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Auch ich war Therapeut

Matthias Deutschmann

Mein Fall ist nicht klinisch
sondern eher privat.
Früher war meine Weltanschauung stationär,
heute bin ich ambulant.

Angefangen hat das in der Unterprima, als es auf das Abitur zuging. Binnen zwei Jahren habe ich mich zum Psychosomatiker, mit Schwerpunkt duodenale Gastritis, ausgebildet. Ich war schon immer für Autodidaktik und hatte schon damals eine ausgesprochene Schwäche für Körper-Geist-Phänomene. Nach bestandener Abiturprüfung, verlor ich mit einem Schlag die mühsam erworbenen Fähigkeiten; dieses intensive Gefühl vom Bauche her kommend, dieses leichte eindringliche Brennen war plötzlich nicht mehr wahrzunehmen, so stark ich mich auch auf meinen Bauch konzentrierte.

Notgedrungen begann ich mich mehr und mehr an meinem Kopf zu orientieren und suchte mir eine anspruchsvolle Kombination von Studienfächern: Theologie – mein Religionsunterricht war eine einzige Katastrophe, hatte mich aber neugierig gemacht – und Biologie (Leben – was ist das?).

Besorgte Freunde sagten mir zwar gleich: “Das hältst du ja im Kopf nicht aus, diese Kombination ist fatal!” Doch ich widersprach energisch. Drei Semester lang. Dann ging es auf die Zwischenprüfung zu und mein Zwölffingerdarm meldete sich wieder. Dieses intensive Gefühl vom Bauche her sagte mir: “Diese Fächerkombination ist nichts für dich!”

Obwohl sich der Kopf anfangs wehrte, brach ich alle Prüfungsvorbereitungen ab und begann eine Schreinerlehre.

Etwas später bin ich dann in ein Gesundheitsladenprojekt eingestiegen. Nach knapp drei Wochen Biokost wurde ich krank. Ich verstand die Welt nicht mehr! Bis ich dann, im Bette liegend, meinen Kopf wiederentdeckte. Nach einer kurzen Phase der Annäherung begann ich mit dem Kopf zu arbeiten. Anfangs leichte zerebrale Gymnastik, dann auch schon mal mittelschwere Jonglierübungen. Als ich begann mit Hegel zu trainieren, meldete sich die Hirnhaut mit einer leichten Entzündung. Alles psychosomatisch, sagte der Arzt. Hätte nicht gedacht, daß mein Kopf sowas kann.

Von jetzt an versuchte ich ganzheitlich zu leben. Kopf und Bauch haben zwar eine Gütertrennung vorgenommen, wollen aber weiterhin zusammenbleiben. Es wurde eine fruchtbare Beziehung. Immer wenn ich Wut im Bauch hatte, bekam der Kopf etwas davon ab und umgekehrt.

Ich wurde politisch. Der Bauch sagte, er sei Anarchist, während der Kopf sich immer wieder vornahm, nun endlich das Kapital zu lesen. Hin- und hergerissen schloß ich mich einer Kabarettgruppe an.

Wir machten damals überzeugtes politisches Kabarett. Habe aber nach langen Bemühungen einsehen müssen, daß das alles nichts bringt. Immer die gleichen Leute und außerdem: mit der Scheiße von anderen Geld verdienen, nein, hab ich mir gesagt und dann bin ich Therapeut geworden.

Habe selbstverständlich eine Ausbildung hinter mich gebracht. Es gelang mir sozusagen, aus meiner eigenen Therapie eine eigene Therapie zu machen. Das geschah im Rebirth Control Center in Houston. Durch Manipulation an meinen Triebwerken – encounter tuning genannt – gelang es mir, kontinuierlich an Schubkraft zu gewinnen und schließlich volle Power zu fahren.

Habe die Welt um einige Therapien reicher gemacht.

Für Interessenten eine Übersicht über meine Erfolge:

Rapunzeltherapie

zur Anbahnung von neuen Beziehungen

Pianotherapie

im Allegroverfahren (ein Wochenende DM 800. –) oder im Staccatoverfahren (DM 200.– die Stunde, so oft sie wollen)

Singspieltherapien

“Fuchs Du hast die Gans gestohlen” – ödipale Ermunterung zur Wiederaufnahme des Sohn-Vater-Konflikts mit dem Ziel der Befreiung von Mutter und Sohn.

“Ein Männlein steht im Walde” – Rollenspieltherapie zur Identitätsfindung unter Abbau des Kastrationskomplexes.

“Warum ist es am Rhein so schön?”- Autosuggestives Chorsingen für angehende Simulanten.

Entzugstherapien

“Nie wieder Geige spielen müssen” -Entzugstherapie für Orchestermustiker und Solisten (Virtuosen zahlen das Doppelte)

Wissenschaftliche Veröffentlichungen:

“Der Dauerauftrag des Therapeuten”

“Der Klient und seine emotionale Abbuchungsermächtigung”

“Zeig mir das Land wo die Neurosen blühn” - Ein Kompaß für angehende Therapeuten

“Heilen durch Reimen – mein Weg zum Therapoeten”

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