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ça ira-Verlag

Jour Fixe Programm Herbst/Winter 2013/2014

Mittwoch, 23. Oktober 2013

“Zwangsprostitution”, Abschiebung und gesellschaftlicher Roll back

Gegen die Diskriminierung von Prostituierten

Geht es nach der sogenannten öffentlichen Meinung, dann handelt es sich bei Prostituierten ausschließlich um unmündige Opfer verbrecherischer und klandestiner Banden, die durch unmittelbare Gewalt oder ökonomischen Zwang – so als gäbe es diesen in anderen Berufen nicht – zur Prostitution genötigt werden. Im Namen des Opferschutzes unterliegt dann auch das Prostitutionsgewerbe massiver polizeilicher Überwachung und werden vor allem ausländische Sexarbeiterinnen zu ihrem eigenen Schutz abgeschoben. Das Alibi für die rigide Immigrationspolitik verschaffen dem Staat sogenannte Nichtregierungsorganisationen und Medienkampagnen, die vorgeben, für die “unterdrückten” Frauen einzutreten. Das Prostitutionsgesetz von 2002, das mitnichten eine rechtliche Gleichstellung von Prostituierten geschaffen hat, sollte 2013 über den Umweg des Gewerberechts ausgehöhlt werden, um die Repression gegen das Prostitutionsgewerbe und die Immigration zu verschärfen. Die politische Stimmung, die 2002 noch eine Verbesserung der rechtlichen Situation von Prostituierten erwarten ließ, ist inzwischen gekippt und unter der Maßgabe des Kampfes gegen “Zwangsprostitution” findet ein gesellschaftlicher und politischer Roll back statt, der die Prostituierten immer stärker an die Kandare nimmt. – Der Vortrag von Juanita Rosina Henning, die bei Doña Carmen, einem Verein für die sozialen und politischen Rechte von Prostituierten aktiv ist und die politische Prostituiertenzeitung La Muchacha herausgibt, wird die bestehende Regulierungswut kritisieren und den gesellschaftlichen Gründen für die Diskriminierung von Prostituierten auf den Grund gehen. Analysen und Stellungnahmen von Doña Carmen gibt es unter www.donacarmen.de. Dort gibt es auch die Informationen für Spenden, auf die der Verein angewiesen ist.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Samstag, 26. Oktober 2013

Antifaschistische Stadtrundfahrt

Radtour zur Erinnerung an die Deportation von 403 jüdischen Mitbürgern in das Internierungslager Gurs am 22. Oktober 1940 und deren Vorgeschichte in Freiburg, geführt durch E. Imbery.

Treffpunkt um 14 Uhr am KG I, Rempartstraße.

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Mittwoch, 6. November 2013

Ein bunter Abend mit dem “Grossen Thier”

Lesung aus verschiedenen Texten

Die Zeitschrift “Das Grosse Thier" gibt es seit ungefähr zwei Jahren, und immer noch gibt es keinen Grund zum Feiern. Interessierte kennen sie vielleicht aus den Gefälligkeitsrezensionen der einschlägigen Szene-Blätter; aber kaum jemand weiß, wozu diese Zeitschrift betrieben wird, noch was ihr Name bedeutet. Vielleicht erfahren wir es heute Abend? – “Das Grosse Thier geht in sein drittes Jahr. Niemand hätte gedacht, daß es so weit würde kommen müssen. Und, wie es aussieht, wird es einstweilen dabei bleiben. Eine Zeitschrift ist, wie alles, was man tun oder lassen kann, an ihre Zeit gebunden, und die Zeit, die etwas wie dieses Blatt nötig oder auch nur möglich gemacht hat, hat bisher nicht aufgehört. Also geht es weiter; in Ermangelung eines Besseren” (“Wir müssen zugeben, daß alles weitergeht”: Einleitung zum nächsten Heft). – Redakteure des Grossen Thieres lesen aus alten und neuen Texten, unter anderem über: das Leben unter Lohnarbeit und Hartz IV, Materialismus und Philosophie, non-citizens und Flüchtlingsproteste, Rassismus und Antirassismus, Krise und Krisenbewältigung, Aufstände und Bürgerkriege, und, wenn noch Zeit ist, das grauenvolle Versagen nahezu jeder denkbaren Opposition. Devotionalien sind am Merch-Stand erhältlich (http://dasgrossethier.wordpress .com/) Das Blatt erscheint derzeit in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Saarbrücken, Würzburg und Halle und ist ab Januar 2014 im Abonnement erhältlich. Abonnement unter dasgrossethier@gmx.de.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Freitag, 8. November 2013

