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Jour Fixe Programm Herbst/Winter 2008/2009

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Mittwoch, 22. Oktober 2008

Bitteres Vergnügen

Satirische Lesung mit Rainer Trampert & Thomas Ebermann

Ebermann und Trampert, die “Grenzgänger zwischen Kabarett und Analyse” oder auch das “satirische Kompetenzteam in bester Tradition linker kritischer Theorie” (Süddeutsche Zeitung), begrüßen in ihrem neuen Programm “Bitteres Vergnügen” Joschka Fischer als Stargast, sie gehen den Elite-Unis, dem Dax in der Hypothekenkrise und der modernen Gehirnforschung auf den Grund. Sie sind bei der ersten Sammelabschiebung dabei, begegnen der digitalen Bohème, dem Rapper Eminem und dem Dirigenten Metzmacher, reisen mit Benedikt zum Stift Heiligenkreuz, riskieren eine hypnotische Reinkarnationstherapie, würdigen letzte Worte, stehen aber auch auf dem Golfplatz ... Nur “die Frage, wie Deutschland den Sprung in die Zukunft schafft, blieb eher offen,” kritisierte die “Rheinische Post”. Das ist auch diesmal so, weil die beiden den Vorsatz pflegen, sich das kritische Denken nicht durch politischen Pragmatismus verkleistern zu lassen. – Thomas Ebermann und Rainer Trampert haben die Bücher “Offenbarung der Propheten” und “Sachzwang und Gemüt” (Konkret-Verlag) geschrieben; sie publizieren häufiger in “Konkret” und “Jungle World” und waren bisher mit den satirischen Lesungen “Schafft Deutschland den Anschluß,” “Sachzwang und Gemüt” und “Zu Gast bei Freunden” auf Tour.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage). Mit nachhaltiger Unterstützung durch das Jos Fritz-Café, die Buchhandlung Jos Fritz und das Antifa-Referat des u-Asta der Universität Freiburg

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Mittwoch, 5. November 2008

Wir sind Dalai Lama!

Reflexionen über die Politik eines tibetischen Mönchs und die Bedürfnisse seiner deutschen Anhänger

Sport ist Mord lautet einer der wenigen Slogans aus der versunkenen Welt der alten “Neuen Linken”, die nach den postmortalen Desillusionierungsexzessen der Veteranen noch gewisse Geltung beanspruchen dürfte. Freilich stellt sich in der Rückschau die Bedrohlichkeit öffentlich inszenierter Leibesübungen vor allem als die Gefahr dar, an Langeweile zugrundezugehen. Daß Angehörige der “eigenen Nation” schneller laufen, höher springen und allerlei Kinderkram besser können als “die anderen” – was nützt es angesichts schwindender Hoffnung, in der kapitalistischen Konkurrenz den rettenden Strohhalm vor den anderen zu erreichen oder der Aussicht, mit den anderen gemeinsam unterzugehen? Spannend war 1972 die Olympiade von München, als palästinensische Antisemiten die deutsche Idee der eschatologischen Endlösung zurück ins Urheberland brachten und im Schießwettbewerb mit bayerischen Polizeikräften erhebliche Trefferquoten erzielten. Die Palästinenser der diesjährigen Olympiade sollten aus China selbst kommen – aus Tibet, vom “Dach der Welt”. Hatte doch im März eine tibetische Hamas-Bewegung den “Volksaufstand” gewagt und konsequenterweise “Fremdstämmige” durch Brandschatzung massakriert. Angesichts dieser hohen Erwartungen geriet die Olympiade angesichts zur Enttäuschung. Der unisono als der “spirituelle Führer der Tibeter” bezeichnete “XIV. Dalai Lama” hatte sich nicht nur von den Märzereignissen ausdrücklich distanziert; während der Olympiade besuchte er demonstrativ das “laizistische” Frankreich, das kurz darauf dem Papst eine “privilegierte Partnerschaft” anbieten sollte. Überhaupt unterbietet der Dalai Lama in seinen öffentlich und sonstigen Äußerungen die “antitotalitären” Sinnsucher. Angesichts des westlichen Gegeifers gegen “Maos Horden” lesen sich seine Schriften verhältnismäßig moderat und öde. Der Lama hat zwei Optionen: Ein “autonomes Tibet” innerhalb Chinas, inklusive Transferzahlungen der Pekinger Zentrale, oder ein “selbständiges” unter westlicher Ägide, finanziert durch den Exportschlager “Spiritualität”. Seine westlichen Anhänger sehen in ihm eine Lichtgestalt und Propheten. Dabei zehren sie vor allem von eigenen “spirituellen” Projektionen, denn in den Schriften “Seiner Heiligkeit” ist von Originalität wenig zu spüren. Die daraus sprechende Diffusität mag ein Schlüssel zum Verständnis der Attraktivität dieses “Heiligen” unter Pazifisten und Folter-Fans (Roland Koch u. a.) zu sein. Immerhin ergab eine Umfrage, daß der Lama bei den Deutschen beliebter ist als der Pabst: 44% der Befragten bezeichneten den Lama als “Vorbild”, Ratzinger brachte es nur auf 42%. Vor allem solche Projektionen und ihre Funktion für westliche Sinnsucher sollen thematisiert werden. – Es spricht Horst Pankow (Berlin), der seine Einwände gegen den zeitgenössischen Irrationalismus in “konkret”, “Bahamas” und “Prodomo” veröffentlicht.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Mittwoch, 19. November 2008

