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Hans-Georg Backhaus

Der widersprüchliche und monströse Kern der nationalökonomischen Begriffsbildung

In seiner Kritik Emile Durkheims diskutiert Adorno den Widerspruch, daß dieser Klassiker der Soziologie, obwohl er die »quasi-naturwissenschaftliche Methode« in den Geisteswissenschaften zu etablieren trachtet, doch auch einen »Kollektivgeist« zu konstruieren suche, der als ein »Subjekt sui generis« selber »denkt, fühlt, will«. Diese »Spiritualisierung von Objektivität« [ 1 ] bedeute, daß Durkheims positivistischer Rationalismus in sein Gegenteil, in Irrationalismus, »in wilde Spekulation umschlägt«. [ 2 ] Der »Umschlag« sei aber keiner Inkonsequenz des szientistischen Paradigmas zuzuschreiben, sondern diesem immanent; produzierten die Extreme formaler Rationalismus und Irrationalismus sich doch wechselseitig. Adornos kritische Fundamentalthese lautet: der von jener quantitativen »Methode geringgeschätzte« und »beseitigte« Inhalt kehrt wieder in Monstrositäten, »ohne die keine Theorie jenes Typus auskommt.« [ 3 ]

Es handelt sich um physisch-psychische wie soziale Inhalte oder Qualitäten, die im Sinn jenes szientistischen »Ideals der Methode« auf meßbare Quantitäten, Größen, reduziert werden sollen. Da für Adorno und Horkheimer vor allem der nationalökonomische Formalismus eine »Theorie jenes Typus« repräsentiert, muß sich die Wiederkehr verdrängter Qualitäten in der Gestalt monströser Entitäten an jenem nationalökonomischen Theorietypus demonstrieren lassen. So behauptet denn auch Marx, daß keine ökonomische Theorie ohne »Mystifikationen«, d.h. ohne »Monstrositäten auskommt«: »jedes, selbst das einfachste Element, wie z.B. die Ware«, sei »schon eine Verkehrung« [ 4 ] , eine »verrückte Form« [ 5 ] . Wobei jede »Verkehrung« eine »reelle Mystifikation« [ 6 ] ausdrücke, eine »wirkliche Verkehrung« [ 7 ] . Die »Verkehrung in höchster Potenz« [ 8 ] »Mutter aller verrückten Formen« [ 9 ] , »letzte Verkehrung« [ 10 ] , die »Verrücktheit (...) in handgreiflichster Form« [ 11 ] sei aber die »Form« Zins: »Das gesellschaftliche Verhältnis ist vollendet als Verhältnis des Dings (Geld, Ware) zu sich selber« [ 12 ] , des »Kapitals als Verhältnis zu sich selbst« [ 13 ] [Hervorhebung von Marx].

Es geht nicht – nur – um monströse Konstruktionen der Theorie: Diese »Verrücktheit« ist primär keine des Denkens, sondern eine existierende: eine »Irrationalität der Sache selbst« [ 14 ] . Die im ersten Kapitel als »Ware an sich« [ 15 ] konzipierte »Ware überhaupt« ist ebenso ein Selbstverhältnis, allerdings ein »Subjekt« bloß »an sich«, das deshalb der Verwirklichung, der »Vollendung« bedarf. Es ist erst als Kapital-Selbstverhältnis »vollendet«; modern gesprochen: in dessen »Selbstreferenz«, »Selbstbezüglichkeit« [ 16 ] . Ebenso »vollendet« sich der unvollendete, »einfache«, statische Wert des ersten Kapitels in Das Kapital erst als Kapitalwert-Prozeß. Hier hat die Werttheorie ihr Telos, nämlich in der Theorie des dynamischen Kapitalwerts, in dem »qualitativen Verhältnis« G-G' als einer »in sich differenzierten, sich (...) in sich selbst unterscheidende[n] Wertsumme« [ 17 ] .

Im vordergründigen Selbstverständnis des formalistischen Ökonomen hat sich hingegen der ideologische Schein der ökonomischen Objekte als Darstellung objektiver Rationalität so verfestigt, daß deren Marxsche Dechiffrierung als »Verkehrungen« etc. immer noch ignoriert werden kann. Als autonome Fachwissenschaft oder oeconomia pura besteht ihr Gehalt primär »aus mathematischen Größenrelationen«, die so »ideologiefrei wie die Algebra« [ 18 ] seien. In der Tradition von Jevons und Walras gilt z.B. dem Schumpeter-Schüler Preiser »Wirtschaftstheorie als soziale Physik«, die einen »wohlgeordneten Werkzeugkasten« bereitgestellt habe. Da für Preiser der Methodologe Amonn (mit der »heute selbstverständlich« gewordenen neukantianischen »Unterscheidung von Erfahrungsobjekt und Erkenntnisobjekt«) die »Befreiung« der Ökonomie »vom Wust der damaligen Begriffsverwirrung« zustandegebracht habe, meint Preiser ohne Spur von Ironie den Fachökonomen so rühmen zu können: »Unbeschwert von philosophischen und methodologischen Zweifeln geht er ans Werk.« [ 19 ]

Zweifellos hat dessen Skrupellosigkeit eine positive Seite. Sie ließ ihn jene neukantianische, von Max Weber vehement verfochtene Dopplung des Objekts bald wieder vergessen, die Amonn selbst in Widersprüche verstrickt hatte. Doch auch eine höchst fatale: der szientistische Hauptstrom ignorierte die Einsicht des späten Schumpeter, daß »Erklären in den Naturwissenschaften etwas ganz anderes bedeutet als in den Sozialwissenschaften«. [ 20 ] Wenn es ihm auch nie gelang, dies »ganz andere«, die ganz andere »Erkenntnisquelle«, [ 21 ] positiv zu bestimmen, glaubte er auf »diese Erklärung« nicht verzichten zu können, da sie »hoffentlich dazu beigetragen« habe, ihn von einem »Verdacht zu befreien«: daß er immer noch zu dem jetzt als inferior durchschauten »Scientismus neige« [ 22 ] , zur Methodologie seiner Frühschrift. Das »ganz andere«, alternative Erklären suchte er in »einer originären Vision« dessen, was er antikantianisch die »innere Logik abstrakter Gegenstände« [ 23 ] nannte, wobei er dem (in neukantiranischer Sicht) unerkennbaren »Erfahrungsobjekt« eine zumindest intuitiv erkennbare »eigene Logik«, »Eigengesetzlichkeit« [ 24 ] , ein »Eigenleben« [ 25 ] unterstellte. Er vermied daher den Weber-/Amonnschen Begriff »Erfahrungsobjekt«. Ging es ihm doch, wie Adorno, um das »Realobjekt« und eine ihm korrespondierende »materiale Logik« [ 26 ] .

Zwar begreifen die Szientisten Ökonomie als »soziale« Physik, die aber nur als Lehre von einer »zweiten«, d.h. sozialen »Natur« denkbar ist, soll dieser Begriff sich nicht als Contradictio in adjecto selbst negieren; sie vergessen, daß selbst dem formalisierten »Knappheitspreis« als Preis noch ein sozialer Gehalt zukommt: die überindividuell geltende »Form«. Allein auf ihr beruht die kategoriale Unterscheidbarkeit des ökonomischen Objekts gegenüber den physikalischen, allein sie vermöchte es, Ökonomie als von der Physik unterscheidbare »soziale« Physik zu konstituieren. Doch diese soziale Struktur existiert nur als »Verkehrung« dergestalt, daß der »Preis«, ein zweites »Sein« des Produkts, sein »Geldsein«, [ 27 ] vorstellt, eine »übernatürliche Eigenschaft« [ 28 ] : Diese ist als »Glied« des übernatürlichen Sozialprodukts doch quasi-apriorisch auf ein Übernatürliches, auf Geld bezogen. Ein solch »Übernatürliches« ist allerdings der exakten Physik wesensfremd.

Als preisbestimmte existiert jene Eigenschaft nicht mehr als fürsichseiendes Ding, vielmehr bloß noch als »Moment«, »Pol« der überindividuell geltenden »Form« oder Gleichung, d.h. einer realen Korrelation von Ware und Geld, die jetzt zu »sich wechselseitig bedingenden (...) Momenten« [ 29 ] herabgesetzt sind, die in ihrer Existenz sich wechselseitig voraussetzen. Dieser »Zirkel« schließt das für die nationalökonomische Begriffsbildung fundamentale, fachökonomisch nie gelöste und nur selten erkannte »Problem des Anfangs« ein: Was »ist das Primäre, die Ware oder das Geld« [ 30 ] ? Das knappe Gut, ein »Natürliches«, ist als preisbestimmte Ware bedingt durch das »übernatürliche« Geld, also selbst nichts Natürliches mehr, sondern im Unterschied zu den bloß natürlichen Dingen der Physik ein Natürlich-Übernatürliches. Der »Träger« des »Knappheitspreises«, das knappe Gut oder »sinnliche Ding«, verwandelt sich in ein »sinnlich übersinnliches Ding« [ 31 ] , es ist »sinnlich« und doch auch nicht-sinnlich, über-sinnlich. Der Preis existiert also nur als Moment eines existierenden Widerspruchs.

So ist das für die Schulökonomie »einfachste« Verhältnis nur scheinbar ein solches. Es »trügt dieser Schein der Einfachheit, vielmehr schließt [es] (...) Widersprüche ein«. [ 32 ] Als ein »Paradoxon der Wirklichkeit« drücken sie »Widersprüche (...) in der Sache« aus, weil »Privatarbeit sich als allgemeine« [ 33 ] darstellen muß; existiert gesellschaftliche Produktion doch nur als ihr Gegenteil, als Produktion privater Produzenten. Es ist dieser Sachverhalt, der sich »verkehrt« darstellt, nämlich in den »realen Widersprüchen« [ 34 ] der »sinnlich übersinnlichen« Dinge: Das scheinbar Konkrete, die Ware, erweist sich im Sinn Schumpeters als »abstrakter Gegenstand«. Doch es muß ein real-abstrakter sein, soll die Rede von dessen »innerer Logik«, einer »Logik der Sache« [ 35 ] , eine sinnvolle sein.

All dies gilt vor allem für den spezifischen »Preis« Zins, den »Preis« des Kapitals. Schumpeter irritierte seine – bis heute – ignorierte Erkenntnis, daß es sich dabei um keinen rationalen, sondern um einen »metaphorischen« Ausdruck handelt, daß er bloß ein Bild, nicht einen rational explizierbaren Begriff vorstellt: Er werde »nie in ganz demselben Sinn« [ 36 ] wie in seiner eigentlichen Bedeutung als Preis einer Ware gebraucht. Geht es ihm generell um eine »Realdefinition« [ 37 ] der Begriffe, um die sog. »[logischen] Anfänge der Dinge« [ 38 ] , also um das nicht-naturwissenschaftliche »Erklären« der »Realgründe der Erscheinung« [ 39 ] Zins, bedarf es auch einer nicht-metaphorischen »Realdefinition« des Preises der Ware. Nur als davon unterschiedener läßt sich der Faktor-»Preis« Zins nicht-»metaphorisch« präzisieren. Doch die positive Bestimmung des Preises als »übernatürlicher Eigenschaft« der Waren, ist Schumpeter ebenso schuldig geblieben wie die der zugehörigen Methode sui generis.

