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Alessandro Volcich

Revolutionstheorie nach Adorno

Der zentrale Bezugspunkt materialistischer Gesellschaftskritik muß das Individuum sein. Präziser noch: dessen Leib. Er ist das Störende der bisherigen Gesellschaft, an ihm reibt sich jede Vermittlung. Nationale und andere Kollektive täuschen lediglich vor, daß es ihn nicht gebe. Doch deshalb verschwindet er nicht, löst sich nicht auf, sondern wird verdrängt. Seine geistige Verdrängung liefert jedoch die Möglichkeit seiner realen Vernichtung. Jeder unterstellten Identität der/s Einzelnen mit etwas außer ihm/r, haftet darum ein Zwang an, der von der Kritik aufgedeckt und bewußt gemacht werden muss. Hierin trachtet sie nach der Verwirklichung des Glücksversprechens, das vom Gleichheitsprinzip der bürgerlichen Gesellschaft ausgeht: der Unversehrtheit des Leibes durch das Recht. Dabei ist es wichtig, den schönen Schein nicht seiner Schönheit zu berauben, sondern auf seine Uneingelöstheit in der Wirklichkeit zu verweisen. Adorno hat diese Uneingelöstheit auf alle Momente der Gesellschaft bezogen, dabei aber eine kritische Theorie politischer Souveränität gescheut, die doch gerade nach Auschwitz die Bedingungen der Freiheit und ihre Verunmöglichung in den Blick zu nehmen hätte. Diese Frage nach einer politischen Urteilskraft wird praktisch durch die Krisen und ideologisch von den AnhängerInnen eines wahnhaft legitimierten Un- bzw. ‘Gegenrechts’, wie es das nationalsozialistische darstellte, immer aufs Neue gestellt. Ihr wird im Buch in der Entfaltung der Widersprüchlichkeit von individueller Freiheit und gesellschaftlicher Determiniertheit nachgegangen, die in je anderer Konstellation vorliegt.

Aus: Unique (Wien) N° 12/2011

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