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ça ira-Verlag

Jour Fixe Programm Frühjahr/Sommer 2009

Mittwoch, 15. April

Echtzeit des Kapitals, Panik des Souveräns

Über die Zukunft der Krise

Daß das Geld des Staates nichts taugt gegen die Krise des Kapitals, ist unmittelbar einsichtig: Wie sollte denn auch jenes Geld, das der Staat allein zu spendieren vermag, das Geld als Zahlungs- und Zirkulationsmittel, die Krise der Geldform des Kapitals zu therapieren vermögen? Was der Staat im Zuge des famosen “deficit spending” in diesem sog. “keynesianischen Moment” schöpft, d.h.: was seine Bundesbank aus dem Nichts erst erfindet und dann druckt, ist ja keineswegs Kapital, das zu einer irgend qualifizierten Profitrate zu akkumulieren vermöchte, sondern hat einzig die Qualität einer Anweisung, eines Rationierungs- oder auch Zuteilungsbescheids auf eine warenförmigen Gebrauchswert. Nicht nur jedoch, daß der Staat systematisch unter dem Niveau der Krise des Kapitals agiert – wenn er denn kommt und interveniert, kann er immer nur zu spät kommen. Die Echtzeit der kapitalen Vergesellschaftung ist der Aktion des Souveräns, zumindest des parlamentarisch verfaßten, notwendig voraus. Das Kapital agiert in der Zukunft, der Staat noch nicht einmal in der Gegenwart. Der Staat kann das Kapital nicht einholen; er kann es nur überholen, indem er den Ausnahmezustand verkündet, d.h. wenn er die Unmittelbarkeit der Geltung des Geldes als Kapital mit souveräner Gewalt zu verfügen sucht. So folgt aus der Zusammenbruchskrise notwendig der Ausnahmezustand: im Interesse des sog. “Gemeinwohls” emanzipiert sich der Souverän und setzt sich als autoritäres Kommando. In letzter Instanz erfolgt die “Deckung” der Währung durch das Gewaltmonopol auf Leben und Tod. – Es spricht Joachim Bruhn (ISF, Freiburg).

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Mittwoch, 29. April

Das islamische Regime im Iran – eine Bedrohung für die Weltgesellschaft

Stop the Bomb, stop the Appeasement!

In der Ideologie des iranischen Mullah-Regimes bilden Antisemitismus, Menschen­rechts­verletzungen und kriegerische Expansion eine untrennbare Einheit. Die Atombombe ist für das Überleben dieses Systems notwendig; sie ist ein Gewaltinstrument, das die Umsetzung der ideologisch-politischen Ziele des Regimes sichert und beschleunigt. Das erklärte Ziel ist, die islamische Herrschaft unter der Führung von Revolutionsführer Ali Khamenei und der Teheraner Mullahs zu globalisieren. Die Verwüstungen des Regimes beschränken sich nicht nur auf den Iran. Das Beharren der Mullahs auf dem Export des Fundamentalismus in islamische Länder, aber auch nach Europa, die Einmischung des Regimes im Irak und die umfassende Unterstützung von Terrororganisationen wie Hamas, Hizbollah und Islamischer Dschihad sind bekannt. Darüber hinaus haben die Bemühungen der Mullahs für die atomare Aufrüstung, der Verstoß gegen die internationalen Verpflichtungen und die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, dazu kürzlich die Aussetzung eines Kopfgeldes für die Ermordung des ägyptischen Präsidenten die Gefahr in eine globale Bedrohung verwandelt. Gleichzeitig hat das islamische Regime der Weltgesellschaft de facto den Krieg erklärt, in dem es zur Vernichtung Israels aufruft. Auch die Leugnung der Shoah durch das islamische Regime ist eine Verletzung der Menschenwürde. Die antisemitische Haltung des iranischen Regimes ist ein Aufruf zum Völkermord – das sollte man sich insbesondere in Freiburg, das eine Städtepartnerschaft mit Isfahan unterhält, endlich und nachhaltig zu Herzen nehmen. – Es spricht Dr. Kazem Moussavi (Berlin), Europa-Sprecher der Grünen Partei Irans