Nicht bloß Schumpeter, auch andere akademische Kritiker des Hauptstroms insistierten immer wieder darauf, daß statt der quantitativen Methode die »Nationalökonomie eine Methodologie sui generis benötigt« [ 40 ] . Folgt man einigen Geldtheoretikern, etwa W. Taeuber, sind es qualitative Sachverhalte, die den eigentlichen Gegenstand der Sozialtheorien ausmachen, daß nämlich soziales, insbesondere »sozialwirtschaftliches« Wirken sich nicht nur »in materiellen Gebilden« niederschlägt, sondern sogar in »unsinnlichen (...) Gestalten«. Es geht daher um die Interpretation und den Aufweis der Genesis dessen, was Taeuber »quasi-räumliche Einrichtungen« nennt; das Objekt sozialtheoretischer Analyse bilden »Objektivationen« einer »überindividuellen Macht«, wie sie sich etwa in »Gelddingen als Körper« darstellt – Verkörperungen eines dem Durkheimschen Kollektivbewußtsein verwandten Überindividuellen. Dabei ist zu bedenken, daß der »unsinnlichen Gestalt« Geld ein höchst paradoxer Charakter eignet: einerseits ist es »nicht greifbar, noch wahrnehmbar«, gilt insofern als ein nur »quasi«-räumliches Ding, andererseits erscheint es als räumliches »Ding«, steht den Menschen »transzendent« gegenüber, erscheint als ein »Transzendentes«, das »kein Begriff, sondern eine Realität ist«, ein quasi-»[R]äumliches«. Dieses Gebilde sui generis ist also einerseits ein Ding, ein Reales, »in seinem Ansichsein« [ 41 ] Erforschbares, andererseits aber auch kein »Ding«, kein Reales, sondern bloß ein Quasi-Ding, ein Begriffliches.

Faßt man diesen »quasi-räumlichen« Charakter näher ins Auge, so stellt er sich zunächst als eine vierte, »wirtschaftliche Dimension« der Gegenstände dar – keineswegs bloß des Geldes, sondern der Ökonomischen Dinge überhaupt; als ihre »zweite Natur« [ 42 ] . Die »Größen« der »exakten« Ökonomie sind also keine physikalisch »greifbaren« oder »wahrnehmbaren«. In diametralem Gegensatz zur Physik handelt es sich der »sozialen Physik« Ökonomie bloß um Quasi-Mengen, Quasi-Volumen, Quasi-Massen, Quasi-Bestände, Quasi-Ströme von preisbestimmten Waren, Geld und Kapital, keineswegs um strikt physikalisch meßbare.

Vom Standpunkt der quantitativen Ökonomie gibt es keine Antwort die Frage, wie sich die Seinsweise dieser Entitäten bestimmen läßt. handelt es sich um bloße Metaphern und monströse Fiktionen oder um eine objektiv vorgegebene Quasi-Realität? Zwar geht es hier nicht unmittelbar um ein »Subjekt sui generis« im Sinne Durkheims, wohl aber um eine Realität »sui generis«, z.B. die der Geld-»Menge«. Da hierbei auch Faktor-»Preise« ins Spiel kommen, »müssen wir wissen, was Preis überhaupt ist« [ 43 ] ; und zwar im Sinn dessen, was Marx im Unterschied zu einer bloßen »Vorstellung« [ 44 ] den »allgemeinen Begriff« [ 45 ] des Preises nannte. Dieses, den Begründern der klassischen und neoklassischen Ökonomie unbekannte Problem ist erstmals von Amonn diskutiert worden: »Wie« die »Preisform entsteht, danach fragt sie nicht, sondern sie setzt die Preisform als gegeben voraus (...). Das nationalökonomische Problem ist der Inhalt des Preises, das ist eine bestimmte Größe des Austauschverhältnisses«.

Dies »Gegeben«-Sein des Preises als »zweite Natur«, seine Seinsweise oder Realität bleibt unreflektiert; auch mit Blick auf Geld und Kapital konstatierte er: »Der lsquo;Begriff der Realität‘ hat eben in den Sozialwissenschaften einen ganz anderen Sinn als in den Naturwissenschaften. In diesen gilt nur das sinnlich Erfahrbare als Realität, die Sozialwissenschaften haben es aber mit einem Objekte zu tun, das (...) lediglich gedanklich erfaßbar ist. Der Staat, (...) Familie (...), Eigentum usw. sind (...) sehr reale Dinge (...), auch wenn sie weder mit den Augen gesehen, noch mit den Ohren gehört werden können.« [ 46 ]

Zwar entdecken Autoren wie Taeuber und Amonn eine metaökonomische Basis der Ökonomie, da jedoch lediglich ungelöste Grundprobleme aufgezeigt, Forschungsaufgaben benannt, aber keine Lösungsansätze geboten wurden, gerieten die Anfänge dieser Metaökonomie bald wieder in Vergessenheit. Generell erwies sich die Ökonomie als überfordert, den »ganz anderen Sinn« dieser Realität, d.h. den Charakter des »Quasi-Räumlichen« auch positiv zu bestimmen; er wird von der physischen und psychischen Realität lediglich als ein »ganz anderer« unterschieden, doch diese Andersheit blieb begrifflich unbestimmt. Damit ergab sich ein ähnliches Dilemma wie in der negativen Theologie: läßt sich über das Was-Sein des ganz Anderen keine Aussage gewinnen, bleibt auch sein Daß-Sein fragwürdig.

Wohl von Amonn angeregt, dessen Werk Sombart rezensiert hatte, lautete die Überschrift des ersten Kapitels von Sombarts methodologischer Spätschrift: »Die Unbestimmtheit des Gegenstandes« der Nationalökonomie; ihr erster Satz stellt den provokanten Sinn dieser Feststellung mit der These heraus, in ihr sei »alles, was bestimmt sein sollte, unbestimmt: sogar der Gegenstand«, d.h. diese Disziplin versage hinsichtlich der Aufgabe, das von ihr Gemeinte, doch immer nur metaphorisch Umschriebene rational zu artikulieren. Das Objekt der von ihm kritisierten »naturwissenschaftliche[n] Nationalökonomie« charakterisierte er als objektive Größen sonderbarer Art: ihre »berechenbaren« und meßbaren Tatsachen seien »qualitätslose Größen (...), reine Quantitäten« [ 47 ] . Sollten sich solcherlei »Größen« als reale, nicht bloß als fiktive, erweisen, hätte die »Unbestimmtheit« des Erfahrungsobjekts einen Grund in der Sache selbst.

Das Versagen der Ökonomie hinsichtlich der Objektbestimmung erwies sich als ihr Unvermögen, die Qualitätslosigkeit ihrer Größen, die reale Unbestimmtheit ihres Objekts intellektuell zu bewältigen: sie berechnet also Qualitätsloses, Monströses, vermag somit nicht zu bezeichnen, was ihr tagtäglich begegnet, was von ihr berechnet wird.

Konkreter als Sombart hatte bereits Schumpeter dieses Dilemma der Nationalökonomie beschrieben. Bezeichnete er doch ein bekanntes, freilich längst nicht erkanntes Faktum alltäglicher Erfahrung, die »Kaufkraft« des Geldes, als eine Realität sui generis, als »Erscheinung sui generis« [ 48 ] , weil das Geld qua »Anweisung« nicht auf »bestimmte Objekte« bezogen ist, vielmehr auf seltsam homogene, d.h. aber unbestimmte Teile des Sozialprodukts. Es ist die »Unbestimmtheit des Objekts« [ 49 ] , die Schumpeter zufolge das »Wesen« jener »Erscheinung sui generis« namens »Kaufkraft« ausmacht. »In seiner Tiefe« wollte er dieses metaökonomische Problem »nicht einmal angedeutet« wissen, »geschweige denn erschöpft« [ 50 ] haben. Doch auch später, sogar in seinem Geldmanuskript, sucht man vergeblich auch nur »Andeutungen« über den Grund jener »Unbestimmtheit des Objekts«.

Hingegen erfaßte Georg Simmel unter dem Titel der »realen Abstraktion« das in die »letzten Tiefen« der »Geld- und Wertlehre« hinunterreichende Paradoxon des »reinen Quantums«. Das fachspezifisch unlösbare Kern-Dilemma der Ökonomie sieht er darin: Alle Aussagen über eine »quantitative und zahlenmäßige Gleichheit oder Ungleichheit« zwischen zwei Objekten wären »sinnlos«, beträfen sie nicht »relative Quantitäten einer und derselben Qualität«. Andererseits soll es sich um ein »reines Quantum« handeln, weder um ein physisches, noch um ein psychisches. Es begegnen alltäglich demnach »sinnlose« Größen, deren Genesis Simmel mit jenem Begriff bezeichnet, der im Anschluß an Marx erst wieder in der Kritischen Theorie zu Ehren kommen sollte, dem der »realen Abstraktion«. Sprach Sombart von »qualitätslosen Größen«, blieb in dieser Rede unbedacht, daß die Realität solcher Größen eine reale Abstraktion von den unterschiedlichen Qualitäten voraussetzt. Dieses erstmals von Marx erkannte, in der Ökonomie bis heute ignorierte Kernproblem dürfte auch der Simmelschen Kapital-Lektüre verborgen geblieben sein, sodaß er eigenständig zu der These gelangte, daß es einen »objektiven Vorgang« geben muß, der »sozusagen« davon »abstrahiert«, daß die »Dinge ungleich sind und eine »Gleichheit derselben« herstellt. Dies besagt, daß nicht nur die »Betrachtung der Wirtschaft, sondern die Wirtschaft selbst sozusagen in einer realen Abstraktion (...) besteht«.

Ähnlich wie Marx konstatiert auch Simmel eine isomorphe Struktur zwischen dem Resultat dieser »realen Abstraktion« – dem Real-Abstrakten – und dem klassischen philosophischen Problem der »Universalien« [ 51 ] . Das Real-Abstrakte oder Real-Allgemeine »ist sowohl als universale ante rem, wie in re, wie post rem« [ 52 ] zu begreifen. Wie sich zeigen wird, faßt auch Marx den Wert als ein »Universale«, d.h. als »Allgemeines«, das »in« der »res«, der Sache, dem besonderen Gebrauchswert existiert, während Böhm-Bawerk in kapitaltheoretischen Kontroversen umgekehrt, nämlich »nominalistisch« argumentieren sollte, daß »Allgemeines« nie »in« der Sache existieren könne, sondern nur als Resultat einer subjektiven, keiner realen Abstraktion entstehen könne, nur »post rein«; es ergab sich der Widerspruch, daß er einerseits den von ihm anerkannten »objektiven Tauschwert« der Ware unbewußt als ein Real-Allgemeines behandelte, das »in« der res, dem besonderen Gebrauchswert existiert, obwohl dies seinem Wertsubjektivismus widersprach. Simmel selbst vermag das »Universale« Wert nur als unableitbares, dem Menschen vorgegebenes »Urphänomen« [ 53 ] zu begreifen, das platonistisch »vor« der Sache, dem Wertding, existieren soll, »ante rem«.

Schon dem jungen Marx stand das Problem der Qualitätslosigkeit oder Unbestimmtheit klar vor Augen. Doch im Gegensatz zu Simmel faßte er es nicht bloß in seiner wert- und geldtheoretischen Bedeutung, sondern vor allem in seiner kapitaltheoretischen. Den schon 1844 im diesem Kontext entwickelten Begriff der »Arbeit schlechthin« wird er mit Blick auf das Problem der »reinen« oder »unbestimmten« Quantitäten definieren: sie »ist zwar jeder Bestimmung fähig, aber an und für sich unbestimmt«. [ 54 ] Verwirklichen kann sie sich nur als »bestimmte«, konkrete Arbeit, d.h. nur im Medium ihres Gegenteils. Die reale »Unbestimmtheit« umschreibt Marx mit einer Metapher: der »abstrakten Arbeitsgallerte« [ 55 ] . Keineswegs handelt es sich hierbei um eine quasi-physiologische Entität, vielmehr um eine real-abstrakte. Diesem traditionellen Mißverständnis steht Marxens klare Aussage über die abstrakte Arbeit als eine »specifisch gesellschaftliche Form(!)« [ 56 ] entgegen, die als überindividuell geltende »Form« keine physiologische sein kann.

Folgerichtig definiert er den Begriff »Arbeitsgallerte«: Daß die Ware als Gebrauchswert nicht die »gesellschaftliche Form(!) bloßer Arbeitsgallerte oder des Werthes besitzt« [ 57 ] . Als soziale oder geltende, doch seiende Form stellt die »Arbeitsgallerte« oder der Wert einen realisierbaren Anspruch dar. Der »Wert« sei »sozusagen« eine »Anweisung» auf »ein bestimmtes Quantum« der »gesellschaftlichen Arbeit« [ 58 ] – wobei die Realisierung dieses Potentials so ausgedrückt werden kann, daß im Austausch die »Unbestimmtheit« der abstrakten Gallerte ihre »Bestimmung« als besonderer, konkreter Gebrauchswert erfährt.