Freiburg in der NS-Zeit

Antifaschistischer Stadtrundgang

An exemplarischen Stationen wird gezeigt, was in Freiburg nach 1933 passierte, wie die Arisierung organisiert wurde, welche Menschen wo gelebt haben, die ihre Wohn- und Arbeitsstätten verlassen mußten. An der Universität wird vom Rektorat Martin Heideggers im Frühjahr 1933 die Rede sein. Der Rundgang endet gegen 17°° am Platz der Alten Synagoge. E. Imbery führt und kommentiert.

Treffpunkt um 15 Uhr “Basler Hof”/Regie­rungs­präsidium), Kaiser-Josephstraße (gegenüber Buchhandlung Herder).

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Mittwoch, 20. November 2013

Antizionismus ohne Israel

Der Haß auf den jüdischen Staat im deutschen Idealismus um die Wende zum 19. Jahrhundert

Es ist ein gängiger Topos der linken Antisemitismuskritik, daß der “sekundäre Antisemitismus” nach Auschwitz zu einer Verschiebung in der judenfeindlicher Agitation geführt habe, sodaß die “klassischen” Stereotype des Judenhasses nun randständig seien. Nicht der “Wucher-Jude” mit der langen Nase werde heute als Verkörperung der Weltverschwörung identifiziert, sondern Israel, wobei der Judenhaß in Form von Staatskritik ein scheinbar unverfängliches Objekt hat: Man wird ja wohl noch Staaten kritisieren dürfen... Aber so unverzichtbar daran die kritische Einsicht ist, daß Auschwitz ins kollektive Unbewußte sedimentierte und daher ein deutscher Schuldkomplex entstand, der die Wiederkehr des Verdrängten an neuen Symboliken zu bekämpfen sich anstrengt, so verkürzt muß eine Antizionismuskritik bleiben, die von der bloßen Verschiebung des Antisemitismus zum Antizionismus ausgeht, d.h. von einer bloß sekundären Wirksamkeit des israelfeindlichen Ressentiments. Denn damit wird die fetischistische Selbstständigkeit antisemitischer Ideologiebildung ausgeblendet, die sich unabhängig vom realen Verhalten von Juden artikuliert. Wie der Antisemitismus auch ohne Juden und Jüdinnen seinem Wahn frönt, so existieren schon lange vor der Staatsgründung Israels eindeutig antizionistische Motive. Vor allem der deutsche Idealismus in seiner durchweg affirmativen Installation bürgerlicher Vernunft generierte bereits Ende des 18. Jahrhundert das Phantasma einer dezidierten “Unmöglichkeit” jüdischer Staatlichkeit, lange bevor dies auf der politischen Tagesordnung stand. Es verwundert nicht, daß die antideutsche Theoriebildung auf diesem Auge bis heute blind ist. Schließlich gilt ihr die bürgerliche Vernunft als letzter Restposten, als immanenter Rückzugsort gegenüber einem scheinbaren “Aufklärungsverrat”, wie er vor allem in der islamistischen Barbarei und im völkischen Antiimperialismus ausgemacht wird. Dabei übersieht die antideutsche Theorie, daß es die bürgerliche Vernunft selbst ist, die aus ihrer eigenen Widersprüchlichkeit heraus antisemitische und antizionistische Denkformen setzt und nicht etwa die Irrationalität einer wie auch immer gearteten “Gegenaufklärung”. – Es spricht Daniel Späth (Tübingen), der für “Exit! Kritik der Warengesellschaft” schreibt (etwa Das Elend der Aufklärung: Antisemitismus/ Antizionismus, Rassismus und Antiziganismus bei Immanuel Kant in N° 10, Horlemann-Verlag, Berlin 2012, sowie Form- und Ideologiekritik der frühen Hegelschen Systeme I, in N° 11/2013), dazu auf http://linkeirrwege.blogsport.de/ publiziert.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Mittwoch, 4. Dezember 2013

“Wir werden gelebt.”