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Freitag, 8. Mai

Freiburg in der NS-Zeit

Antifaschistischer Stadtrundgang

An exemplarischen Stationen wird gezeigt, was in Freiburg nach 1933 passierte, wie die Arisierung organisiert wurde, welche Menschen wo gelebt haben, die ihre Wohn- und Arbeitsstätten verlassen mußten. An der Universität wird vom Rektorat Martin Heideggers im Frühjahr 1933 die Rede sein. Der Rundgang endet gegen 17°° am Platz der Alten Synagoge. – E. Schlesiger führt und kommentiert.

Treffpunkt um 15.30 Uhr am “Basler Hof”, Kaiser-Josephstraße (gegenüber Buchhandlung Herder).

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Mittwoch, 13. Mai

Von der Krise zum Zusammenbruch des Kapitals?

Eine Debatte zwischen Lothar Galow-Bergemann (Gruppe “Emanzipation und Friede”/Stuttgart), Joachim Bruhn (ISF) und einem Vertreter von “La banda vaga” (Freiburg). Diskussionsleitung: Christian Stock, Redaktion ”Blätter des iz3w” (www.iz3w.org)

Lothar Galow-Bergemann (Gruppe “Emanzipation und Frieden”, Stuttgart): Daß die gegenwärtige globale Krise die größte seit 80 Jahren ist, ist Allgemeingut. Daß es eine fundamentale Krise der Marktwirtschaft ist, begreifen hingegen die wenigsten, selbst unter radikalen Linken. Es entlädt sich das seit über 30 Jahren angestaute Krisenpotential einer Produktionsweise, die an einem an sich höchst erfreulichen Vorgang scheitert: nämlich daß immer weniger Arbeit notwendig wird. Entweder die staatlichen Phantastilliarden-Pakete verpuffen und treiben selbst die größten Staaten in den Bankrott oder sie greifen vorübergehend noch einmal – um den Preis einer nachfolgenden noch größeren globalen Krise. Der regressive Antikapitalismus, der sich Heuschrecken, Zocker und Spekulanten als Ursache des Übels zusammenphantasiert, greift um sich und entlädt sich in dem Maße im Volkszorn, wie die Krise nicht mehr nur in der Tagesschau stattfindet. Emanzipatorische Intervention muß der regressiven Krisenverarbeitung in den Köpfen Aufklärung über den systemischen Charakter der Krise entgegensetzen und Impulse für die Suche nach Alternativen jenseits von Markt und Staat geben. – Weiteres von L. Galow-Bergemann siehe unter: www.emanzipationundfrieden.de/every_bank.pdf sowie www.krisis.org/2008/das-gute-und-die-gier#more-2868.

La banda vaga: Jeden Tag neue Meldungen über zusammenbrechende Banken und weltweite Börsencrashs belegen: Das kapitalistische Weltsystem befindet sich in seiner schlimmsten Verwertungskrise seit Jahrzehnten. Doch anders als die oberflächlichen “Analysen” der bürgerlichen Presse suggerieren, ist nicht die Gier amerikanischer Spekulanten und Banker die Ursache der Misere, die Gründe liegen vielmehr in der Irrationalität der warenproduzierenden Gesellschaft selbst. Gerade der Erfolg der kapitalistischen Produktionsweise ist die tiefere Ursache dieser Krise. Die Fähigkeit immer mehr Dinge mit immer weniger Einsatz von menschlicher Arbeitskraft zu produzieren bringt das System an seine Grenzen. “Die wahre Schranke der kapitalistischen Produktion ist das Kapital selbst.” (MEW 25, S. 260) Doch der Kapitalismus wird nicht einfach zusammenbrechen und vernünftig eingerichtete Verhältnissen von selbst entstehen lassen. Dafür braucht es die bewußte Tat derjenigen die unter den herrschenden Verhältnissen zu leiden haben. Dies wußte auch der holländische Rätekommunist Anton Pannekoek, als er 1934 schrieb: “Die Selbstbefreiung des Proletariats ist der Zusammenbruch des Kapitalismus.” – Es diskutiert ein Vertreter der rätekommunistisch-anarchistischen Gruppe. La Banda Vaga (Siehe auch: labandavaga.antifa.net

