirierten Funktionärsgruppe in einer "kämpfenden Verwaltung" aus. Arendt übernahm das Bild, das Eichmann von sich selbst zeichnete. Es geht um die Korrektur dieses historischen Bildes, die Aufarbeitung linker theoretischer Klassiker und um eine kritische Betrachtung derartiger Theorien über Antisemitismus, Nationalsozialismus und die Shoah. – Es spricht Fabian Kettner (Bochum) ist Mitglied des Arbeitskreises Rote Ruhr-Uni (www.rote-ruhr-uni.org) in Bochum.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Die Geschichte wiederholt sich doch