Über das Verhältnis der Freudschen Trieblehre zur materialistischen Gesellschaftskritik

Die Psychoanalyse Freuds seziert den seelischen Haushalt des Individuums in der spätkapitalistischen Gesellschaft: “Wir sind nicht Herr im eigenen Hause.” Zugleich wird jedoch der Regression des Individuums zum Massenwesen die Reflexion entgegengehalten: “Wo ES war soll ICH werden, ist also der Leitspruch der Psychoanalyse.” Die Menschen wähnen sich frei, sind aber in ihrem Denken, Handeln und Wünschen von unbewußten Impulsen bestimmt. Diese Determination wird in der Trieblehre ihrerseits naturalisiert, was sich insbesondere an der Lehre vom Todestrieb zeigt. Daher wird Freud häufig vorgeworfen, den Menschen auf ein reines Triebwesen zu reduzieren: Er habe “die Gesellschaft” vergessen, seine Lehre sei daher soziologisch zu ergänzen – ein Vorwurf der jedoch am Begriff des Triebes, der nicht als biologischer Instinkt, sondern als geschichtsphilosophische Konzeption zu interpretieren ist, völlig vorbeigeht. Und auch die Einwände der sog. empirischen Psychologie verfehlen den Kern der Freudschen Lehre. Denn gerade an seiner Trieblehre läßt sich verdeutlichen, daß Freud das Individuum als zugleich natürliches und gesellschaftliches Wesen kennzeichnet, als ein Wesen, daß gerade dort, wo es gesellschaftlich ist, natürlich, und wo es natürlich ist, gesellschaftlich agiert. Die Behauptung, daß der Mensch nicht biologisch, sondern gesellschaftlich bestimmt sei, kommt soziologisch denkenden Menschen (namentlich “Linken”), allzuleicht über die Lippen. Sie verkennen, daß er als gesellschaftliches vielmehr ein ungesellschaftliches und als natürliches gerade ein unnatürliches Wesen ist. Den Begriff des Triebes aus Freuds Lehre zu eliminieren, bedeutet, seine Lehre ihrer gesellschaftskritischen Intention, damit ihrer Wahrheit zu berauben. – Es spricht Martin Dornis (Leipzig), Autor u.a. von “Der Meister aus Deutschland. Zur Kritik der Ideologie des Todes , in: Alex Gruber/Philipp Lenhard (Hg.), Gegenaufklärung. Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Mittwoch, 18. Dezember 2013

