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Jens Benicke

Von Adorno zu Mao

Über die schlechte Aufhebung der antiautoritären Bewegung

Frühjahr 2010, 260 Seiten, 20€, ISBN: 978-3-924627-83-6

Durch die antiautoritäre Studentenbewegung kommt die Kritische Theorie in Deutschland zum ersten Mal praktisch zur Geltung. An Adorno, Horkheimer und Marcuse orientierte studentische Theoretiker wie Hans-Jürgen Krahl, Frank Böckelmann u. a. gewinnen Mitte der sechziger Jahre im “Sozialistischen Deutschen Studentenbund” (SDS) kurzzeitig die Oberhand und drängen die traditionslinke Strömung zurück. Doch dieser erfreuliche Zustand ist nur von kurzer Dauer, denn schon auf dem Höhepunkt der Protestbewegung entstehen aus der antiautoritären Bewegung neo-leninistische Strömungen, die die Kritische Theorie als “kleinbürgerlich” zurückweisen. Damit einher geht auch die Abwehr und Verdrängung der nationalsozialistischen Vergangenheit. Dabei waren es doch gerade Mitglieder des SDS, die in den fünfziger und frühen sechziger Jahren immer wieder das Schweigen der postfaschistischen Gesellschaft gebrochen hatten. Die darauf folgende schlechte Aufhebung der antiautoritären Bewegung und die Konstitution der mao-stalinistischen K-Gruppen bedeutet dann die endgültige Abkehr eines großen Teils der Protestbewegung von der Kritischen Theorie.

Inhalt

  1. Einleitung
  2. Studentenbewegung und Kritische Theorie
    1. Die Kritische Theorie
    2. Die Entstehung der Studentenbewegung und der Neuen Linken in der Bundesrepublik
    3. Die Rezeption der Kritischen Theorie durch die Studentenbewegung bis 1968
      1. Horkheimers “Autoritärer Staat” und die Faschismusdiskussionen im Institut für Sozialforschung
      2. Die Bedeutung des Antisemitismus für die Kritische Theorie
      3. Marcuse und die Frage nach dem revolutionären Subjekt
      4. Habermas Kritik an der Radikalität der Bewegung
      5. Adorno und das Verhältnis von Theorie und Praxis
  3. Die Auseinandersetzungen in der Studentenbewegung über den Nationalsozialismus
    1. Diskussionen innerhalb der Studentenbewegung über eine Theorie des Faschismus
    2. Die “Überwindung des Antisemitismus”
    3. Die juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen und die Reaktionen der Studentenbewegung
    4. Gibt es eine Kontinuität des Nationalsozialismus in der BRD?
    5. Sind die Notstandsgesetze “NS-Gesetze”?
    6. Rudi Dutschke und die deutsche Nation
    7. Israel und die deutsche Linke bis 1967
    8. Die antizionistische Wende der deutschen Linken nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967
  4. Die Veränderung der Rezeption der Kritischen Theorie während des Höhepunkts und des Zerfalls der Studentenbewegung
    1. 1968 – Auf dem Höhepunkt der Bewegung
    2. Faszination Kulturrevolution
    3. Die Gründung der ersten Parteien
    4. Der Zerfall der Studentenbewegung und das “ Gründungsfieber”
    5. Die Septemberstreiks 1969 und die “proletarische Wende” der Protestbewegung
    6. Die Rolle der Intelligenz
    7. Die Abwendung von der Randgruppentheorie
    8. “Die Reste bürgerlicher Ideologie entschieden bekämpfen”
    9. Die Spaltung der Heidelberger Linken und die Abrechnung mit der Studentenbewegung
  5. Die Auseinandersetzungen über den Nationalsozialismus in der Übergangsphase zu den K-Gruppen
    1. Die weiteren Diskussionen über eine Theorie des Faschismus
    2. Die fortgesetzte Beschäftigung mit den Kontinuitäten des Nationalsozialismus in der BRD
    3. Diskussionen über eine drohende Faschisierung der Gesellschaft
    4. Der Nahostkonflikt und die deutsche Vergangenheit
  6. Die Rezeption der Kritischen Theorie in den K-Gruppen
    1. Die K-Gruppen
    2. Die Entwicklung der K-Gruppen
    3. War die Rote Armee Fraktion eine bewaffnete K-Gruppe?
    4. Zwischen Anarchismus und Werkzeug der Bourgeoisie
    5. Die Intellektuellenfeindschaft der K-Gruppen
    6. Die Auseinandersetzung des KBW mit der Kritischen Theorie
    7. Die Kritische Theorie als bürgerliche Sozialwissenschaft
  7. Das Verhältnis der K-Gruppen zum Nationalsozialismus
    1. Die Faschismus-Analyse der K-Gruppen
    2. Die Abwehr der deutschen Geschichte und der Nationalismus der K-Gruppen
    3. Auseinandersetzungen über die Sozialfaschismusthese
    4. Die Bewertung der bundesrepublikanischen Gesellschaft durch die K-Gruppen
    5. Der Antizionismus der K-Gruppen
    6. Der Niedergang der K-Gruppen
  8. “Die schlechte Aufhebung der antiautoritären Bewegung”
  9. Literatur

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Leseprobe:

War die Rote Armee Fraktion eine bewaffnete K-Gruppe


Rezensionen:

Felix Baum (die tageszeitung vom 24. 7. 2010)

Unkultur Blog (Conne Island Flyer N° 179)

Hanning (www.beatpunk.org)

Anton Pam (Grundrisse N° 37, 2011)

Tilman Vogt (Jüdische Zeitung Nr. 5 / 2011)

Johannes Platz (H-Soz-u-Kult, 03.06.2011)

Matthias Dapprich (Das Argument Nr. 292, 2011)

Dirk Farke

Lars Normann (Das Historisch-Politische Buch, Heft 4, 2010)

Jost Eisenstein (Hotel Lux, Dez. 2011)

Buchladen Le Sabot

Lothar Galow-Bergemann (Freies Radio Stuttgart)

Christoph Fringeli (datacide N°12, 2012)