Die soziale »Form« Gallerte ist ein Allgemeines, Bestimmungsfähiges, real Mögliches oder Verwandelbares, ein soziales, kein physisches Potential. Sie ist eine »gegenständliche«, »geltende« und »abstrakte Form«, die aus einem überindividuell vorgegebenen System geltender Preise, aus einem »Preiskurant« abgeleitet wird, in dem die Waren sich »als qualitativ dasselbe« [ 59 ] präsentieren, als je schon anonym gleichgesetzte, keineswegs auf Grund subjektiv-individueller Wertschätzungen. Man kann »Gallerte«, »Kristallisation« [ 60 ] etc. auch als metaphorische Umschreibung des Begriffs »homogenes«, »qualitätsloses«, »reines« Quantum, kurzum als »quasi-räumliche« Größe begreifen. Die Umschreibung intendiert das, was Marx »dieselbe gespenstige Gegenständlichkeit« [ 61 ] nannte, der prägnanteste Fall jener »Quasi-Gegenständlichkeit«, die Ritsert generell sozialen »Institutionen« [ 62 ] zusprach. All diese Entitäten wollen jenes Gleiche, Gleichartige bezeichnen, mit dem tagtäglich auch die Schulökonomie operiert. Doch diese vergißt und verdrängt jenen erstmals von Marx konstatierten und als Fundamentalproblem erkannten Sachverhalt, daß die »Gleichheit« der Dinge immer »nur in einer Abstraktion von ihrer wirklichen Ungleichheit bestehn« [ 63 ] kann, in einer »realen« Abstraktion. Das »reine« Quantum verdankt sich ebenso realen Abstraktionen von der wirklichen Unreinheit wie das »homogene« Quantum einer realen Abstraktion von der wirklichen Heterogenität. Preis, Geld und Kapital, alle drei Ur-»Größen« der Nationalökonomie, sind also real-abstrakte Größen, Daseinsformen einer »rein phantastischen Gegenständlichkeit« [ 64 ] ; der des »Werts« in seiner universellen, Geld und Kapital einschließenden Bedeutung.

Auch Amonn vermochte sich solchen Überlegungen anzunähern, übersah aber die Bedeutung jener realen Unbestimmtheit, ignorierte gänzlich den Prozeß der »realen Abstraktion«. Mißlingt ihm letztlich sein Versuch seiner sozialen Definition des ökonomischen Objekts, damit einer positiven Definition der nicht-physischen Natur der ökonomischen »Realität«, kommt ihm Schumpeter zufolge dennoch das Verdienst zu, daß er die »logischen Schwierigkeiten« der Objektbestimmung »energisch« betont »sorgfältig« [ 65 ] auseinandergelegt habe.

Offenbar handelt es sich um das Problem der »Metabasis« von erster und zweiter Natur. Das betrifft die traditionelle Ökonomie überhaupt, deren Genesis Lowe untersuchte, wobei er einige ihrer unreflektierten Voraussetzungen benannte. Wie Taeuber zahlt er zu jenen wenigen Ökonomen, die der »quasi-räumliche« Charakter der ökonomischen Dinge irritierte. Dabei gelangte er zu der Erkenntnis, daß die Axiome der klassischen Mechanik »ein logisches Gegenstück in der traditionellen Markttheorie haben«. Seine provokante These lautete, daß insbesondere das physikalische »Erhaltungsprinzip« als »stillschweigende Voraussetzung aller traditionellen Lehren« der Nationalökonomie als Disziplin zugrundeliegt; sie verdankt ihre Existenz demnach einer problematischen Analogie.

Tatsächlich scheint auch Marx die Übertragung des Erhaltungsprinzips »stillschweigend« zu akzeptieren. Jedenfalls zitiert er kommentarlos und affirmativ Says Formulierung des (von Ricardo wie von dem Subjektivisten Malthus stillschweigend akzeptierten) Prinzips: »Der Austausch von zwei gleichen Werten vermehrt weder die Masse der in der Gesellschaft vorhandenen Werte, noch vermindert er sie. Der Austausch zweier ungleicher Werte (...) ändert ebenfalls nichts an der Summe der gesellschaftlichen Werte«. [ 66 ]

Say geht also von einer »Wertmasse« aus, die in der Gesellschaft »vorhanden« ist und im gesellschaftlichen Austauschprozeß weder »vermehrt« noch »vermindert«, sondern nur umverteilt werden kann; dergestalt, daß der Verlust des einen durch den Gewinn des anderen und umgekehrt kompensiert wird. Er habe obigen Satz »unbekümmert« um seine »Konsequenzen (...) ziemlich wörtlich den Physiokraten« [ 67 ] entlehnt. Der von Marx häufig gebrauchte Begriff der »Wertmasse« sowie der heftig umstrittene Begriff der »Wertsumme« ist also unmittelbar Sayschen Ursprungs; doch er geht letztlich auf die physiokratische Theorie des volkswirtschaftlichen Kreislaufs zurück, stellt also eine Art materiales Axiom der Kreislauftheorie dar. Wie in Lowes Prinzip der »Erhaltung der wirtschaftlichen Energie« soll sich hier die »Summe« der einzelnen »Werte«, die »Wertmasse« insgesamt, »erhalten«.

Mit seinem Hinweis auf die »Konsequenzen« des Satzes spielte Marx darauf an, daß Say als Verfechter jener subjektiven Wertlehre, die nur »relative«, keine »absoluten« Werte kennen darf, mit dem Begriff der »Wertmasse«, der »Masse« von addierbaren »absoluten« Werten, seine eigene Wertlehre verleugnet hatte, wobei Ricardo diese Sayschen Wertbegriffe gerade wegen ihrer »Konsequenzen« zu legitimieren vermochte. Das von Marx zitierte Theorem relativiert Lowes Behauptung, die Ökonomie habe das Erhaltungsprinzip ihren ökonomischen Reflexionen generell »stillschweigend« zugrundegelegt. Populär-ontologisch eingekleidet, ist es in der von Ricardo zitierten Passage Says fast wörtlich enthalten: »Man kann nicht aus Nichts etwas durch die Berührung mit einem Zauberstab machen«. Aus diesem Axiom folgert Say jenes von Marx rezipierte Grundprinzip, dem es fälschlicherweise zugeschrieben wird: »Auf welche Art immer ein Vorgang verkleidet werden mag, in welche Formen wir einen Wert zwingen mögen, welche Metamorphosen wir ihn durchlaufen lassen, wir können einen Wert nur erlangen, indem wir ihn schaffen oder ihn anderen wegnehmen.« [ 68 ]

Der schon von Turgot verwandte Begriff der »Form« – qua »Verkleidungs«-Form – kehrt in Marxens Begriff »Erscheinungsform« des »Werts« wieder. Die Rede vom Geld als »Schleier« hat hier ebenfalls ihren Ursprung. Offenkundig hängen alle drei Begriffe – (absoluter) »Wert«, »Form«, »Metamorphose« (Formwechsel) – mit dem »Erhaltungsprinzip« innerlich zusammen: Im »Wechsel« seiner »Formen« qua »Verkleidungs- oder Erscheinungsformen« ist es ein und dieselbe »Substanz« des Werts, die sich durchhält, »erhält«. Ist hieraus zu folgern, daß auch Marx stillschweigend das Say/Ricardosche Theorem akzeptiert hat?

Tatsächlich gibt es prinzipielle Unterschiede, die schon daraus hervorgehen, daß sich aus dem statischen Energie-Erhaltungssatz das Wert-Wachstum, also die Dynamik der Wirtschaft, nicht erklären läßt. Doch im statisch-stationären Kontext – Marxens »einfacher Zirkulation« – dürfte sich diesem Satz ein rationeller Kern kaum absprechen lassen. So liegt zumindest das Wert-Summentheorem jenem populär-ökonomischen Satz zugrunde, den jeder Wirtschaftspolitiker im Munde führt: Es kann nicht mehr verteilt werden als produziert wird. Zwar ist dabei nicht unmittelbar von einer produzierten »Wertmasse« die Rede, doch in den wertschöpfungstheoretischen Modifikationen des Satzes ist eine ähnlich bestimmte »Masse« unterstellt. Bezieht sich jenes Axiom doch keineswegs auf einen Haufen inhomogener Güter, sondern auf das, was etwa A. Forstmann »einheitliche homogene Gütermasse« [ 69 ] genannt hat, das Sozialprodukt; »homogene Gütermasse« und »Wertmasse« lassen sich kaum unterscheiden.

Keynes‘ »unzweifelhafte Feststellung« – von ihm gar »(...) lsquo;das Parallelen-Axiom‘ der klassischen Theorie« genannt –, daß das »gesamte Einkommen« einen (prämonetären) »Wert haben muß«, der »genau gleich« dem (prämonetären) »Wert (!) der Produktion ist« [ 70 ] , beruht ebenso auf jenem »Erhaltungsprinzip« wie Schumpeters These vom »volkswirtschaftlichen Äquivalenzsystem« [ 71 ] , wonach dem »Einwurf in das Sozialprodukt« ein »Gegenwert«, eine »Gegenleistung« in Gestalt des Geldes entsprechen soll; wobei sich ein »volkswirtschaftlicher Saldo null ergeben« müsse; Beide Autoren sprechen der Sache nach von gleichzusetzenden »Wertmassen«, Keynes nahezu wörtlich. Unreflektiert gebrauchen sie auch jenes im Begriff des »Äquivalenzsystems« mitgedachte Begriffspaar »Wert/Gegenwert«, das den Analysen Simmels zufolge auf den Begriff des »absoluten Wert[s]« bezogen ist. Weder hier noch in der heutigen Lehre von den makroökonomischen »Gesamtgrößen«, nicht einmal in der Theorie der volkswirtschaftlichen »Wert«-Schöpfung, findet sich meines Wissens irgendein Versuch, den Sinn des fortgesetzt verwandten Begriffs »Wert« zu klären.

Hier sei zunächst nur angemerkt, daß die Wertsubjektivisten Keynes und Schumpeter ebensowenig wie der Wertsubjektivist Say den makroökonomischen, seiner Natur nach objektiven und absoluten Wertbegriff legitim gebrauchen. Der späte Schumpeter war sich dieses Dilemmas schmerzlich bewußt, weshalb er sich erneut mit der Werttheorie Marxens unter dem Aspekt des »absoluten Werts« als dessen »zentralem Begriff« befassen sollte, wobei ihm fatalerweise erst jetzt aufging, daß er von Marx »durchaus nicht mystisch oder metaphysisch« [ 72 ] verwendet worden sei. Selbstkritisch bekannte er jetzt einen lebenslangen »Irrtum«: sein »Mißverständnis des wesentlichen Punktes der Marxschen Werttheorie.« [ 73 ]

Der sich aufdrängenden Frage nach dem Etwas, das sich in den Sayschen »Metamorphosen« zu »erhalten« vermag, wollte sich Lowe im Unterschied zu Keynes und Schumpeter nicht entziehen: Hierbei gelangte er zu einer These, die offenbar die eigentliche Provokation seiner Untersuchung ausmacht: den Theorien der makroökonomischen »Gesamtsummen« in den Theorien Quesnays, Smiths und Says liege die Annahme einer »Materie der Wirtschaft« zugrunde, der »Marktprozeß« sei als »Zirkulation und Transformation eines unzerstörbaren Energieaggregats« konzeptualisiert worden, als »Transformation« oder eben Metamorphose einer »wirtschaftlichen Energie«. Im Unterschied zu Durkheims »Spiritualisierung von Objektivität« hätten wir es im Fall des nationalökonomischen Stoffs mit einem sozialen, dennoch transzendenten Gegenstand zu tun, der sich objektiver als alle Objektivität sozialer Institutionen darstellt. Der »quasi-räumliche« Gegenstand Taeubers verdichtet und materialisiert sich hier zu einem quasi-physikalischen. An der Geburtsstätte der Nationalökonomie steht in dieser Sicht als »stillschweigende Voraussetzung« ein fetischistischer Grundgedanke: die Erfindung einer »wirtschaftlichen Materie«. Der soziologischen »Spiritualisierung« sozialer Objektivität korrespondiert danach ihre nationalökonomische Entsubjektivierung oder fetischistische Materialisierung.