“Wenn ich verzweifelt bin, was geht‘s mich an?”

Über Theorie und Praxis

Theorie und Praxis sind auseinander, der Faden ist gerissen. Wären sie es nicht, könnte man sich nicht das Problem ihrer “Vermittlung” stellen. Dies bedeutet für die willigen Revolutionäre im Wartestand eine schier ewige Situation, in der man nicht weiß, was man tun soll. Theorie, das sei das, was der Kopf macht, wenn er die Ungerechtigkeit des Bestehenden erkennt, anderen begreiflich macht und eine folgerichtige Utopie entwirft. Praxis, das sei das, was die Hand macht, wenn diese Ungerechtigkeit abgeschafft werden soll, indem sie eine Barrikade errichtet; ist das, was die Beine machen, wenn sie den theorieschweren Kopf und den Rest des Körpers vor der Polizei in Sicherheit bringen, wenn die Barrikade sich wieder mal als Abenteuerspielplatz für junge Erwachsene herausgestellt hat. Das Verhältnis beider zueinander könnte so schön sein: der Kopf denkt aus und leitet an, die Extremitäten führen aus. Jeder ist so seine eigene Fabrik: Ingenieursbüro und Werkbank in einem. Aber die Theorie nervt, kritisiert die Praxis, und die Praxis wirft der Theorie Faul- und Feigheit vor. Theorie wirkt als Besinnung und entschleunigt. Ihre Weigerung gegen das Werkeln an dem, was ansteht, was man vorgesetzt bekommt, sich vorsetzen läßt, hemmt Praxis; soviel ist richtig und soviel ist gut an ihr. Der Zwitter der Konstruktion “theoretische Praxis” soll das schlechte Gewissen der Theoretiker beruhigen. Die Theorie hat recht und das, was Praxis entbehrt, und ihr mangelt das, was Praxis ist; aber sie führt zu nichts, außer vielleicht dazu, damit aufzuhören, weiterhin das Falsche zu tun. Sie macht nicht glücklich, aber dazu ist sie auch nicht da. – Es spricht Fabian Kettner (Köln), Mitherausgeber des gerade bei ça ira erschienenen Buches “Theorie als Kritik”. Er ist Mitglied des Arbeitskreises Rote Ruhr-Uni (www.rote-ruhr-uni.com) sowie des Instituts für Sozialtheorie (www.sozialtheorie.de) und promoviert über den Nicht-/Zu­­sammen­­hang von Holocaust und Moderne.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Mittwoch, 3. Dezember 2008