Joachim Bruhn (ISF): Die negative Vergesellschaftung durchs Kapital ist zur unmittelbaren Naturalform der Individuen geworden. Samt und sonders sind sie “Eigentumsbestien” (Johann Most), Kapitalatome, die ihre Verwertbarkeit als Naturrecht reklamieren. Wo doch, wie 1923, Panik herrschen sollte: Inflationshysterie, Bank-Run, Flucht in den “Sachwert” und Kartenlegen, herrscht jetzt die Stille vor dem Schuß. Diese unheimliche Ruhe erklärt sich allein aus dem absoluten Vertrauen der Deutschen in die unbedingte Faschismusfähigkeit ihres Souveräns, in seine Potenz zur “Brechung der Zinsknechtschaft”, in seine autoritäre Gewalt zur Geldreform, die das Geld, das “Zeichen der Trennung zwischen dem Produkt und seiner Austauschbarkeit ... so arrangieren (soll), daß es die Identität ausdrückt” (Marx). Es wird der Staatsbankrott sein, der den Deutschen erweisen wird, daß das Programm der NSDAP von 1920 zu einem gewissen Teil bis heute unerfüllt blieb: Die Partei, hieß es da, “bekämpft den jüdisch-materialistischen Geist in und außer uns.” Einander anfallen werden sie sich als die Juden ihrer selbst.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Mittwoch, 27. Mai

Subhas Chandra Bose und die indische Nationalbewegung

Zur Geopolitik des Nazifaschismus

Subhas Chandra Bose war eine exponierte Figur der indischen Nationalbewegung. Hauptsächlich ist er deswegen bekannt, weil er nicht nur als wohl prominentester Politiker innerhalb der Nationalbewegung gegen Gandhis Dogma der Gewaltlosigkeit opponierte, sondern im Ernstfall, d.h. nach Beginn des II. Weltkrieges, daraus auch die Konsequenzen zog: Seit 1941 paktierte er offen mit Nazideutschland und später mit Japan, um militärisch die Beendigung der britischen Herrschaft in Indien zu erreichen. Daraus wurde zwar nichts, jedoch genügte schon d er Versuch, um ihm in gewissen Historikerkreisen einen Ruf als schillernde Persönlichkeit oder gar als legendäre Gestalt einzutragen. In Teilen Indiens ist er nach wie vor ausgesprochen beliebt – der Trend geht sogar dahin, ihn weiter zu exaltieren und im öffentlichen Leben präsent zu halten. Wer war dieser Bose? Der Vortrag soll seiner politischen Tätigkeit, d.h. der Klüngelei mit der Barbarei, auf den Grund gehen und weiterhin ausloten, wie groß die Differenz zwischen ihm und dem Rest der indischen Nationalbewegung tatsächlich war. – Es spricht Patrick Hesse (Freiburg), der gerade zur Geschichte Indiens promoviert.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Mittwoch, 10. Juni