“Café Judenhaß” in der Spechtpassage

Der antisemitische Wahn im antizionistischen Kostüm

Wie der Boden der deutschen Geschichte bis nach Palästina reicht, so reicht der Boden der palästinensischen Geschichte bis nach Freiburg, d.h. bis in die “Spechtpassage”, wo das “Café Palestine” bei Humus und Fallafel zur Jazz-Musik Gilad Atzmons (einem Spezi des Neo-Nazis Horst Mahler) gerne die “Protokolle der Weisen von Zion” respondiert. Mögen die Zahlen der Opfer in Syrien und im Irak weit höher sein als die der im israelisch-palästinensischen Konflikt, mag im Streit um die richtige Auslegung des Islam zwischen Sunniten und Schiiten ebenfalls weit mehr Blut geflossen sein, mögen auf das Konto des syrischen Präsidenten weit mehr Tote gehen, als es seit 1948 in Palästina auf beiden Seiten zu beklagen gab – es gibt (noch!) keinen Beleg dafür, dass hinter all diesen Massakern Juden bzw. Zionisten stecken. Und deswegen geht dem deutschen Palästina-Freund alles, was in Ägypten, in Syrien, im Irak passiert - vom Sudan, Nigeria, Somalia und dem Kongo wollen wir an dieser Stelle nicht reden - an eiskalt am Arsch vorbei. Oder hat man schon was von einem “Cafe Somalia” in einer deutschen Stadt gehört? Den deutschen Palästina-Freund interessiert nur die Ein- bzw. Zwei-Staaten-Lösung in Palästina, das Rückkehrrecht von inzwischen vier Millionen Palästinensern in ihre Heimat (also das physische Ende Israels) und die “Ermöglichung informierter Kaufentscheidungen” durch Kennzeichnung israelischer Produkte, die in der Westbank hergestellt wurden. Man kann das eine Obsession oder eine Wahnvorstellung nennen, man kann aber auch sagen, daß es Antisemitismus im antizionistischen Kostüm ist. Dabei haben die deutschen Palästina-Freunde nichts gegen Juden, weswegen sie sich alle gerne auf “jüdische Freunde” wie den Gilad Atzmon berufen. Nein, sie lieben Juden! Vor allem tote Juden, von denen sie gar nicht genug bekommen können. – Es spricht Henryk M. Broder, Autor u.a. von “Vergeßt Auschwitz! Der deutsche Erinnerungswahn und die Endlösung der Israel-Frage” (Knaus Verlag 2012) und des Vorworts zu dem gerade bei ça ira erschienenen Buch von Michael Landmann “Das Israelpseudos der Pseudolinken”. In Kooperation mit dem Jugendforum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Freiburg.

Um 20 Uhr im Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)

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Mittwoch, 15. Januar 2014

“Warum Volk sein nicht genügt.”

Der Staatsfetisch und der Haß auf Israel

Die falsche Vermenschlichung des Staates wird in Deutschland von all jenen betrieben, die sich anschicken, ’Politik zu machen’: “Wir sind der Staat! Warum Volk sein nicht genügt.” (Daniela Dahn) – so klingt der Staatsfetisch der postnazistischen Rechtssubjekte. Damit Staat und Volk jedoch werden können, muß die Souveränität zur Volkssouveränität verharmlost, und, was dann noch im Bewußtsein der Warenhüter an sie gemahnt, vernichtet werden: Bei der Sozialdemokratie von Antifa bis SPD aktuell der Verfassungsschutz, in aller Regel jedoch der blanke Souverän, den die sog. “legitime Israelkritik” im jüdischen Staat zu erkennen wähnt. Kritik des Antisemitismus muß Kritik einer “besonders gefährliche[n] Form des Fetischs” (Postone) sein. Jedoch personifizieren die Antisemiten nicht bloß die abstrakte Seite der Antinomie aus abstrakt und konkret eben doch im Juden, vielmehr wird der Warenfetisch der Bürger, wie die Kritik des Rechts von Eugen Paschukanis gezeigt hat, durch den Rechtsfetisch der Staatsbürger notwendig ergänzt. Die Antisemiten sehen in Israel nicht nur den “ideellen Gesamtjuden” sondern zugleich den “Juden unter den Staaten”, ihr Haß ist potenzierter Staatsfetisch und regressive Staatskritik. Mit dem jüdischen Staat – und hier weiß sich der Volksgemeinschafts-Nazi mit dem Feuilleton der SZ und der so linken wie gutgemeinten Forderung nach der “Einstaatenlösung” einig - soll die Souveränität vernichtet und eine Welt des Friedens und der Rechtsstaatlichkeit geschaffen werden. – Es spricht Daniel Poensgen (Berlin), Autor von “Souveränität und Wahn. Über die Notwendigkeit einer staatstheoretischen Perspektive auf den aktuellen Antisemitismus” (Phase 2.43).