In diesem Kontext macht Löwe auf die unbezweifelbare Tatsache aufmerksam, daß die »preistragenden Einsatzfaktoren« Kapital und Arbeit »sich gegenseitig ersetzen können«. Dieser alltägliche Vorgang erweist sich jedoch als ein rational schwer erfaßbarer: Es »verschwinden« die »qualitativen Unterschiede« von Waren und Faktoren. Hierbei geht es also um das Marx-/Simmelsche, in der Kritischen Theorie diskutierte, Problem der »realen Abstraktion«. Obwohl Löwe politisch, philosophisch und persönlich ihren Autoren nahestand, verwehrten ihm offenbar seine fachökonomischen Fragestellungen die Erkenntnis, daß die Analyse dieses mysteriösen Prozesses den »Zentralpunkt einer Theorie der Gesellschaft« ausmacht. Die Reflexion darauf, daß dieser »Abstraktionsprozeß sich über den Köpfen der Menschen durchgesetzt hat«, d.h. sich »objektiv« vollzieht, charakterisierte Adorno als die »entscheidende Differenz« zwischen der »positivistischen« und einer »dialektischen Lehre von der Gesellschaft«. Während er wiederholt die werttheoretische Relevanz dieser Prozesse betonte, schien Lowe ähnlich wie Schumpeter und Sombart den sich im Bedeutungsfeld »wirtschaftlicher Materie« aufdrängenden lsquo;Wert‘ umgehen zu wollen. Seine Reflexion darauf, daß den Gütern eine eigentümliche »Dimension« zuwächst, die »Dimension der Marktbeziehungen«, in der ihre »qualitativen Unterschiede« ausgelöscht sind, »verschwinden«. Statt diesen mysteriösen Sachverhalt als Manifestation realer »Herrschaft des Allgemeinen über das Besondere« [ 74 ] zu reflektieren, Lowe nur um einen Fall fragwürdiger »mechanischer Analogie« in der Nationalökonomie: »Wie in der Mechanik scheinen wir es mit Ordnung reiner Quantitäten zu tun zu haben, zu deren Analyse die Mathematik das adäquate Werkzeug bildet«.

Doch die Mechanik und andere Real-Wissenschaften haben es keineswegs mit »reinen Quantitäten« zu tun, sondern mit sinnlich wahrnehmbaren; nur die Formalwissenschaft Mathematik und bloß scheinbar die Ökonomie kennen jene »reine Quantitäten«, die Simmel und Sombart beschäftigten. Man denke auch an Forstmanns Postulat der »einheitlichen homogenen Gütermasse«, die von allem Inhomogenen, d.h. Materiellen, »gereinigt« scheint, die unreflektierte Voraussetzung der »oeconomia pura«. Primär unter diesem Aspekt bedürfe es einer »Logik des ökonomischen Denkens«, die in Lowes antikantianischer Sicht »zu der lsquo;Logik der Tatsachen‘«, also zur objektiven Struktur des ökonomischen Objekts in Beziehung gebracht werden soll; Schumpeters »innere Logik abstrakter Gegenstände«. [ 75 ]

Dieses Programm ist sinnvoll insofern, als sich erst auf der Basis einer wirklich materialen »Logik« die Legitimität der Übertragung mechanischer Kategorien beurteilen läßt. Löwe bezieht sich hierbei auf Überlegungen Schumpeters, der mehrfach jenes ungelöste Problem der »mechanischen« und ihr Verhältnis zur »organischen Analogie« angesprochen hatte: »diese Vergleiche sind bedenklich, seien sie auch noch so harmlos gemeint« [ 76 ] . So will auch Löwe »Erklärungslücken« mechanischer Analogien aufzeigen, damit die Grenzen der hierauf gründenden »traditionellen« Wirtschaftstheorie überhaupt. Sie bedarf der Kritik, weil sie »bis heute kein eigenständiges soziales Modell« besitzt, mit ihrem mechanischen vielmehr dem »Bereich des Vor-Sozialen» verhaftet bleibt, also in permanenter »Metabasis« ihrem Objekt inadäquate Grundbegriffe und Modelle verwendet – ein Hans Alberts Kritik der reinen, modellplatonistischen Ökonomie als Theorie im »soziale[n] Vakuum« [ 77 ] verwandter Vorwurf.

Das Desiderat einer neuen »Logik« ist für Löwe ein »Fundamentalproblem« [ 78 ] der Ökonomie. Es versteht sich, daß jenseits seines Reflexionshorizonts eine solche »Logik« vor allem die werttheoretische Relevanz jenes Prozesses der Transformation physischer Qualitäten in »reine Quantitäten« zu thematisieren hätte. Dabei geht es vor allem um das Verhältnis jener scheinbar »reinen Quantitäten«: die »vergleichbaren Mengen lsquo;wirtschaftlicher Energie‘« zu ihren Verkörperungen in »quasi-räumlichen« Gebilden monetärer Art. Unausweichlich kommt hierbei der von Löwe« gemiedene Wertbegriff, andererseits auch und nur auf diesem Weg die von ihm vermißte, soziale Dimension zur Geltung.

Der am Beispiel Lowes demonstrierbare Verzicht der Nationalökonomie auf die Ausarbeitung eines sozialen Wertbegriffs, damit der Analyse objektiv-realer Abstraktionen, setzt diese Disziplin dem Verdacht aus, ihre Begriffsbildung gründe generell auf monströsen Existenzbehauptungen, auf der Bildung von im »Bereich des Vor-Sozialen« angesiedelten Pseudobegriffen wie »wirtschaftliche Materie« und »wirtschaftliche Energie« als ihren »stillschweigenden Voraussetzung[en]«. Es handelt sich offenkundig um Paradebeispiele für die Adorno-These vom notwendigen »Umschlag« quantitativer, schein-»exakter« Begriffe in »wilde Spekulationen« und »Monstrositäten«. Tatsächlich ist der objektive Schein dieser Quasi-Materie – Marxens »gespenstige Gegenständlichkeit« oder »Wertgegenständlichkeit« – so dicht, daß einige Ökonomen der szientistischen Versuchung unterlagen, im Sinn der »mechanischen Analogie« aus der »Atomphysik Aspekte für die Bestimmung des Kapitalbegriffs« [ 79 ] gewinnen zu wollen.

Dabei gehen solcherlei Konstruktionen, wie sie formallogisch scharfsinnig und physikalisch kompetent von dem namhaften japanischen Ökonomen Jojima entwickelt worden sind, vom Problem der »Homogenität der Masse« im »Naturraum« und »ökonomischen Raum« aus. Jojima hofft, von der exakt darstellbaren physikalischen »Masse« her »den mit ihr isomorph korrespondierenden Begriff im ökonomischen Raum [zu] finden«, ebenso hinsichtlich des in Physik und Ökonomie gebrauchten »Kraft«-Begriffs. Wenn er nun das »Wesen des Kapitals« im »isomorphen« Vergleich von physikalischer und »ökonomischer Masse« erhellen möchte, ergibt sich eine merkwürdige Schwierigkeit: Er muß eine »Werterzeugungsfähigkeit des Kapitals«, eine Fähigkeit zur »Selbstexpansion«, unterstellen, »denn Kapital erzeugt Kapital«. Dies und der Kreislauf oder »Wertaustausch« der Aktiva und Passiva nötigt ihn zu einer monströsen Annahme: Offenkundig in krassem Widerspruch zur Konstruktion der »Masse in der klassischen Physik« erscheint hier als Träger dieses Wertestauschs ein Quasi-Subjekt, gilt »das Kapital [als] ein Lebewesen« [ 80 ] .

Es versteht sich, daß Marx wie Adorno den japanischen Ökonomen als Kronzeugen für ihre Thesen benennen würden, daß im Sinn der akademischen Ökonomie der »Faktor« Kapital als »Produktionsquelle von Wert« [ 81 ] begriffen wird, als ein mit einem »Scheinleben begabtes« und »sich zu sich« selbst verhaltendes und »sich in sich selbst« unterscheidendes »aktives Subjekt« [ 82 ] . Daß ein Umschlag quantitativer Theorien in »Monströsitäten« stattfindet; und zwar keineswegs bloß im esoterischen Beeich der Geldwesenslehre, sondern im Zentrum der nationalökonomischen Begriffsbildung.

Es versteht sich, daß ein »exakter«, auf den wissenschaftlichen Status seiner Disziplin pochender Ökonom Jojimas Kapitaltheorie energisch widersprechen muß. Ob diese die akademische Kapitaltheorie auf ihren Begriff bringt oder selbst auf dem Boden der akademischen Begriffsbildung Alternativen denkbar sind, kann hier nicht definitiv entschieden werden. Es geht lediglich um weitere Beispiele, die zum einen den Fetischcharakter des Kapitalsubjekts und der quasi-räumlichen Kapitalmengen, zum andern die hieraus resultierenden logischen Paradoxien zu demonstrieren vermögen, wie sie vor allem in der klassischen Kontroverse um Böhm-Bawerks Kapitalbegriff zutage traten. Wenn das Phänomen monströser Konstruktionen sich am anschaulichsten anhand kapitaltheoretischer Fälle diskutieren läßt, so das der »logischen Schwierigkeiten«, realer Paradoxien an Beispielen der Geldtheorie, wie sie vor allem Schumpeter und Simmel mehrfach konstatiert haben.

Als erstes, einleitendes Beispiel soll ein Satz des frühen Schumpeter herangezogen werden, dem sich verwandte Konstruktionen Wicksells zur Seite stellen lassen, dessen Kapitaltheorie die folgende Begriffsbildung Schumpeters inspiriert haben dürfte. Dabei geht es zunächst um die sog. »Kapitalmengen« als einen »angehäuften Vorrat« oder eine »gegebene Menge« »von lsquo;vorgetaner‘ Arbeit und lsquo;vorgeleisteten‘ Bodenleistungen, eine Art lsquo;Arbeits‘- und lsquo;Bodenleistungsgallerte‘ (...) gegeben als abstrakter Fond von Produktivkraft.” [ 83 ]

Im Unterschied zu Jojima vermied es Schumpeter hier und auch später, die naturwissenschaftlich unbekannte »Art« von »Leistungen« und okkulten »Kräften« der Natur präziser zu beschreiben und zu erklären, was es mit jener metaphorischen Rede von »Gallerten« als ihren Produkten auf sich hat, einer Art »wirtschaftlicher Materie« im Sinn Lowes. Vermutlich soll mit diesem Terminus etwas Plastisches, Verformbares, assoziiert werden. Jedenfalls wollen diese Metaphern andeuten, daß die Ökonomie es nicht bloß mit Wahlhandlungen zu tun hat, sondern auch mit einem den handelnden Subjekten »transzendenten« Bereich von »Kräften« und ihren Produkten, den »Gallerten«. Schumpeter sollte diesen Terminus wieder fallenlassen; freilich zugunsten anderer denselben Sachverhalt benennender Metaphern, scheinbar unverfänglicher, in Wahrheit problemverschleiernder Begriffe wie »Kapitalmenge«.

Zwar bezieht sich Schumpeter unmittelbar bloß auf J. B. Clarks »abstrakten Fond«, doch die Konstruktionen einer anderen Koryphäe der Neoklassik, Wicksells, sind formaliter vergleichbar. Gibt es bei diesem doch »abgelagerte«, »aufgespeicherte«, in seinem Sinn: »ersparte« Entitäten, homogene »Mengen« von »Arbeitskraft und Bodenkraft«. Womit Wicksell unbewußt Real-Allgemeines und Real-Abstraktes in Anspruch nimmt: Irgendwie sollen sie »in den selben Kapitalgegenständen vereinigt« sein; wobei der Prozeß dieser mysteriösen »Vereinigung« nicht minder rätselhaft bleibt wie der der Jungfrau Maria mit dem Heiligen Geist. Entspringt ihr der Gottessohn, kommen dort nicht minder rätselhafte Produkte zur Welt: »Kapitalmassen« als »Kraftmengen« sui generis.