Krise und Ideologiekritik

Wenn ein Ökonom in einer der famosen Talkshows zum Thema Finanzkrise mit kindlich-unschuldigem Gesichtsausdruck auf die Frage, was denn Geld eigentlich sei, antwortet: “Geld ist Vertrauen”, dann hat er, ohne es zu wissen oder gar zu wollen, seinem Berufsstand in diesem einen Wort sowohl den Strick gedreht als auch dessen tatsächliche Funktion auf den Punkt gebracht. Vor ein paar Jahrzehnten hatten sich die Ökonomen – nicht zuletzt, um den “Metaphysiker” Marx hinter sich lassen zu können – doch darauf geeinigt, daß man auf substantielle Bestimmungen des Geldes zu verzichten habe, sowie darauf, es als bloß nominale Recheneinheit aufzufassen, die den Markteilnehmern nicht mehr oder weniger liefere als die für ihr Handeln notwendigen Informationen: Doch dieser Ökonom (und er steht in seiner Zunft nicht allein; erst recht jeder Politiker weiß das) führt die Substanz des Geldes, im Angesicht einer drohenden Existenzkrise (um seiner Panik Herr zu werden), mir nichts dir nichts auf einen Begriff zurück, dessen metaphysische Aufladung nur von wenig anderen übertroffen werden dürfte. Der Vorwurf, der von Neomarxisten wie Hans-Georg Backhaus in immer wieder neuen Anläufen gegen die Volkswirtschaftslehre vorgebracht worden ist: daß sie keinen Begriff von ihrem Gegenstand hat, wird mit diesem völlig unbestimmt bleibenden Verweis auf lsquo;Vertrauen‘ nicht nur als berechtigt anerkannt, sondern es wird auch eingestanden, daß das begriffliche Niveau dieser Wissenschaft nur erbärmlich genannt werden kann. Jener Ökonom hat allerdings, und dies in einer für die Geistes- bzw. Sozialwissenschaften generalisierbaren Form, auf die im Kapitalismus unaufhebbare Notwendigkeit der Existenz eines Nationalstaates kurzgeschlossen. Vertrauen, so wie es von diesem Ökonomen angesprochen wurde, ist, kurz gesagt, keine ökonomische, sondern eine politische Kategorie – Es spricht Manfred Dahlmann (ISF, Freiburg).

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Mittwoch, 24. Juni

“Das kann man nicht erzählen”

Aktion 1005: Wie die Nazis die Spuren ihrer Massenmorde in Osteuropa beseitigten

Im Januar 1942, nachdem die Rote Armee den Vormarsch der Wehrmacht auf Moskau gestoppt hatte, begann die nationalsozialistische Staatsführung Vorsorge zu treffen für den Fall ihrer Niederlage. Unter der Tarnbezeichnung “Aktion 1005” ließ sie ab Frühjahr 1943 zahlreiche Kommandos aufstellen, die die Spuren deutscher Verbrechen nach einem immer gleichen Muster beseitigten: mehrheitlich jüdische Häftlinge wurden von Beamten des Sicherheitsdienstes (SD) und Angehörigen nazideutscher Polizeieinheiten gezwungen, Massengräber zu öffnen, die Leichen aus den Gräbern zu holen und auf Scheiterhaufen zu verbrennen, bevor schließlich auch sie ermordet wurden. Gestützt vor allem auf Aussagen und Berichte der wenigen überlebenden Arbeitshäftlinge sowie auf Protokolle staatsanwalt­schaftlicher Vernehmungen ehemaliger Kommandoangehöriger, unternimmt diese Studie erstmals den Versuch, die von Deutschen und ihren Helfern während des Zweiten Weltkriegs begangenen Massenverbrechen und die Verwischung der Spuren dieser Verbrechen im Zusammenhang darzustellen. Der Vortrag wird einen Überblick zur Organisation und Praxis, zu den Tätern und Tatorten sowie zur juristischen und historiographischen Aufarbeitung der “Aktion 1005” geben. – Es spricht Jens Hoffmann (Berlin), der zur Geschichte der Shoah und zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus veröffentlicht, u.a. in ”konkret”. Zur Zeit arbeitet er an der Biographie der Shoah-Überlebenden Ruth Fridlendere. Sein Buch “Das kann man nicht erzählen” 'Aktion 1005' - Wie die Nazis die Spuren ihrer Massenmorde in Osteuropa beseitigten” ist gerade im Konkret-Verlag erschienen.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage). Mit freundlicher Unterstützung der Buchhandlung “jos fritz”

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Mittwoch, 8. Juli

Die sog. “Protokolle der Weisen von Zion”