Um 20 Uhr im Litfass, Moltkestr. 17

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Mittwoch, 29. Januar 2014

“Staatsmusikant” und Staatskritiker, Wagner und Marx

Marx beginnt mit dem Gegensatz. Die Elementarform des Reichtums, die Ware, ist nur in der Entgegensetzung von Tauschwert und Gebrauchswert zu begreifen. Jeder Versuch, sie zu leugnen, endet in Regression. Und der Staat ist letztlich der Begriff dafür, dass die Einheit nicht nur durch Recht und Ordnung existiert, sondern in der Krise, wenn alle ihre Teilprozesse auseinanderfliegen, mit einer von aller Fessel befreiten Gewalt wiederhergestellt wird. Die Marxsche Kritik im Kapital aber kann dieser Gewalt wie jener Regression nur widersprechen, indem sie in jeder Konstellation moderner Herrschaft auf dem Gegensatz beharrt und nur durch ihn hindurch deren Einheit bestimmt. – Wagner beginnt mit der Einheit. Der Es-Dur-Akkord, der im berühmten Vorspiel des Ring auf die Natur projiziert wird, fungiert als Ausdruck vollständiger widerspruchsloser Identität, ist tönende Regression. Alle Bewegung darin, die es doch gibt, damit der Klang zum Tragen kommt, soll erscheinen, als wären Gegensätze immer nur die bloße Expression ursprünglicher Einheit. Diese “Phantasmagorie” (Adorno) braucht aber dann als pathische Projektion einerseits den totalen Feind, um loszuwerden, was immer sich in ihrem Reich doch als Nichtidentisches hervorwagt, andererseits wirkt gerade durch diese Projektion hindurch eine Art List der Komposition, die etwas der Kritik fast Vergleichbares leistet. Ist der Staatsmusikant also Staatskritiker wider Willen? Die Antwort soll durch Hörbeispiele erleichtert werden. – Es spricht Gerhard Scheit (Wien), Autor u.a. von Verborgener Staat, lebendiges Geld. Zur Dramaturgie des Antisemitismus und Mitherausgeber der Zeitschrift für Ideologiekritik sans phrase

Um 20 Uhr im Litfass, Moltkestr. 17

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Mittwoch, 12. Februar 2014

“Die Massenmörder gehen frei herum, haben ihr Häuschen und züchten Blumen.”

Joseph Wulf und das Nachleben des Nationalsozialismus

Der aus Polen stammende jüdische Auschwitz-Überlebende Joseph Wulf (1912-1974) war in der Bundesrepublik der erste Historiker, der in den 1950er Jahren Bücher über den Holocaust veröffentlicht hat. Seine anfangs in Zusammenarbeit mit Léon Poliakov entstandenen großen dokumentarischen Werke trafen auf ein geteiltes Echo. Einer gewissen Anerkennung bei einem Teil der linksliberalen Öffentlichkeit standen Abwehr und Mißachtung vor allem bei den Vertretern der akademischen Historikerschaft gegenüber. Wulf, ein “Jude aus Galizien” (wie er sich selbst nannte) und historiographischer Autodidakt, blieb in Deutschland zeitlebens ein Außenseiter, ohne enge Bindung an kulturelle Milieus und politische Lager. Seine Initiative zur Gründung eines Dokumentationszentrums zum Nationalsozialismus in der Berliner Wannsee-Villa scheiterte zu Beginn der 70er Jahre ebenso wie seine Versuche, die neue Linke von ihrer Israelfeindschaft abzubringen. Im Oktober 1974 nahm er sich resigniert das Leben. – Es spricht Klaus Kempter, Autor der Biographie “Joseph Wulf – ein Historikerschicksal in Deutschland” (Göttingen 2013). Er lehrt Neueste Geschichte an der Universität Heidelberg und beschäftigt sich unter anderem mit der deutsch-jüdischen Geschichte und der Geschichte der Arbeiterbewegung.

Um 20 Uhr im Litfass, Moltkestr. 17

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Programmtext:
I am what i am - my own special creation