Vermochte doch kein Physiker jemals zu beobachten, daß sich Kräfte »in eine Form des Kapitals gekleidet« haben sollen – »eingekleidet«. Es findet sich in diesem Text nicht die Spur einer Andeutung, worin sich die ihrer Art nach physischen »Kraftmengen« von den ihrer Art nach sozialen »Kapitalformen« unterscheiden und in welchen Eigenschaften sie übereinstimmen könnten; soll keine Metabasis vorliegen, muß eine Wesensverwandtschaft unterstellt werden, wenn sich Eines in ein Anderes »einzukleiden«, zu transformieren vermag. Wicksell stimmt Autoren wie Jevons zu, die ein »Kapital in seiner freien Form« annehmen, »ehe es noch in der Produktion gebunden ist«, wobei die an Clarks »abstrakten Fond« und Schumpeters »Gallerten« erinnernde »freie Form« nicht minder dunkel ist, wie die Metapher vom »Gebundensein« der unbekannten, immateriellen Entität Kapital an Materielles.

All diese »Mengen« werden begründungslos als »Tauschwertmengen« ausgegeben, die sich »zusammen als eine einzige Wertsumme auffassen lassen (...), eine Summe von Tauschwerten«. Ein befremdliches Verfahren insofern, als Wicksell ein eingeschworener Gegner der Theorie des objektiven und absoluten Werts war, deren Marxsche Version er als eine »furchtbare Waffe gegen das Bestehende« bekämpfte. Die postulierte »neue« Lehre sei daher in »eminenter Bedeutung von (...) sozialem Interesse«. (Wer möchte noch bezweifeln, daß die subjektive Wertlehre der »Grenznutzenrevolution« als eine »Waffe« geschmiedet worden ist, nicht gegen die den Revolutionären kaum bekannte Marxsche Wertlehre gerichtet, wohl aber gegen die linksricardianische, speziell Proudhonsche.)

Von Anfang an sah man sich genötigt, nicht bloß den addierbaren, absoluten« Wert, sondern auch den »abstrakten« und den »allgemeinen Wert« zu tabuisieren; im Gegensatz zu den werttheoretischen Ketzereien Böhm-Bawerks suchten die konsequenten Subjektivisten – Menger, Wieser, der frühe Schumpeter, Liefmann – auch den »objektiven Wert« auf die Liste der verbotenen Worte zu setzen. Der »absolute« Wert ist immer zugleich ein prämonetärer, d.h. ein den monetären Formen Geld und Preis vorgeordneter, doch tritt er auch in der Gestalt des monetären und abstrakten auf, nämlich als »Wert« im Sinn der »Wert-Einheit« Dollar, Mark, Pfund usw. Der Subjektivist Wicksell verwickelte sich daher in den doppelten Widerspruch, in seiner Kapitaltheorie eine ihrer Art nach absolute und prämonetäre »Wertsumme« zu unterstellen; in seiner Geldtheorie obendrein eine zweite Summe addierbarer Werte, also einer abstrakten und monetären Summe. Beider Verhältnis blieb gänzlich undurchsichtig.

Wie ein deus ex machina erscheint in dem der Wert- und Kapitallehre nachfolgenden, dem Geld gewidmeten Band seiner »Vorlesungen« diese zweite Wertsumme ebenso unabgeleitet und apodiktisch wie schon die prämonetäre Wertsumme qua Kapitalwert-Summe des ersten Bandes. In diesem zweiten Band kommt schließlich jener dritte Wertbegriff hereingeschneit, der »abstrakte«. Zwar nicht wörtlich, wohl aber der Sache nach: Vom Geld heißt es nämlich, daß es sich »zu einer abstrakten Quantität, einer bloßen Wertmenge«, also einer abstrakten Wertmenge »verflüchtige«. Offenbar focht es Wicksell nicht an, daß seine Lehrmeister Menger und Böhm-Bawerk auch den Begriff des »abstrakten Werts« mit gutem Grund in Acht und Bann getan hatten. Handelt es sich hierbei doch um eine Wertmenge, die real und objektiv, also transzendent sein soll, eine real-abstrakte »Menge«.

In jenem zweiten Band bezieht der subjektive Werttheoretiker Wicksell den Begriff der abstrakten, objektiven und absoluten »Wertsumme« absurderweise gar auf die Warenmenge, die er im ersten Band im Sinn seiner Theorie der Tauschhandlungen, der sog. »relativen Preise« subjektivistisch interpretiert hatte, und zwar als eine in sich abgeschlossene, vom Geld isolierte Werttheorie. Damit blieb nicht nur kein Raum für die Thematisierung des Begriffs »Äquivalent« oder »Wertgleichheit« – ein makroökonomisch unverzichtbarer Begriff: Wicksell postulierte gar, daß das Tauschmittel »in einer Menge« angeschafft werden müsse, »welche der Wertsumme der gewünschten (...) Ware entspricht« [ 84 ] . Es liegt auf der Hand, daß er so de facto die subjektivistische Deutung der »Ware« im ersten Band widerrufen hat: Die »Wertsumme« einer Ware, die der Wertsumme des Geldes zu »entsprechen« vermag, kann nur als objektive und absolute verstanden werden.

Der Keynes inspirierende Begründer der monetären Konjunkturtheorie hat damit seine geldtheoretische Verkehrsgleichung als Gleichung »objektiver« und »abstrakter« Werte dargestellt. Sein »soziales Interesse«, seine unverhüllt apologetische Intention, verstrickt diesen klassischen Repräsentanten und Wegbereiter der »exakten« Ökonomie in frappierende Widersprüche: die Theorie der sog. »relativen Preise« im ersten Band operiert mit subjektiven, relativen und konkreten Wertbegriffen, die Theorie der »absoluten Preise« im zweiten Band mit objektiven, absoluten und abstrakten. Dieser bis heute verschwiegene werttheoretische Hauptwiderspruch ist der tiefere Grund der allseits beklagten »Dichotomie« von »realem« und »monetärem« Sektor. Er tritt vor allem dann zutage, wenn die Geld- und Güterströme als »Wertvolumen«, ihre Ausdehnung als »Wertbreiten« interpretiert und ihr Verhältnis folgerichtig als das einer »Wertgleichheit« [ 85 ] verstanden wird, einer objektiven Äquivalenz.

Unklar bleibt weiterhin, wie sich die »Tauschwertmengen« des Kapitals einerseits zu den ominösen »Kraftmengen« der »Arbeits- und Bodenkraft« verhalten, andererseits zur »Wertsumme« der Waren wie zur »abstrakten Quantität« der »bloßen Wertsumme« Geld. Wie wir schon erfuhren, sollen sich die »Kraftmengen« von Arbeit und Boden zum Kapital »vereinigen«, bilden demnach eine Voraussetzung des Kapitals. Doch es findet sich auch die gegenteilige Behauptung, sofern ein Teil jener Kräfte »sich in die Form des Kapitals gekleidet« haben soll, Kapital demnach als ein selbständig Drittes vorausgesetzt wird. Die kategoriale Konfusion Wicksells gipfelt schließlich in jenen Formulierungen, die Arbeit und Boden einem »Arbeitskapital« bzw. »Bodenkraftkapital« gleichsetzen. Jene mysteriösen »Einkleidungen« und »Vereinigungen« scheinen also nur um den Preis vermeidbar, daß Physisches und Soziales unmittelbar identifiziert werden.

Die Frage, ob »Kapital« als ein dritter Faktor neben der »Arbeits- und Bodenkraft« fungiert oder nicht, ist auch aus Marxscher Sicht eine zweifellos legitime. Wie im letzten Abschnitt gezeigt werden soll, finden sich hierzu einige treffliche Überlegungen Wicksells, doch mit seinem wirren Spiel der »Kräfte« verbaut er sich selbst den Ausbau jener Gedanken über das Kapital als Subjekt. Was jene »Kräfte« hervorbringen sollen, sind der Sache nach Schumpeters monströse »Arbeitsleistungsgallerten« und »Bodenleistungsgallerten«. Soll der Kapitalbildungsprozeß, die Genesis des Kapitals seine eigentliche Ursache doch darin haben, daß jene mysteriösen Produkte »erspart« und »aufgespeichert« werden. Die Frage nach dem Substrat dieser »aufspeicherbaren«, intertemporär bestandsfähigen Entitäten, nach dem, was als solch Aufspeicherbares zu bestehen vermag, die »Bestände«, »Fonds« etc., verweist wiederum auf Schumpeters monströse Metaphern, auch die Wicksellsche Rede von den Kapitalmengen in »freier Form«. Der Mitbegründer der schein-exakten Ökonomie, Jevons, sprach höchst inexakt vom »freien Kapital« [ 86 ] . Assoziiert wird von allen drei Autoren ein »reines«, »flüssiges«, doch irgendwie objektiv existierendes Potential, ein Bestimmungsloses, in bestimmte, konkrete Güter irgendwie Verwandelbares – ein »Investierbares«.

Schumpeter sollte dieses »freie Kapital« höchst mißverständlich «Kaufkraft« nennen, die nicht bloß dem Geld, sondern auch den Waren inhärieren, also einen prämonetären Charakter besitzen soll; es besäßen »alle marktwirtschaftlichen Güter Kaufkraft« [ 87 ] . Er findet eine originelle »Definition« für diese Kraft, die besser Tauschkraft genannt werden solle: es ist eine »abstrakte Macht – d.h. nicht in konkreten Gütern festgelegte – über Güter im allgemeinen« [ 88 ] .

Doch Geld ist ihm ebenfalls eine »allgemeine Anweisung auf (...) Güter überhaupt« [ 89 ] , Güter im allgemeinen. Der »Anweisung« wird wie der »Kaufkraft« neben oder meist statt des Attributs »abstrakt« auch das Attribut »allgemein« zugeordnet. Beide Entitäten repräsentieren ebenso wie die »Fonds«, »Bestände«, »Mengen« etc. ein Real-Abstraktes oder Real-Allgemeines. Nicht ökonomische Handlungen, Wertschätzungen etc. sind also das »Ursprüngliche«, wie die im »falschen Selbstverständnis« [ 90 ] verfangene Methodologie der Nationalökonomie behauptet, sondern jene Entitäten, irreduzible, »letzte« Voraussetzungen der akademischen Ökonomie.

Die Schumpetersche Definition ist vorzüglich geeignet, Nähe und Ferne zwischen der akademischen und der Marxschen Begriffsbildung zu demonstrieren. Wenn Marx Geld als »abstrakte«, »allgemeine Form des Reichtums« definiert, als »Totalität« seiner »Besonderheiten«, der Gebrauchswerte im Sinn seiner »Substanz«, so »existiert« diese »Totalität« [ 91 ] in ihm »als vorgestellter Inbegriff der Waren. Der Reichtum (Tauschwert als Totalität sowohl wie Abstraktion)«.