Der Zwang zur Selbstunterwerfung

“Fordern und Fördern” nach Hartz IV

“Die klar ausgesprochene Politik des Arbeitszwangs hat dabei wahrscheinlich erst in zweiter oder dritter Linie eine unmittelbar ökonomische Bedeutung. Zentral ist dagegen die weit über die unmittelbare ökonomische Anwendung hinausgehende ideologische Aufladung ‘der Arbeit‘ als Pflicht zur Pflicht”: Was Martin Dieckmann bereits 1999 in seiner Analyse der “Philosophie der neuen Mitte” feststellte, ist spätestens 2004 mit den Hartz-Reformen zur offiziellen Linie des “aktivierenden Staates” geworden, damit zur materiellen Gewalt. Insofern verfehlt, wer z. B. in Hartz IV nur die Absenkung der staatlichen Transferleistung sieht, den Kern des Gesetzes grundlegend. Vielmehr ist per Gesetz eine Neudefinition des Sozialen justiziabel geworden, wonach nur der sich sozial verhält, der dem Arbeitsmarkt permanent zur Verfügung steht. Diejenigen, die aus dem Arbeitsmarkt gefallen sind, sind daher per se asozial. Sie müssen erst wieder an die Gemeinschaft herangeführt werden und bedürfen – wie es ein Cheftheoretiker der Hamburger SPD einmal nannte – einer “Nachsozialisation”, die nach dem Prinzip des “Forderns und Förderns” vollzogen werden soll. Was mit diesem Prinzip im einzelnen gemeint ist, wie es für rechtlose Untertanen sorgt und wie ein neues Behördenmonster in Gestalt eines Personaldienstleisters mit hoheitlicher Sanktionsmacht diese “aktiviert”, ist Gegenstand des Vortrags. Dabei wird es auch um die dahinterstehende Vision einer Dienstbotengesellschaft gehen, die zwar politökonomisch weitgehend haltlos ist, herrschaftssoziologisch aber durchaus wirksam sein könnte, da sie mit vielfältigen Differenzierungen eines Elends versehen ist, das das Festhalten an der Wertförmigkeit des Reichtums trotz des Überflüssigwerdens der Arbeit zwangsläufig mit sich bringt. – Es spricht Frank Rentschler (Marburg), Redaktionsmitglied und Autor der Zeitschrift “EXIT! Krise und Kritik der Warengesellschaft” (Horlemann-Verlag), der mehrere Aufsätze zum Thema veröffentlicht hat (zum Teil online verfügbar unter: www.exit-online.org).

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Mittwoch, 17. Dezember 2008

Die falsche Gesellschaft als Sache und als Subjekt

Über den Marxismus der ‘68er

Marxismus als Selbstermächtigung von Akademikern, Revolution als Pfründe, Wissenschaft als Beruf: Darin bestand der Impetus der ‘68er-Bewegung, die, man weiß nicht mehr, wieso und warum, allen Ernstes glaubte, sie müsse die Idee der bürgerlichen Öffentlichkeit gegen den notorisch faschistoiden Souverän verteidigen. Es war dies ein Marxismus des Bürgertums und daher die Arbeit an der Wiedergeburt Robespierres in Gestalt asiatischer Despoten wie Lenin, Stalin, Mao. Die ‘68er wollten den Sozialismus als Wissenschaft. Als deutlich wurde, das er so nicht zu haben war, beschlossen sie, auch ganz offiziell Bürger zu werden. Die Denunziation des marxschen Denkens als Metaphysik hatte ihren Dienst getan; die bewußtlose Wohlfahrt des Empirismus wie des Kritischen Rationalismus konnte das Erbe des Marxismus als einer dogmatisch-autoritären Systemphilosophie antreten. “Empirie” wurde zum Argument für alle, die längst beschlossen hatten, sich nützlich zu machen; Philosophie, gar die materialistische Adornos und Sohn-Rethels, konnte dabei bloß im Weg sein. So warf der Bankrott des “realen Sozialismus” nicht etwa die Frage auf, wie das Phänomen gesellschaftspraktischer Metaphysik jenseits von Theorie doch gedacht werden könne, sondern er mündete im Versuch, Marx für Soziologie und Politologie auszuweiden, denn, so etwa Barbara Sichtermann, “Nur wenn wir wissen, wie der Kapitalismus funktioniert, können wir ihn reformieren. Und nur dann können wir ihn retten.” – Es spricht Joachim Bruhn (ISF, Freiburg), der 2007 mit Jan Gerber den Band “Rote Armee Fiktion” (ça ira-Verlag) herausgegeben hat und dessen Buch Was deutsch ist. Zur kritischen Theorie der Nation demnächst in zweiter, erweiterter Auflage erscheinen wird.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Mittwoch, 14. Januar 2009

