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Stephan Grigat

Zu: Initiative Sozialistisches Forum: Furchtbare Antisemiten, ehrbare Antizionisten

Die Erstauflage dieser Textsammlung wurde in Context XXI bereits vorgestellt (2/01). Die nun vorliegende zweite Auflage wurde um drei Texte ergänzt. Die ISF dechiffriert den Hass auf Israel und auf den Zionismus als Resultat der allgemeinen Unzulänglichkeiten der diversen Fraktionen der Linken. Sie klärt über das geschichtsphilosophische Wesen des Zionismus und über das Verhältnis von zionistischer Praxis und kommunistischer Kritik auf. Während der Parteikommunismus selbst noch nach dem Nationalsozialismus an seinem grenzenlos optimistischen und positiven Geschichtsverständnis festhielt, konstruiert sich Geschichte im Zionismus nicht “als Zu-sich-selbst-Kommen des Wesens, sondern als der historische Zusammenhang der Katastrophen und als Abwehr der kommenden. Die Zionisten handeln, als hätten sie sich der Bewahrheitung der ,Geschichtsphilosophischen Thesen' Walter Benjamins verschrieben. In dieser negativen Geschichtsphilosophie ist der Materialismus dem Zionismus verwandt, wenn er auch so kontrafaktisch wie kategorisch, gegen alle Erfahrung und jeden Begriff, sich weigert, dessen These vom .ewigen Antisemitismus' sich zuzueignen.”

Die Aktualität der von der ISF entwickelten Thesen zur Kritik der antizionistischen Linken werden von Andreas Kühne und Andrea Woeldike anhand des Antisemitismusstreits beim “Freien Senderkombinat”, dem freien Radio in Hamburg, dargestellt. In der abschließenden Erklärung der “Bahamas”-Redaktion wird nochmals der Versuch unternommen, die kommunistische Intention der Israel-Solidarität theoretisch zu begründen und auf einige der gängigen Kritiken an einer linksradikalen Solidarität mit dem Staat der Shoah-Überlebenden zu antworten: “Wenn in der Bahamas von den Palästinensern als von dem ‚derzeit wohl aggressivsten antisemitischen Kollektiv' gesprochen wurde, dann ist dies, genauso wie die Rede von ,den Deutschen' oder der ‚deutschen Volksgemeinschaft', mitnichten eine positive, klassifizierende Eigenschaftszuschreibung oder gar, wie einem in böswilligem Unverstand vorgehalten wird, eine ‚rassistische' Qualifikation. Es handelt sich dabei vielmehr darum, einen kritischen Begriff von Verlaufsform und Resultat völkischer Mobilmachung zu gewinnen, bei der nur noch das bedingungslose Mitmachen zählt und die schließlich eine Gesellschaft hervorbringt, die sich nicht mehr nach einander entgegengesetzten Partikularinteressen, Klassen und Fraktionen sortiert (...). So ist es also vielmehr die emphatische Rede vom ‚unterdrückten‘ und ,kämpfenden' ,Volk', die diesen barbarischen Mechanismus geistig verdoppelt.” Leider ist kaum anzunehmen, daß solche Ausführungen irgendeinen oder irgendeine der auf Antirassismus machenden Antizionisten oder Antizionistinnen überzeugen wird.

Aus: Context XXI N° 7 / 2002

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