Ähnlich definiert Marx Kapital und Lohnarbeit. Es handelt sich um keine letzten Substrate, sondern um die Darstellung eines sozialen Verhältnisses von Besonderem und Allgemeinem, der abstrakten und allgemeinen Arbeit als einer »Totalität«. Spricht Schumpeter von »Güter[n] im allgemeinen«, J. St. Mill von »Dingen überhaupt« [ 92 ] , definiert Adorno präziser den »Wert« als »Einheit des Vielen, der sinnlich verschiedenen (...) Gebrauchswerte« [ 93 ] , Wert als Totalität der Gebrauchswerte. All diese Begriffe sind in der Marxschen Definition des Werts enthalten; da im Anschluß an Hegel auch die allgemeine Arbeit als »Totalität« definiert wird, korrespondieren Marxsche und Hegelsche Bestimmungen: Wie der Wert ist auch die allgemeine Arbeit eine Totalität, Inbegriff der besonderen Arbeiten: Sie ist »Arbeit überhaupt« oder »schlechthin«, »weder Manufaktur- noch kommerzielle, noch Agrikulturarbeit, aber sowohl die eine wie die andere« [ 94 ] . »Ein solches Einfaches, das durch Negation ist, weder Dieses noch Jenes, ein Nichtdieses, und ebenso gleichgültig, auch Dieses wie Jenes zu seyn, nennen wir ein Allgemeines.« [ 95 ]

Dieses existierende Allgemeine, die Arbeit, enthält das Moment der »Abstraktion«: Es ist durch »Negation« als »Nichtdieses« gesetzt. Es ist weder dieses Einzelne noch jenes – doch es ist als gleich Gültiges »auch« dieses Einzelne wie jenes –, das zur Abstraktion gegenläufige Moment der »Totalität«. In der einleitenden Einführung des Werts im ersten Kapitel des Kapital drückt Marx das Moment der »Abstraktion« darin aus, daß der Wert oder das Allgemeine der Gebrauchswerte Weizen und Eisen »weder das eine noch das andere ist« [ 96 ] ; der Wert ist ihnen gegenüber ein »Drittes«, ein Übersinnliches, ein ganz Anderes. Ebenso ist die allgemeine Arbeit »weder« die eine »noch« die andere einzelne Arbeit. Doch diese »dritte« oder allgemeine Arbeit muß andererseits »sowohl die eine wie die andere« sein, d.h. deren »Totalität«, »Inbegriff«, »Einheit«. Ebenso existiert das Allgemeine, d.h. die »Einheit« [ 97 ] , das Übersinnliche oder der Wert nicht, wie bei Simmel, als transzendentes »Urphänomen« neben und unabhängig von den sinnlichen Einzelnen, dem Weizen und Eisen. Wie das »universale in re« existiert er allein »in den (...) Dingen« [ 98 ] selbst als ihr übersinnlicher »Inbegriff«.

In dem Dasein der Waren als Werte, d.h. in ihrem »Dasein als Gleiche« [ 99 ] , als »Identische«, »qualitativ identische« [ 100 ] , sind die Werte etwas gegenüber den Gebrauchswerten »absolut Verschiedenes« [ 101 ] ; ein ganz Anderes. In ihrer »zweiten Existenz« [ 102 ] als »Wert« ist die Ware absolut austauschbar, besitzt sie die »absolute √©changeabilit√© (...), keine quantitative, sondern qualitative Bestimmung« [ 103 ] , während sie als Gebrauchswert bloß relativ austauschbar ist, abhängig vom Bedürfnis eines Käufers. Ihrer »absoluten Austauschbarkeit« wegen wird der Wert der Ware auch als »allgemeiner Gebrauchswert« [ 104 ] definiert – ein bloß anderer Terminus für den Wert als »Inbegriff der Gebrauchswerte«. So ergibt sich die Fundamentalthese der Marxschen Werttheorie, daß die »Ware überhaupt« ein existierender Widerspruch ist: »der Widerspruch (...), als besonderer Gebrauchswert zugleich (...) allgemeiner Gebrauchswert« [ 105 ] zu sein – ein »unmittelbarer Widerspruch«. Von diesem heißt es hegelianisch: »Dieser Widerspruch muß sich entwickeln«. [ 106 ]

Plastischer noch als im Kapital (in der ersten Ausgabe) wird dieser Kerngedanke in der ersten Ausgabe von Marxens sogenanntem Rohentwurf mittels Hegelscher Termini ausgedrückt: »Obgleich unmittelbar in der Ware vereinigt, fallen Gebrauchswert und Tauschwert ebenso unmittelbar auseinander«. [ 107 ] Der Wert existiert »in« den Gebrauchswerten, ist in »unmittelbarer Einheit« mit ihnen, eine Einheit, welche »ebenso unmittelbar auseinanderfiel« [ 108 ] . Die »Zirkulation« wird als ein »Prozeß« definiert, »worin die beiden in der Waare unmittelbar zusammenfallenden und unmittelbar auseinanderfallenden Momente, deren unmittelbare Einheit sie ist, (...) vermittelt werden«. [ 109 ]

Der Grundgedanke dieser im Urtext dargestellten dialektischen Entwicklung von W-G-W (Ware-Geld-Ware), der »einfachen Zirkulation«, findet sich auch noch in der zweiten Ausgabe des Kapital: die Zirkulation W-G-W wird dort als »Lösen«, als Lösung der »wirklichen Widersprüche« [ 110 ] der Ware bezeichnet, wie sie im zweiten Kapitel offenbar werden. Es sind die der »Ware überhaupt«. Ihr Widerspruch – der »Widerspruch der allgemeinen Charaktere des Werts mit seinem stofflichen Dasein in einer bestimmten Ware« [ 111 ] – bedeutet: »Ihre Einheit fällt noch unmittelbar auseinander und ihr Unterschied noch unmittelbar in eins«. [ 112 ]

Diese »Ware überhaupt« oder »Ware an sich« ist Prinzip, Anfang des Systems. Als bloß an sich seiende, noch nicht existierende Ware bedarf sie der »Entwicklung«, d.h. ihr Widerspruch »muß sich entwickeln«, sodaß sie sich zunächst als preisbestimmte Ware und das ihr korrelierende Geld darstellt, schließlich als Kapital. Die »Ware überhaupt kann man mit Cesare Luporini auch als »empirisches Prinzip« [ 113 ] charakterisieren. Ein solcher Ansatz hätte sich u.a. darin zu bewähren, daß er die widersprüchlichen Positionen vor allem innerhalb der Kapitaltheorien erklärt. Primär geht es dabei um das Problem der »Verkörperung im Sinn von Materialisierung« [ 114 ] : Materialisierung eines Abstrakt-Allgemeinen in einem Konkret-Besonderen. Dies scheint der primäre Widerspruch, der sich mit drei anderen verbindet, dem von Subjektivem und Objektivem, Sein und Geltung, Sein und Schein.

Einige Beispiele vor allem aus der Geld- und Kapitaltheorie demonstrieren gewisse bereits von Simmel, Schumpeter u.a. konstatierte »logische Schwierigkeiten«, die aus dem Wertsubjektivismus der Wiener Schule resultieren. Um die Denkunmöglichkeit des »objektiven« und das alleinige Dasein des »subjektiven« Werts beweisen zu können, stützte sich ihr Begründer Carl Menger vor allem auf zwei grundlegende Argumente; beide beziehen sich auf die Paradoxien der ökonomischen Realität.

Es geht einmal um das, was Marx die »absolute Austauschbarkeit« der Ware in ihrer Eigenschaft als absoluter und objektiver Wert nannte. Die Mengersche These lautet: »Aequivalente im objektiven Sinne des Wortes existieren (...) nicht«. Sie können »in Wirklichkeit gar nicht bestehen«, existieren also nur zum Schein. Die paradoxe Deutung des Begriffs »objektives Äquivalent«, auch seine Bestimmung als absoluter Wert, ist beiden Antipoden gemein: »Aequivalente (im objectiven Sinne) können nur solche Güterquantitäten genannt werden, welche sich (...) in beliebiger Weise umsetzen ließen (...). Solche Aequivalente sind (...) nirgends vorhanden.«

Gäbe es sie, so müßte jeder Tausch »rückgängig gemacht werden können«. Er spricht daher von einer nur »angebliche[n] Gleichheit zwischen zwei Güterquantitäten« und insistiert darauf, daß eine solche »Gleichheit des Werthes zweier Güterquantitäten [ 115 ] (eine Gleichheit im objectiven Sinne) in Wahrheit nirgends besteht«, also nur scheinbar. Auch Simmel sollte einräumen, daß eine solche Wertgleichheit sich nur als Gleichheit »absoluter« Werte denken läßt. Es war das Problem dieser zumindest scheinhaften Existenz des »absoluten Werts«, die wohl wichtigste unter den »logischen Schwierigkeiten«, die ihn an einer wissenschaftlichen, nicht-metaphysischen Lösung verzweifeln ließen. [ 116 ] Das Paradox der »absoluten Austauschbarkeit« blieb unbemerkt. Kröll dürfte die einzige Ausnahme sein, der den »Tauschwert« als Eignung des Gutes definierte, »an sich in jedes beliebige andere Gut (...) konvertiert zu werden«, also »schrankenlose Konvertierbarkeit« [ 117 ] , wobei er sich auf Marx bezog.

Nimmt man das Mengersche Argument ernst, verschwinden mit dem »absoluten« Wert scheinbar alle Paradoxien. Es stellt sich aber ein anderes Dilemma ein: Destruiert man mit ihm doch die grundbegriffliche Basis der Makroökonomie, die auf Begriffe wie »gleicher Wert«, »Gegenwert« [ 118 ] etc., auf den absoluten Wert als allein addierbaren, unmöglich verzichten kann. Es war vor allem dieses Problem, das dem späten Schumpeter makroökonomisch »kritisches Unbehagen« [ 119 ] bereitete und ihn zum erneuten Studium der Marxschen Wertlehre motivierte. Andererseits dürfte es schwerfallen, die Stringenz der Mengerschen Beweisführung zu bestreiten, daß der Begriff des objektiven Äquivalents die Behauptung einer absoluten Austauschbarkeit der Waren impliziert.

Sein zweites, unmittelbar gegen den »objektiven Wert« gerichtetes Argument, hat Menger nur angedeutet. Das wurde jedoch von Wieser präzisiert: Es sei »irrig«, wenn die Ökonomen »von lsquo;Werthen‘ gleichwie von selbstständigen realen Dingen sprechen und der Werth solcherart objectivirt wird. Denn das, was objectiv besteht, sind doch immer nur die Dinge.« [ 120 ]

Wie Böhm-Bawerk später die Kapitaltheorie, begründete Menger seine nationalökonomische Werttheorie mit metaökonomischen, ontologischen Argumenten: Er fragt, was »in Wahrheit besteht« oder »in Wirklichkeit bestehen« kann, nicht bloß scheinhaft, sondern »was objectiv besteht«, was »reale Dinge« generell und im ökonomischen Raum sind. Wieser spitzte die Mengerschen Ideen dergestalt zu, daß er den »relativen Wert« dem »objektiven Wert« gleichsetzte, ihn damit ebenfalls als »sinnlos« kritisierte; sein Argument scheint kaum widerlegbar: »Der lsquo;objective‘ Wertbegriff – den man auch den relativen nennen kann, (...) ist«, da er »als subjective Erscheinung Realität nicht haben soll und doch als Naturerscheinung Realität nicht haben kann, im Widerspruch mit all dem, was wir über die Dinge zwischen Himmel und Erde zu denken gewohnt sind.«

Wiederum geht es um den Begriff der »Realität», wobei der nichtökonomische, nämlich ontologische Charakter der Argumentation noch klarer in seiner These hervortritt, daß die objektive Werttheorie genötigt sei, eine »neue Ordnung zwischen den physischen und den psychischen Erscheinungen« [ 121 ] zu unterstellen, die Existenz eines Zwischenreichs, eines gesellschaftstheoretisch »dritten Reichs» zu behaupten. Umgekehrt, nur unter der Voraussetzung dieses Zwischenreichs, dieses Dritten »zwischen Psychischem und Physischem«, ist es gestattet, die Existenz eines »objektiven« Werts, einer ökonomischen »Objektivität« oder Wert-»Gegenständlichkeit« zu behaupten. Nur »Physisches« und »Psychisches« vermag außerhalb des metaphysisch-theologischen Bereichs »Realität« zu beanspruchen, so daß für einen »objektiven Wert«, selbst für einen »relativen« kein Raum bleibt. Aus der Perspektive des späten Schumpeter gelten mit dem »objektiven« oder makroökonomischen Wert, dem Wert der makroökonomischen Wertschöpfungslehre, die makroökonomischen Gesamtgrößen als »sinnlos« [ 122 ] , damit die Makroökonomie selbst. Er geriet in das Dilemma, an der Makroökonomie festhalten zu wollen, doch aufgrund seines wertsubjektivistischen Bekenntnisses nicht festhalten zu können: Hatte der Wieser-Schüler Schumpeter doch einmal konstatiert: »Nach Einführung des subjektiven kann es keinen lsquo;objektiven‘ Wert mehr geben (...); es ist mindestens irreleitend, den Preis einen objektiven Wert zu nennen. Er scheint nur ein solcher zu sein«. [ 123 ]

