Nächste Woche in Wien: Sebastian Tränkle über Albert Cohen

Nächste Woche in Wien:

Mittwoch, 9. April 2025, 19.00 Uhr
Bahoe Art House, Fischerstiege 1–7, 1010 Wien
Der Widerruf des Kinderglücks. Über Albert Cohens Oh, ihr Menschenbrüder
Buchvorstellung mit Sebastian Tränkle

Im letzten Jahr ist mit über einem halben Jahrhundert Verspätung die deutsche Erstübersetzung von Albert Cohens Oh, ihr Menschenbrüder beim ça ira-Verlag erschienen. In der autobiographisch gefärbten Erzählung blickt der alternde Schriftsteller auf eine traumatische Episode seiner Marseiller Kindheit um 1900 zurück: Das Kind lernte an seinen zehnten Geburtstag, was es heißt, in einer Welt des Antisemitismus Jude zu sein. Totenklage, Anklage und Appell zugleich, bezieht Cohens Text seine Kindheitserfahrung auf die Vernichtung der europäischen Juden. Auf der Veranstaltung sollen zum einen Passagen des Buchs zu Gehör gebracht werden, ergänzt durch Bilder aus der kongenialen Comicadaption des Charlie Hebdo-Zeichners Luz. Zum anderen werden die ästhetischen, philosophischen und historischen Dimensionen von Cohens Erzählung beleuchtet. Wie verhält sie sich zu anderen Versuchen einer Rückbesinnung auf die Kindheit, von Proust über Benjamin bis zu Adorno? Und welche politische Bedeutung kommt Cohens Erzählung in einer Gegenwart des globalisierten Antisemitismus zu?

Sebastian Tränkle ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Freien Universität Berlin (Philosophie). Er arbeitet unter anderem zu Sprach- und Ideologiekritik, materialistischer Ästhetik und negativer Anthropologie. Gegenwärtig schreibt er ein Buch über ästhetische Selbstbildung, in dem es u. a. um das Verhältnis von Gesellschaftskritik und Ästhetizismus bei Oscar Wilde geht. Außerdem schreibt er für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, darunter Jungle World. Neben einer Rezension von Oh, ihr Menschenbrüder für die Frankfurter Allgemeine Zeitung erschien im letzten Jahr ein Essay in der sans phrase zum Thema.

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