Mit den Waffen der Aufklärung gegen den Mythos der jüdischen Weltverschwörung: Über Binjamin W. Segel (1867 – 1931)

Nach dem Ersten Weltkrieg gewann der Antisemitismus in Deutschland enorme Popularität; so gab es bald an die 400 völkische Organisationen und 700 antisemitische Zeitschriften. Der Judenhaß radikalisierte sich derart, daß die Gewalt alltäglich wurde und schließlich 1919 in der Ermordung Rosa Luxemburgs, Gustav Landauers und Kurt Eisners gipfelte. In dieser Atmosphäre machte sich der aus Galizien stammende jüdische Journalist Binjamin Segel daran, die 1920 gerade erst in Deutschland angekommenen, sich aber in Windeseile verbreitenden sog. “Protokolle der Weisen von Zion” zu analysieren und zu widerlegen. Die “Protokolle” – weltweit das bekannteste Weltverschwörungsphantasma – gelten heute als ärgste Propagandawaffe des Antisemitismus und wurden immer wieder aufs Neue bekämpft. Segel bietet mit seinem 1924 veröffentlichten Buch – ein Dokument zugleich der zeitgenössischen Reaktion des liberalen Judentums auf den Antisemitismus – als einer der Ersten eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Pamphlet,. Seine Schrift wirft die Frage auf: War man damals (wie heute allgemein angenommen) wirklich so naiv, daß man glaubte, der Antisemitismus sei lediglich ein “Vorurteil” und verschwände mit der Zeit von selbst? Und ist man heute vermittels von Experten wie Wolfgang Benz und dem Berliner “Zentrum für Antisemitismusforschung” tatsächlich endlich klüger geworden? – Es spricht Franziska Krah (Freiburg).

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Freitag, 7., bis Sonntag, 9. August

Karl Marx: “Das Kapital”

Wochenendseminar zur Einführung in die Kritik der politischen Ökonomie

Es waren die Akademiker, insbesondere die Soziologen und die Philosophen, die Karl Marx zum “Marxisten” gemacht haben und damit zu etwas, das er selbst, der in seinen besten Momenten als Kritiker der politischen Ökonomie auftrat, nur insoweit war, als er sich nicht aus der Tradition zu lösen vermochte – zum Theoretiker. Und es sind eben diese Akademiker, die, unfähig zur Kritik der geistigen Arbeit und deren spontanen Neigung zur Ideologieproduktion, in jedem Epochenumbruch, gleich, ob 1918, 1968 oder 1989 die “Krise des Marxismus” ausrufen, weil die empirische Entwicklung den Theoretiker Marx widerlegt zu haben scheint. Zwei Phänomene wuchern ineinander, erstens die objektive Ambivalenz des marxschen Werkes selbst, zweitens die Rezeptionsgewohnheiten der akademischen Intelligentsia. Eine materialistische Lektüre des “Kapital” wird daher weder einen “authentischen” Marx herausdestillieren und zum Prüfstein der Interpretation machen können, noch wird sie der Versuchung nachgeben, das Werk als Theorie der kapitalistischen Entwicklung zu lesen und soziologisch zu verifizieren. Denn der revolutionäre Materialismus oder auch “kritische Kommunismus” (Marx) ist weder eine wissenschaftliche Methode noch eine proletarische Weltanschauung, er ist vielmehr, wie auch schon der Untertitel des “Kapital” besagt: “Kritik”. – Das Wochenende beginnt am Freitag abend um 20 Uhr mit einem Einleitungsvortrag über “Karl Marx und der Materialismus”, Samstags und Sonntags geht es dann je von 14 bis 20 Uhr um die so berühmten wie berüchtigten ersten hundert Seiten des “Kapital”, deren Lektüre vorausgesetzt wird.

Der Kurs findet statt im Büro der ISF, Wilhelmstr. 15 / 5 (Spechtpassage). Anmeldung im Jour fixe oder via Mail

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Programmtext:
Der Staat des Grundgesetzes