Mit dem im Kursivdruck hervorgehobenen Begriff »Schein« wird hier expressis verbis betont, daß es die Ökonomie immer auch mit dem Gegensatz von objektivem Schein und Sein zu tun hat, Objektivität zwar nicht als Sein, aber doch als Schein den Ökonomen zu verwirren vermag. Freilich bleibt dieser »Schein« erklärungsbedürftig. Daß Marx diesen »Schein« den »gegenständlichen Schein der gesellschaftlichen Arbeitsbestimmungen« genannt, dergestalt den Begriff »Fetischismus« [ 124 ] definiert und als eine seiner Erscheinungsformen den (absoluten, objektiven) »Wert« begriffen hat, ist weder Schumpeter noch irgendeinem anderen Ökonomen von gestern bis heute je zu Ohren gekommen. Es ist der (Marx) »gegenständliche«, objektive Schein der Arbeit, die hier nicht physiologisch zu begreifen ist, sondern es ist ein Schein, der infolge gewisser (Marx) »gesellschaftlicher Bestimmungen« dieser Arbeit existiert. Gemäß Otto Veit geht es um diese Bestimmungen der »in Tauschgütern verkörperten Anwartschaft auf Gebrauchsgüter«, die »verwirklicht« werde, die »Geltung, die das Gut (...) besitzt« und die damit verbundene »abstrakte« Verfügungsmöglichkeit über Güter« [ 125 ] . Werden solche gesellschaftliche Bestimmungen ernst genommen, ist der Horizont der subjektiven Wertlehre schon transzendiert, unterstellt diese »abstrakte Verfügungsmöglichkeit« oder auch Schumpeters prämonetäre »Kaufkraft«, ihr real-abstrakter und real-allgemeiner Charakter, doch die Existenz des dritten oder »Zwischenreichs«.

Dies zeigt sich ferner darin, daß Menger den Wert auch in seiner dritten Eigenschaft als »abstrakten« verwerfen muß. In seiner Abhandlung über das Geld bezeichnet er das »abstrakte Tauschwertquantum« als ein »Phantasiegebilde« und die Lehre vom Geld als ein »abstraktes Wertquantum« als eine »Irrlehre« [ 126 ] .

Es gibt schließlich einen vierten, mit der subjektiven Wertlehre unvereinbaren, in der akademischen Ökonomie dennoch verwendeten Wertbegriff» den Begriff des »allgemeinen Werts« und des synonym gebrauchten »generellen] Gut[es]«. Im Gegensatz zur »Bewegung konkreter (...) Werte« wird Geld so als ein allgemeiner Wert bestimmt, ein »allgemeiner, d.h. noch nicht konkretisierter (...) Wert schlechthin« [ 127 ] . Das »generelle Gut« birgt unmittelbar in sich« ein »spezielles Gut« und den »Strom« zwischen den »speziellen und generellen Gutsmengen« oder der »generellen Gutsmasse«, wobei sich das eine Gut in das andere »umwandelt« [ 128 ] . Unschwer ist hier zu erkennen, daß die Marxschen Begriffe »Totalität«, »Inbegriff« sowie der klassische Begriff »Metamorphose« mitgedacht werden. Die »Gütermassen« sind also nur scheinbar gänzlich »reine«, »homogene«, »qualitätslose«. Es handelt sich vielmehr um potentiell »konkrete« und »spezielle« Güter.

Allein die Plausibilität dieser Begriffe weist darauf hin, daß sich der Mengersche subjektivistische Rigorismus kaum durchhalten läßt. So dürfte sich bereits die Schumpetersche Definition der prämonetären Kaufkraft der Wieserschen Disjunktion von Physischem und Psychischem schwer einordnen lassen. Der Sache nach hat er ein Real-Abstraktes oder Real-Allgemeines thematisiert, das sich logisch-ontologisch nur zwischen dem Physischen und dem Psychischen verorten läßt.

Der Subjektivist Schumpeter ist daher von einem genuinen Verständnis der in seine Definition der prämonetären Kaufkraft eingegangenen Begriffe weit entfernt. Will er doch nicht wahrhaben, daß er der Sache nach die abstrakten, allgemeinen und objektiven Momente des Wertbegriffs, im Grunde den Wert als Totalität definiert hat. So wiederholt er noch auf derselben Seite des Textes sein subjektivistisches Glaubensbekenntnis: »Werte müssen in einem Bewußtsein leben, wenn das Wort überhaupt einen Sinn haben soll«. Da in ihm ob dieser extremen These Bedenken aufsteigen, konstruiert er systemwidrig eine monströse Entität, das »soziale Wertsystem eines Volkes«. Dogmatisch versichert er: es »gibt (...) ein soziales Wertsystem, ein soziales System von individuellen Werten« [ 129 ] , also ein überindividuelles System individueller Werte, das eine Contradictio in adjecto darstellt. Es drängt sich die Frage auf, wo dieses »System« zu »leben« vermag und wo die »abstrakte Macht« seiner Kaufkraft »leben« soll? Was anderes vermag jene »abstrakte Macht« zu bezeichnen als den perhorreszierten Begriff des abstrakten und objektiven Werts im Sinn des Kapital-Werts? Wenn es sich um eine reale Macht handeln soll, dann muß sie in einem konkreten Gebrauchswert »verkörpert«» sein, als Abstrakt-Allgemeines in einem Konkret-Besonderen, nicht anders als Simmels nationalökonomisches »universale in re«. Wird er aber ernsthaft behaupten wollen, daß an der Konstitution jener abstrakten Entität keine Bewußtseinsakte beteiligt sind? Dann freilich hätte es Schumpeter ausschließlich mit Fetischen schlechthin, absurden »Monstrositäten« zu tun.

Angesichts der kaum noch überbietbaren definitorischen Willkür in diesem Beispiel neoklassischer Begriffsbildung, der Bildung von Termini und Metaphern, die der pathetisch beschworenen subjektiven Werttheorie diametral entgegengesetzt sind, ist es nicht verwunderlich, wenn sich dieser objektivistische Fetischismus von Schumpeters »Kaufkrafttheorie
des Kapitals« [ 130 ] wieder in sein Gegenteil, einen subjektivistischen rückverwandelt: Aus dem »hinfließenden Strom des Wirtschaftens« werde »ein Stück davon« herausgegriffen. Es handle sich um das »Stück eines (...) Güterstroms – der ebensogut als Strom von Wertungen oder Bedürfnisbefriedigungen definiert werden könnte«. [ 131 ] |

Die dem Bewußtsein »transzendente« Kraft oder »Macht« des Kapitals ist in ihr Gegenteil umgeschlagen, in dem Bewußtsein immanente Entitäten. Doch wo vermag dieser »Strom« zu »fließen«, wo »leben« seine Elemente? Handelt es sich um einen »Strom« subjektiver Werte, die doch nur »in einem Bewußtsein« fließen können, nicht außerhalb von diesem? Doch was hat es dann mit dem »Kreislauf« der »Werte« auf sich, daß solche auch als »homogene Größen« [ 132 ] aufzutreten und sogar eine »Eigenbewegung« [ 133 ] zu vollbringen vermögen? Wo und wie? »In einem Bewußtsein«? Die von Marx immer wieder angeprangerte »Verwechslung« von Wert und Gebrauchswert, der hierin eingeschlossene »Umschlag« vom Objektiven ins Subjektive und umgekehrt läßt sich exemplarisch demonstrieren. Sie scheint ein charakteristisches Merkmal subjektivistischer Begriffsbildung zu sein, welches sich bei allen Vorkämpfern der »Grenznutzenrevolution« nachweisen läßt.


[ 1 ] Theodor W. Adorno, Gesammelte Schriften, Bd. 8, Soziologische Schriften 1, Frankfurt a.M., S. 247.

[ 2 ] Ebd., S. 253.

[ 3 ] Ebd., S. 264.

[ 4 ] Marx-Engels-Werke, Ausgabe Berlin; im folgenden zitiert als MEW, Berlin 1968, Band 26.3, S. 90.

[ 5 ] Ebd., Bd. 23, S. 90.

[ 6 ] Ebd., Bd. 13, S. 35.

[ 7 ] Ebd., Bd. 26.3, S. 445.

[ 8 ] Ebd., Bd. 25, S. 405

[ 9 ] Ebd., S. 483.

[ 10 ] Ebd., 468.

[ 11 ] Ebd., S. 443.

[ 12 ] Ebd., S. 447; siehe auch S. 405.

[ 13 ] Ebd., S. 58

[ 14 ] Ebd., Bd. 26.3, S. 509.

[ 15 ] Ebd., Bd. 16, S. 245.

[ 16 ] Vgl. die Stichworte “Selbstreferenz” etc. in: Jürgen Ritsert, Einführung in die Logik der Sozialwissenschaften, Münster 1996; ferner in: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 9, Darmstadt 1995, S. 515ff.

[ 17 ] MEW, Bd. 24, S. 49f.

[ 18 ] Gisbert Rittig, Kapitalismus, Marxismus und oeconomia pura, in: Kritik der politischen Ökonomie heute. 100 Jahre lsquo;Kapital‘, hg. Von Alfred Schmidt, Frankfurt a.M., S. 121.

[ 19 ] Erich Preiser, Politische Ökonomie im 20. Jahrhundert, München 1970, S. 209f., 220. Von “sozialer Physik” als Programm einer Soziologie sprach erstmals Comte, wobei er der Nationalökonomie einen wissenschaftlichen Status abgesprochen hatte; später charakterisierte Quetelet mit diesem Begriff seine Bevölkerungsstatistik.

[ 20 ] Geschichte der ökonomischen Analyse, Göttingen 1965, S. 50.

[ 21 ] Ebd., S. 48.

[ 22 ] Ebd.

[ 23 ] Josef Schumpeter, Das Wesen des Geldes, S. 83; aus dem Nachlaß hg. Von F. K. Mann, Göttingen 1970.

[ 24 ] Ebd., S. 225

[ 25 ] Josef Schumpeter, Das Wesen des Geldes, S. 83; aus dem Nachlaß hg. Von F. K. Mann, Göttingen 1970.

[ 26 ] Theodor W. Adorno, Philosophische Terminologie, Frankfurt 1973/1974, Bd. 1, S. 107f.; Bd. 2, S. 95f., 100f., 131.

[ 27 ] MEW, Bd. 13, S. 35.

[ 28 ] Ebd., Bd. 23, S. 71.

[ 29 ] Ebd., S. 63.

[ 30 ] Josef F. Feilen, Die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes. Untersuchungen zur Gegenstandstheorie und Kategorienlehre der Geldwirtschaft, Berlin 1923, S. 47f.; die intendierte materiale Logik soll letztlich die aktuell gebliebene Frage lösen, ob “logisch-theoretisch” die “Geldform oder der Kredit” den “Anfang” bildet.

[ 31 ] MEW, Bd. 23, S. 85.

[ 32 ] Ebd., Bd. 42, S. 101.

[ 33 ] Ebd., Bd. 26.3, S. 134.

[ 34 ] Ebd., S. 256.

[ 35 ] Josef Schumpeter, Das Wesen des Geldes, a.a.O., S. 131.

[ 36 ] Ebd., S. 306.

[ 37 ] Josef Schumpeter, Aufsätze zur ökonomischen Theorie, Tübingen 1952, S. 56.

[ 38 ] Josef Schumpeter, Geschichte der ökonomischen Analyse, a.a.O., S. 1107.

[ 39 ] Josef Schumpeter, Dogmenhistorische und biographische Aufsätze, a.a.O., S. 280.

[ 40 ] Ludwig M. Lachmann, Marktprozeß und Erwartungen, München 1984, S. 91.