Von Adorno zu Foucault

Seit Niklas Luhmann – indem er die Form beschrieb, in der er dachte – gleichzeitig, und nahezu unwidersprochen, zeigen konnte, daß auf diese Weise die Reproduktion der Gesellschaft sich selbst beschreibt, kann nicht mehr geleugnet werden, daß die Individuen im Postnazismus sich nicht mehr synthetisieren, indem sie, sei es Autoritäten, sei es abstrakten Zwängen, gehorchen, und deshalb im Sinne der Kapitaleffizienz funktionieren, sondern umgekehrt: Indem sie aus sich selbst heraus die von Märkten diktierten Erwartungen erfüllen wollen, gehorchen sie dem Zwang der Verhältnisse: als Funktionsmonaden des Kapitals. Dieses Gehorchen ist dessen Funktion bis zur Unkenntlichkeit eingeschrieben; es geht “an der Oberfläche” (und etwas anderes kennt der Empirismus nicht mehr) nur noch um ein Funktionieren um des Funktionierens willen. Von Gehorsam, von Autorität, also von Zwang und Herrschaft kann, unter dieser Perspektive des reinen Funktionierens, nicht mehr die Rede sein, so sehr auch die Tatsache, daß darin Herrschaft keineswegs überwunden ist, nicht geleugnet wird. Am Beispiel des Buches von Ulrich Bröckling “Das unternehmerische Selbst” (Frankfurt 2007), der den Struktur-Funktionalismus Luhmanns, in der Nachfolge von Foucault, über jede Geschichtlichkeit hinaus auch noch von jeder Struktur “befreit”, läßt sich zeigen, was dieser Neofunktionalismus (d.h. der adäquate Ausdruck für etwas, was Bezeichnungen wie Poststrukturalismus oder Postmoderne nur unzureichend fassen) nicht nur aus böser Absicht, sondern allein aufgrund der konstruktivistischen Natur seiner Begrifflichkeit unterschlagen muß: daß natürlich auch die Transformation des pflichtschuldigst gehorchenden Staatsbürgers zum funktionierenden Selbst-Unternehmer ihre Geschichte hat: eine Geschichte, die sich nicht in einer Ablösung einer Technologie der Macht durch eine andere, eines hegemonialen Diskurses durch einen anderen erschöpft, die vielmehr ohne Drittes Reich und ohne Judenvernichtung – die bei Bröckling so wenig wie bei Foucault und allen anderen Positivisten in die Begriffsbildung eingehen können – nicht zu fassen ist. – Es spricht Manfred Dahlmann (ISF, Freiburg).

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Mittwoch, 28. Januar 2009

Neue Marx-Lektüre

Die Kritische Theorie als Programm einer neuen Aneignung
der Kritik der politischen Ökonomie

Die kritische Theorie der Gesellschaft muß entwickeln, so Adorno, wie “verselbständigte Verhältnisse aus den Verhältnissen von Menschen abzuleiten sind”, mit anderen Worten: wie sich reale Verselbständigung konstituiert. Ohne Subjektivität keine Objektivität, was aber nicht bedeutet, daß diese von den handelnden Menschen hervorgebrachten Strukturen auch verstehbar sein müßten. Das Gegenteil ist der Fall, das Unverstehbare ist geradezu ein konstitutives Moment dieser Totalität. Der Kern einer dialektischen Gesellschaftsauffassung nach Marx ist in diesem Moment verselbständigter Objektivität zu sehen, ein Konstitutionsprozeß, zu dem es wesentlich gehört, daß die Genese im Resultat verschwindet. Gesellschaft wird geradezu bestimmt als das, was dem Verstehen sich entzieht, denn, so Adorno, “die Reflexion auf Gesellschaft hebt dort an, wo Verstehbarkeit endet”, es geht darum, die “Nichtverstehbarkeit zu verstehen.” Es wird zu zeigen sein, daß erst in dieser Perspektive die grundlegenden Begriffe der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie ihren wesentlich subversiven Gehalt gewinnen, weiter, daß die klassischen Marx-Lektüren so in Rationalisierungen gründen wie immer schon die Volkswirtschaftlehre und ihr Doppelgänger, die Soziologie, schließlich, daß ein angemessenes Verständnis gesellschaftlich in den ökonomischen Formen von Wert, Ware, Geld und Kapital als gültig gesetzter Irrationalität nicht mehr in der Form von Theorie zu haben ist. – Es spricht Helmut Reichelt (Bremen), em. Professor für Soziologische Theorie, der bei ça ira das Buch Zur logischen Struktur des Kapitalbegriffs bei Karl Marx (Freiburg 2001) veröffentlicht hat. Gerade eben ist sein Buch “Neue Marx-Lektüre. Zur Kritik sozialwissenschaftlicher Logik” erschienen (Hamburg: VSA-Verlag 2008).

Muß leider entfallen

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Freitag, 30. Januar 2009

Freiburg in der NS-Zeit

Antifaschistischer Stadtrundgang

An exemplarischen Stationen wird gezeigt, was in Freiburg nach 1933 passierte, wie die Arisierung organisiert wurde, welche Menschen wo gelebt haben, die ihre Wohn- und Arbeitsstätten verlassen mußten. An der Universität wird vom Rektorat Martin Heideggers im Frühjahr 1933 die Rede sein. Der Rundgang endet gegen 17 Uhr am Platz der Alten Synagoge. – E. Schlesiger führt und kommentiert.

Treffpunkt um 15 Uhr 30 am “Basler Hof”, Kaiser-Josephstraße (gegenüber Buchhandlung Herder).

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Mittwoch, 11. Februar 2009

Das Heldische bei Beethoven, Richard Strauss und Arnold Schönberg

Anknüpfend an den Vortrag “Beethoven und die Französische Revolution” aus dem Jour fixe-Programm von Frühjahr 2005 wird auch jetzt versucht, durch weit vorangetriebene immanent-musikalische Analyse begrifflich den gesellschaftlichen Gehalt einer Kunst zu dechiffrieren, deren Existenzform gerade das Ungegenständlich-Unbegriffliche ist: der Musik. Dabei wird die immanente Analyse ideologiekritisch gegen die kurrenten Methoden der Betrachtung von Musik pointiert: gegen an Gesellschaftlichem desinteressierte musiktheoretische Handwerkelei, soziologische Zuordnungen von Gesellschaft und Musik sowie biographische Kurzschlüsse von Werk und Person. Anhand von Beethovens “Eroica”, Richard Strauss‘ “Heldenleben” und Schönbergs “Ode an Napoleon” soll eine Geschichte bürgerlicher Subjektivität entworfen werden, und zwar vermittels der in der Figur Napoleon Bonapartes verkörperten Idee des “Heldischen”. Dem Gegenstand entsprechend geht es dabei ums Hören – nicht nur der Worte, sondern gerade der besprochenen Musik. – Es spricht Clemens Nachtmann (Berlin/Graz), Komponist und Redakteur der Zeitschrift “Bahamas”.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Terminänderung

Freitag, 20. März bis Sonntag, 22. März 2009

Wochenendseminar zur Einführung in die Kritik der politischen Ökonomie

Es waren die Akademiker, insbesondere die Soziologen und die Philosophen, die Karl Marx zum “Marxisten” gemacht haben und damit zu etwas, das er selbst, der in seinen besten Momenten als Kritiker der politischen Ökonomie auftrat, nur insoweit war, als er sich nicht aus der Tradition zu lösen vermochte – zum Theoretiker. Und es sind eben diese Akademiker, die, unfähig zur Kritik der geistigen Arbeit und deren spontanen Neigung zur Ideologieproduktion, in jedem Epochenumbruch, gleich, ob 1918, 1968 oder 1989 die “Krise des Marxismus” ausrufen, weil die empirische Entwicklung den Theoretiker Marx widerlegt zu haben scheint. Zwei Phänomene wuchern ineinander, erstens die objektive Ambivalenz des marxschen Werkes selbst, zweitens die Rezeptionsgewohnheiten der akademischen Intelligentsia. Eine materialistische Lektüre des “Kapital” wird daher weder einen “authentischen” Marx herausdestillieren und zum Prüfstein der Interpretation machen können, noch wird sie der Versuchung nachgeben, das Werk als Theorie der kapitalistischen Entwicklung zu lesen und soziologisch zu verifizieren. Denn der revolutionäre Materialismus oder auch “kritische Kommunismus” (Marx) ist weder eine wissenschaftliche Methode noch eine proletarische Weltanschauung, er ist vielmehr, wie auch schon der Untertitel des “Kapital” besagt: “Kritik”. – Das Wochenende beginnt am Freitag abend um 20 Uhr mit einem Einleitungsvortrag über “Karl Marx und der Materialismus”, Samstags und Sonntags geht es dann je von 14 Uhr bis 20 Uhr um die so berühmten wie berüchtigten ersten 100 Seiten des “Kapital”, deren Lektüre vorausgesetzt wird.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Programmtext:
Vertrauen und Gewalt