[ 41 ] Walter Taeuber, Philosophie des Geldes. Ein Entwurf, Finanzarchiv, N.F Bd. 9, 1943, S. 438, 441, 452, 474.

[ 42 ] Theodor W. Adorno, Zur Lehre von der Geschichte und der Freiheit, Vorlesungen, hg.
v. Rolf Tiedemann, Frankfurt am Main 2001, S. 168, 172ff., 189ff.; Ritsert, Einführung in
die Logik, a.a.O., S. 234, 268, 336.

[ 43 ] MEW, Bd. 25, S. 872.

[ 44 ] Ebd., S. 870.

[ 45 ] Ebd., S. 203.

[ 46 ] Alfred Amonn, Objekt und Grundbegriffe der theoretischen Nationalökonomie. Neudruck mit einer Einleitung von T. W. Hutchison, Wien u.a. 1996, S. 421, 371f., ferner S. 321ff.

[ 47 ] Werner Sombart, Die drei Nationalökonomien, Berlin 21967, S. l, 125f. Die Überschrift des 2. Kapitels lautet: »Die Unbestimmtheit der Erkenntnisweise«, sie entspreche dem »verzweifelten Zustand« der Ökonomie (S. 8f.). Kritisch zum Begriff des Geldes als »reine Quantität« äußerten sich Siegfried Budge und Emil Lederer.

[ 48 ] Josef Schumpeter, Aufsätze zur ökonomischen Theorie, a.a.O., S. 49.

[ 49 ] Ebd.

[ 50 ] Ebd., S. 40

[ 51 ] Vgl. Stichwort »Universalien« in: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 11, Darmstadt 2001, S. 179ff., Ritsert, Einführung in die Logik, a.a.O., S. 32f., 37, 46, 128, 268.

[ 52 ] Georg Simmel, Philosophie des Geldes, Berlin 81987, S. 101, 126, 32, 87. Während in der gegenwärtigen Simmel-Diskussion sowohl das Theorem der »realen Abstraktion« wie das ökonomische »Universalien«-Problem völlig ignoriert werden, findet sich in der älteren Literatur immerhin ein Geldtheoretiker, dem dieser Problembereich klar vor Augen stand. Werttheoretisch ist er mit dem des »abstrakten Werts« identisch. Eduard Lukas konstatiert: Im Geld werde, »so paradox es klingen mag – abstrakter wirtschaftlicher Wert zu realer (!) Erscheinung gebracht« [Hervorhebung im Original]. Dies sollte die Nominalisten, die »dem lsquo;Abstrakten‘ keinerlei Art von Existenz zubilligen möchten« (Eduard Lukas, Geld und Kredit, Heidelberg 1951, S. 14), nachdenklich stimmen.

[ 53 ] Georg Simmel, Philosophie des Geldes, a.a.O., S. 6. Nur die »Weiterentwicklung« des Werts als einer »metaphysischen Kategorie« ist »verstandesmäßig zu begreifen. Daß es ihn aber gibt, ist ein Urphänomen.« (S. 6, 15) Dies ist das »zeitlose Gesetz selbst in seiner zeitlichen Anschauung, das unmittelbar in Einzelform sich offenbarende Allgemeine«, zit. nach Stichwort »Urphänomen» in: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 11, Darmstadt 2001, S. 376.

[ 54 ] Karl Marx/Friedrich Engels, Gesamtausgabe; im folgenden zitiert als MEGA, Berlin; die römische Ziffer bezeichnet die Abteilung (z.B. M II = die ökonomische Abteilung), die dem zweiten Schrägstrich folgende arabische Ziffer bezeichnet die Bandnummer, danach folgen die Seitenangaben; M/II/6, S. 31.

[ 55 ] Ebd., S. 32.

[ 56 ] Ebd., S. 41.

[ 57 ] Ebd

[ 58 ] MEW, Bd. 26.3, S. 142.

[ 59 ] Ebd., Bd. 19, S. 374.

[ 60 ] Ebd., Bd. 16, S. 123ff.

[ 61 ] Ebd., Bd. 23, S. 52.

[ 62 ] Ritsert, Einführung in die Logik, a.a.O., S. 273: auch »zweite Natur« genannt (ebd.).

[ 63 ] MEW, Bd. 23, S. 87.

[ 64 ] MEGA, M/II/6, S. 32.

[ 65 ] Josef Schumpeter; Dogmenhistorische und biographische Aufsätze, a.a.O., S. 267.

[ 66 ] Zit. in: MEW, Bd. 23, S. 178.

[ 67 ] Ebd.

[ 68 ] David Ricardo, Über die Grundsätze der politischen Ökonomie und der Besteuerung, Berlin 1979, S. 213.

[ 69 ] Albrecht Forstmann, Geld und Kredit, Bd. l, Göttingen 1952, S. 136.

[ 70 ] John M. Keynes, Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes, Nachdruck Berlin 1974, S. 18.

[ 71 ] Josef Schumpeter, Das Wesen des Geldes, a.a.O., S. 206f.

[ 72 ] Josef Schumpeter, Geschichte der ökonomischen Analyse, a.a.O., S. 730.

[ 73 ] Ebd., S. 729.

[ 74 ] Theodor W. Adorno, Einleitung in die Soziologie (1968), Nachgelassene Schriften, Frankfurt am Main 1993, S. 58f., 61.

[ 75 ] Josef Schumpeter, Das Wesen des Geldes, a.a.O., S. 83.

[ 76 ] Josef Schumpeter, Aufsätze zur ökonomischen Theorie, a.a.O., S. 325.

[ 77 ] Hans Albert, Marktsoziologie und Entscheidungslogik. Zur Kritik der reinen Ökonomik, Tübingen 1998, S. 5.

[ 78 ] Adolph Lowe, Politische Ökonomik, Frankfurt am Main 1965, S. 124ff.

[ 79 ] Ernst Eckelt, Kapital als wirtschaftliche Energie und Geld als Maßstab, Berlin 1971, S. 22.

[ 80 ] Kunihiro Jojima, Ökonomie und Physik. Eine neue Dimension der interdisziplinären Reflexion, Berlin 1985, S. 59f., 62, 67, 182. Das »Sozialwertpartikel« sei ein »ökonomisch[es] (...) Elektron« (ebd., S. 107).

[ 81 ] MEW. Bd. 42, S. 650.

[ 82 ] .Ebd., S. 638f.

[ 83 ] Josef Schumpeter, Das Wesen und der Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie, Nachdruck Tübingen 1970, S. 172.

[ 84 ] . Knut Wicksell, Vorlesungen über Nationalökonomie, Bd. l, Nachdruck Aalen 1969, S. 76f-, 207ff., 213f., 217, 223, 227; Bd. 2, Geld und Kredit, Jena 1928, S. 18, 20.

[ 85 ] H. v. Stackelberg, Grundlagen der theoretischen Volkswirtschaftslehre, Tübingen 1951

[ 86 ] W. Stanley Jevons, Die Theorie der Politischen Ökonomie, Jena 1924, S. 228.

[ 87 ] Josef Schumpeter, Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, München/Leipzig 21926.

[ 88 ] Ebd., S. 72.

[ 89 ] Ebd., S. 66.

[ 90 ] Friedrich Jonas, Das Selbstverständnis der ökonomischen Theorie, Berlin 1964, S. 131; der Autor enthüllt die Geschichte der ökonomischen Methodologie als eine von Selbstmißverständnissen.

[ 91 ] MEW, Bd. 42, S. 148.

[ 92 ] Hiergegen polemisierte W. Stanley Jevons, a.a.O., S. 74.

[ 93 ] Theodor W. Adorno, Notizen von einem Gespräch zwischen Theodor W. Adorno und Alfred Sohn-Rethel am 16.4.1965, in: Geistige und körperliche Arbeit, Rev. Neuauflage, Weinheim 1989, S. 223.

[ 94 ] MEW, Bd. 42, S. 38.

[ 95 ] Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Phänomenologie des Geistes, in: ders., Sämtliche Werke, Bd. 2, Stuttgart 1951, S. 84.

[ 96 ] MEW, Bd. 23, S. 51.

[ 97 ] MEGA, M/II/5, S. 19.

[ 98 ] MEW, Bd. 23, S. 51.

[ 99 ] Ebd., Bd. 26.3, S. 137.

[ 100 ] Ebd., S. 125.

[ 101 ] Ebd., S. 127.

[ 102 ] Ebd., Bd. 13, S. 32.

[ 103 ] Ebd., Bd. 26.3, S. 134.

[ 104 ] Ebd., Bd. 13, S. 34.

[ 105 ] Ebd., S. 34.

[ 106 ] MEGA, M/II/5, S. 51.

[ 107 ] MEW, Bd. 42, S. 767

[ 108 ] Ebd., S. 121.

[ 109 ] MEGA, M/II/2, S. 63.

[ 110 ] MEW Bd. 23, S. 118.

[ 111 ] Ebd., Bd. 29, S. 315

[ 112 ] MEGA, M/II/2, S. 79.

[ 113 ] Cesare Luporini, »Die eigentümliche Logik des eigentümlichen Gegenstandes. Marx' Auseinandersetzung mit Hegel«, in: Hans-Georg Gadamer (Hg.), Stuttgarter Hegel-Tage 1970, Bonn 1974, S. 461.

[ 114 ] Klaus Stüdemann, Theorie der Nominalrepräsentanten, Berlin 1976, S. 5.

[ 115 ] Carl Menger, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, in: ders., Gesammelte Werke, Bd. l, Tübingen 1968, S. 86.

[ 116 ] Georg Simmel, Philosophie des Geldes, a.a.O., S. 126.

[ 117 ] Michael Kröll, Der Kreislauf des Geldes, Berlin 1956, S. 119.

[ 118 ] John M. Keynes, Allgemeine Theorie, a.a.O., S. 11, 58, 70, 90; auch die Begriffe »Wertzuwachs«, »Wertzunahme«, »Gesamtwert«, »Menge des Bestands an Kapitalwerten« beziehen sich auf objektive und absolute Werte.

[ 119 ] Josef Schumpeter, Geschichte der ökonomischen Analyse; a.a.O, S. 1213.

[ 120 ] Carl Menger, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, a.a.O., S. 173ff.

[ 121 ] Friedrich v. Wieser, Über den Ursprung und Hauptinhalt des wirtschaftlichen Wissens, Wien 1884, S. 20f., 25.

[ 122 ] Josef Schumpeter, Geschichte der ökonomischen Analyse; a.a.O., S. 754.

[ 123 ] Josef Schumpeter, Das Wesen und der Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie; a.a.O., S. 108.

[ 124 ] MEW, Bd. 23, S. 97.

[ 125 ] Otto Veit, Reale Theorie des Geldes, Tübingen 1966, S. 39, 73.

[ 126 ] Carl Menger, Geld, in: ders., Gesammelte Werke, Bd. 4, Tübingen 1968, S. 27.

[ 127 ] Eduard Lukas, Aufgaben des Geldes, Stuttgart 1937, S. 9; auf den Seiten 11 und 13 gebraucht er synonym mit »allgemeine[m] Wert« die in seiner Arbeit von 1951 exponierten Begriffe des »abstrakten wirtschaftlichen Wertes« (S. 13) und der »abstrakten Wertübertragung« (S. 11). Er kennt auch den Begriff der »Erhaltung des Wertes der bewirtschafteten Substanz« (S. 587) und korrelierend den des »Wertzuwachses« (S. 584).

[ 128 ] Franz Gutmann, »Gut und Geld«, in: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, Bd. 134, Jena 1931, S. 550ff.; ferner Friedrich Lütge, Einführung in die Lehre vom Gelde, München 21948, S. 17ff.: man »wandelt die speziellen Güter in das generelle (...) um«.

[ 129 ] Josef Schumpeter, Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, a.a.O., S. 73.

[ 130 ] Ebd., S. 189.

[ 131 ] Josef Schumpeter, Aufsätze zur ökonomischen Theorie, a.a.O., S. 326.

[ 132 ] Josef Schumpeter, Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, a.a.O., S. 264.

[ 133 ] Ebd, S. 254.

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